Maybeshewill - No feeling is final

The Robot Needs Home Collective / Cargo
VÖ: 19.11.2021
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10

Zukunftsfarben
Hach ja, Reunions. Während ABBA nie offiziell aufgelöst waren, es sich dank 40-jähriger Abstinenz aber für viele so anfühlte, haben Muff Potter zum Beispiel genau zehn Jahre nach Bandbegräbnis wieder die Segel gesetzt. Oder My Chemical Romance nach sechs. Begründungen für den Rücktritt vom Rücktritt bleiben meistens aus – sieht man einmal von Blake Schwarzenbach ab, der die Wiederbelebung des Emo-Flaggschiffs Jawbreaker augenzwinkernd damit rechtfertigte, dass die gebeutelten Konten der Ex-Mitglieder mal wieder eine Spritze vertragen könnten. Die Post-Rocker Maybeshewill aus dem Vereinigten Königreich, deren Bandname zumindest von oben bis unten "Emo" schreit, waren bloß dicke vier Jahre weg vom Fenster. In düsteren Post-Brexit-Zeiten – und vielleicht zusätzlich motiviert durch eine persönliche Festival-Einladung 2018 von Meltdown-Kurator Robert Smith – haben sie aber beschlossen, doch wieder auszurücken, um die vor sich hin bröckelnde Welt ein bisschen schöner zu machen und die Weichen für die Zukunft zu stellen.
Ein "Refuturing" verspricht auch der bockstarke Vorab-Track, obwohl sich das zu Tode betrübte Saxofon darin weniger optimistisch zeigt. Identitätsstiftend sind bei Maybeshewill allerdings seit jeher ihre elektronischen Facetten und eine mal mehr, mal weniger eindeutige Anlehnung an popkulturelle Inhalte gewesen. Ob Endzeit-Dramen wie "The walking dead" die Band zu ihrem fünften Album inspiriert haben? Die Zukunft auf "No feeling is final" wird nämlich, wenn auch nicht in aussichtslosen, so doch zumindest in trüb-melancholischen Farben gemalt. Songnamen wie "The last hours" sind Programm – die Uhr tickt. Und je nachdem, worauf Maybeshewill den Fokus legen, schwingt das Pendel mal in die eine, mal in die andere Richtung: mehr Streicher in "Complicity", mehr gazige Riffs in "Even tide". Ganz so elektronisch verfremdet wie auf "Fair youth" sind Maybeshewill nicht am Werk, sondern weitaus erdiger, allerdings auch ohne die brachiale Gewalt ihrer Frühphase zu entfesseln.
Zu Sprachschnipseln aus "Network" gab es damals beispielsweise im Titeltrack von "Not for want of trying" noch rohe Gitarrenwände, die sich gewaschen hatten. Ja, die Band liebt Filme. Vielleicht sind Maybeshewill also das IMAX des Post-Rocks – gleichzeitig rockiger und theatralischer als viele ihrer Kollegen. Schon bei den Drums zum Einstieg von "We've arrived at the burning building" lässt sich eine ausufernde Plansequenz inszeniert von Christopher Nolan oder Denis Villeneuve ausmalen, zu der Hans Zimmer, dessen Ruf schließlich auch nicht in minimalistischer Kammermusik begründet liegt, bedrohliche Soundscapes liefert. Aus dem Rest des Stücks formt die Band einen epischen Rocksong, in den ein springendes Piano und fliegende Streicher unterstützend eingreifen. "Zarah" knüpft nahtlos daran an und garniert die bekannten Zutaten auch heute noch mit Samples, die sich aller Cineastik zum Trotz den durchaus realen Problemen einer zwischen Klimakrise, Konsum und Katastrophen dahinsiechenden Menschheit widmen.
Auch ohne Vocals sind Maybeshewill im Stande, groß angelegte Geschichten zu erzählen. Wenn "Green unpleasant land" in gar mittelalterlich anmutende Folk-Gefilde aufbricht, dürfen aber auch mal körperlose Bardinnen einen Chor beisteuern. "No feeling is final" gibt sich gleichermaßen post-apokalyptisch wie hoffnungsvoll, denn ganz egal, wie lange das Elend noch währt, auch die unangenehmsten Gemütszustände bleiben nicht ewig. Das abschließende Piano-Kleinod verkündet gar ein zaghaftes, zärtliches "Tomorrow", in dem die Vögel endlich wieder zwitschern. Und in "Even tide" zeigen sich zwischenzeitlich sogar die Bläser versöhnlich – denn wenn am Ende nicht alles gut ist, ist es noch lange nicht das Ende, wie man weiß.
Highlights
- Zarah
- Refuturing
- Green unpleasant land
- Even tide
Tracklist
- We've arrived at the burning building
- Zarah
- Complicity
- Invincible summer
- The weight of light
- Refuturing
- Green unpleasant land
- Even tide
- The last hours
- Tomorrow
Gesamtspielzeit: 50:21 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
User | Beitrag |
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Akim Postings: 229 Registriert seit 17.04.2016 |
2021-11-26 17:18:14 Uhr
Gutes Album, perfekt arrangiert. Natürlich glatter als in den Anfangstagen, klar. Aber sehr stimmig das Ganze. Besonders gut gefallen mir die Drums. |
Armin Plattentests.de-Chef Postings: 28498 Registriert seit 08.01.2012 |
2021-11-24 20:41:25 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.Meinungen? |
Bonzo Postings: 3316 Registriert seit 13.06.2013 |
2021-11-22 21:14:32 Uhr
Unverschämt eingängig. Die Popschweine des Post-Rock. |
Der Wanderjunge Fridolin Postings: 4810 Registriert seit 15.06.2013 |
2021-11-19 08:04:32 Uhr
Feines Album. |
Ralph mit F Postings: 720 Registriert seit 10.03.2021 |
2021-11-18 22:40:51 Uhr
Jepp, nächste Woche! |
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Referenzen
Mogwai; 65daysofstatic; Mono; Collapse Under The Empire; God Is An Astronaut; And So I Watch You From Afar; Explosions In The Sky; Sigur Rós; Hans Zimmer; Caspian; pg.lost; Battles; Alcest; Long Distance Calling; Russian Circles; James Newton Howard; Danny Elfman; Brontide; This Will Destroy You; Wang Wen; Ef; If These Trees Could Talk; Godspeed You! Black Emperor; Envy; Sleepmakeswaves; Public Service Broadcasting; Red Sparowes; Tides From Nebula; I Hear Sirens; Oh Hiroshima; Lights & Motion; Yndi Halda; Kashiwa Daisuke; World's End Girlfriend; Paper Planes
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