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La Luz - La Luz

La Luz- La Luz

Hardly Art / Cargo
VÖ: 22.10.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Aus der Strandgarage

Zu müde, zu mäandernd, zu selbstverliebt. Als Quentin Tarantino 2019 sein Herzensprojekt "Once upon a time in Hollywood" veröffentlichte, fiel die Kritik nicht nur positiv aus. Im Film leider nicht zu sehen oder hören: La Luz. Und das, obwohl die vier Frauen mit ihrem Surf- und Psychedelic-Rock nicht nur wie aus einer kalifornischen Pool-Party der Sechzigerjahre gerissen klingen, sondern sich auch konstant für den Soundtrack jedes nächsten Tarantino-Streifens bewerben. Ihr viertes, selbstbetiteltes Album baut die spirituelle Nähe zum ikonischen Regisseur auf unerwartete Weise aus. Besagtem Hollywood-Märchen entsprechend, wirkt auch dieses erstaunlich ruhige, persönliche und mit sperrigeren Elementen hantierende Werk so, als hätten es seine Erschafferinnen in erster Linie für sich selbst gemacht, und genau das macht es so faszinierend. Die inzwischen zum Trio geschrumpfte Band bewies mit Ty Segall und Dan Auerbach bereits ihr Händchen für passende namhafte Produzenten und entschied sich nun für eine Zusammenarbeit mit Adrian Younge. Der ist zwar eigentlich für fordernden HipHop und Neo-Soul bekannt, doch auch ein ebenso großer Retro-Enthusiast, der sein Vintage-Equipment und obskures Instrumentarium hier gewinnbringend einsetzt.

Das Resultat ist vielleicht nicht gerade das kraftvollste oder tanzbarste Album von La Luz geworden, aber dafür ihr detail- und überraschungsreichstes. Gleich der Opener "In the country" glänzt mit einer subtilen Dynamik, wenn sich die verhaltenen Strophen nach einem Tempowechsel im Refrain entladen, Shana Clevelands verzerrte Gitarre den Staub von den Synths klopft und alle den Abend im Saloon einer Geisterstadt ausklingen lassen. Orgel-Flöten und verschlafene Gesangsharmonien umgarnen die Doo-Wop-Ballade "Oh, blue", während Aushilfs-Drummer Riley Geare in "Watching cartoons" einen jazzigen Groove verschleppt und damit einem E-Sitar-Solo den Weg ebnet. Neben solchen reizvollen Arrangements zeichnet "La Luz" vor allem sein verstärkter Fokus auf Atmosphäre aus. Im Herzen steht mit "Yuba rot" gar ein cineastisches Instrumentalstück, das allerdings etwas abgründigere Begleitbilder als die eines Pulp-Westerns einfordert. Auch "Lazy eyes and dune" ist mit seinem Phaser-Brodeln und dem im Hintergrund lungernden Bass mehr akustischer Wüstennebel als Song – und wenn das Outro "Spider house" dessen Melodie mit aggressiverem Unterton wieder aufgreift, offenbart die Platte zudem ihre ganz eigene filmische Dramaturgie.

Selbst die schneller auf den Punkt gespielten Stücke nehmen ein paar unerwartete Abzweigungen. Der hüftschwingende Surf-Rocker "The pines" lässt Keyboarderin Alice Sandahl auf dem Mellotron herumtoben und scheint derselben Strandgarage wie "Metal man" entsprungen zu sein, das Saiten und Tasten im fiebrigen Exzess zusammentrommelt. Mit vergleichbarer Dringlichkeit düst "Goodbye ghost" über den Sunset Boulevard, ehe es ein Theremin – of all instruments – wieder zurück in die Hängematte befördert. Einzig "Down the street" ergeht sich im lupenreinsten Pop und beweist die Stilsicherheit des Dreiers auch im Huldigen einer 60s-Girlgroup. Da verzeiht man ihnen gerne, dass "I won't hesitate" etwas schwachbrüstig vor sich hin janglet und ihr Songwriting generell ein bisschen weniger griffig als auf früheren Releases daherkommt – denn um letzteres geht es auf "La Luz" sowieso nicht. "Don't worry now / As the days fly by / Just remember I / Am here on Earth / To love you", singt die frischgebackene Mama Cleveland in "Here on Earth", einem offensichtlich an den Stöpsel gerichteten Schlaflied. Da braucht es auch keine ungelenken Tarantino-Analogien mehr, um sicher zu sein, dass die Publikumsgefälligkeit für La Luz hier nie der Antrieb war. Und das ist auch gut so.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • The pines
  • Metal man
  • Here on Earth

Tracklist

  1. In the country
  2. The pines
  3. Watching cartoons (feat. Adrian Younge)
  4. Oh, blue
  5. Goodbye ghost
  6. Yuba rot
  7. Metal man
  8. Lazy eyes and dune
  9. Down the street (feat. Adrian Younge)
  10. I won't hesitate
  11. Here on Earth
  12. Spider house

Gesamtspielzeit: 37:41 min.

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Armin

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2021-11-24 20:41:07 Uhr - Newsbeitrag
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