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Maria Solheim - The bird has flown

Maria Solheim- The bird has flown

Kirkelig Kulturverksted / Indigo
VÖ: 05.11.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

In guter Gesellschaft

Norwegen ist nicht nur ein legendäres Pflaster für Black-Metal-Bands – auch die Popmusik aus dem skandinavischen Land hat internationale Maßstäbe gesetzt. Vor allem natürlich wegen der Band A-ha, die seit den Achtzigern Welterfolge feiert. Maria Solheim ist zwar wesentlich näher am Pop als am Black-Metal, stilistisch aber so eigenwillig, dass für ihre Musik zum Glück keines der beiden Genres vollständig passt. Auch deshalb ist ihr neues Album "The bird has flown" ein gelungener Wurf.

Gleich im titelgebenden Opener wird die Popgrenze deutlich überschritten. Solheim stellt sich quasi mit existentiellen Fragen vor: "I have tried to figure out, why I'm alive", singt die 39-Jährige. Das ist sehr intim, aber in keinem Moment aufdringlich oder pathetisch. Auch instrumental bleibt "The bird has flown" angenehm leicht. Ein bisschen klingt der Song, als würde Tom Waits seine Gitarre nehmen und Kylie Minogue, gleich nach "Where the wild roses grow", damit zurück ins Leben spielen.

Im nächsten Song "This is a letter" zeichnet sich eine Stärke ab, die sich durch das ganze Album zieht. Genau wie bei "The bird has flown" kündigt schon der Titel einiges an Überdeutlichkeit an. Diese wird auch sofort mit offensiven Erkenntnissen eingelöst: "I do not need much, just a smile or a touch, of normal humanity", singt Solheim. Dankenswerterweise gibt sie auch genau das beim Hören zurück.

Maria Solheim hat nicht erst seit diesem Album ihren ganz eigenen Stil gefunden. Dennoch bietet "The bird has flown" diverse Vergleiche zu anderen Interpretinnen und Bands an. "Alone in my car" etwa ist wie ein scheuer Liebesbrief, den Julia Stone an Aimee Mann schreibt. "Throw her in the river": So könnte Joanna Newsom klingen, wenn ihr in einem Jim-Jarmusch-Western die Harfe geklaut wird. Ab und zu lässt Solheim auch Harmonien durchscheinen, die an Kings Of Convenience erinnern. Ähnlich wie ihre norwegischen Landsleute schraubt sie in Echtzeit am Kontrast aus leichtfüßigen Balladen und tanzbarem Twee-Pop ("Dance around the living room"). Eine Verzerrung entsteht dabei glücklicherweise nicht.

Im finalen Track "Nordlyset" setzt "The bird has flown" dann passend zum Höhenflug an. Deutsch übersetzt heißt der Song "Nordlicht" und war Solheims Beitrag zum diesjährigen Melodi Grand Prix – der norwegischen Endausscheidung zum Eurovision Song Contest. Dort musste sich die Songwriterin dem Sänger TIX und seinem Hit "Fallen angel" geschlagen geben. Beim ESC-Finale in Rotterdam sprang für TIX der 18. Platz heraus. Man kann also sagen, dass "Fallen angel" dort eine harte Landung hingelegt hat. Solheims verträumte Powerballade "Nordlyset" hebt mit dem Album gerade nochmal ab. "The bird has flown" bietet ihr dabei durchweg gute Gesellschaft.

(Dominik Steiner)

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Highlights

  • This is a letter
  • Alone in my car
  • Nordlyset

Tracklist

  1. The bird has flown
  2. This is a letter
  3. The willow tree
  4. Alone in my car
  5. Throw her in the river
  6. Midnight song
  7. Dance around the living room
  8. You know me
  9. You'll be ok
  10. Cuculus canorus
  11. Nordlyset

Gesamtspielzeit: 37:52 min.

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User Beitrag

Mr Oh so

Postings: 1944

Registriert seit 13.06.2013

2021-11-25 10:52:41 Uhr
Autotomate

Hast du einen Tipp, auf welchem Album man sie mal außerhalb dieser Kategorie bewundern kann?


Es gibt immer mal wieder einzelne Songs, aber im Großen und Ganzen bewegt sie sich schon in ihrer Komfortzone. Einen Geheimtipp habe ich trotzdem: Im Rahmen ihres Projekts "Chronology" spielt sie alle (!!) ihre Songs in neuen Live-Versionen ein. Zu finden auf Youtube.

Marküs

Postings: 904

Registriert seit 08.02.2018

2021-11-25 08:54:30 Uhr
Frail ist ein sehr gutes Album, keineswegs aber so gut wie Barefoot, auch viel reduzierter

Autotomate

Postings: 3769

Registriert seit 25.10.2014

2021-11-25 07:06:40 Uhr
Ich kenne nur ihr Debüt "Barefoot", das sie zwar schon im Alter von 19 veröffentlicht hat, das ich aber auch eher in der Kategorie "nett" ansiedeln würde. Hast du einen Tipp, auf welchem Album man sie mal außerhalb dieser Kategorie bewundern kann?

Mr Oh so

Postings: 1944

Registriert seit 13.06.2013

2021-11-24 23:13:54 Uhr
Oh, das ist ja schön, dass Maria Solheim nach all der Zeit mal wieder etwas Aufmerksamkeit bekommt. Ich bin ja durchaus Fan und besitze die meisten ihrer Alben. Und doch ist das, was sie im mittlerweile gesetzteren Alter so abliefert, eher in der Kategorie "nett" anzusiedeln. Die 7/10 finde ich deshalb fast etwas hoch gegriffen.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21504

Registriert seit 08.01.2012

2021-11-24 20:42:03 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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