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Ben LaMar Gay - Open arms to open us

Ben LaMar Gay- Open arms to open us

International Anthem / Nonesuch / Indigo
VÖ: 19.11.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Unbeschreiblich vibelich

Die Referenzen unterhalb der Rezension: häufig Segen, manchmal aber auch Fluch. Denn dann kommt so jemand wie Ben LaMar Gay vorbei und macht das Zusammenstellen der stilistischen Eckpunkte zur Hölle. Der US-Amerikaner, der 1984 in Chicago zur Welt kam, wird zwar grundsätzlich nicht verkehrt von den Wikipedias dieser Welt zu den Bereichen Jazz und Fusion gerechnet, aber seine Songs scheinen vielmehr sich in sämtliche Genres hinein strecken zu wollen. Prinzipiell kann seine Musik jederzeit in alle erdenklichen Richtungen abbiegen - gerade wenn man denkt, ein Stück festgenagelt zu haben, löst sich wieder an einer anderen Ecke etwas. Was liegt also näher, als den Typen in die Liste nach vorne zu setzen, der wirklich gefühlt alles schon einmal auf Platte gepresst hat, und dann mal weiter zu schauen?

LaMar Gays zweites Album heißt konsequenterweise "Open arms to open us", denn offen ist dieser wilde Ritt nach allen Seiten. Das geht bereits im Opener "Sometimes I forget how summer looks on you" los, der fröhliches Geglöckel mit einem abgefahrenen Background-Chor verheiratet, der wie eine Girlband auf Valium klingt. "Summer, summer and you", murmelt LaMar Gay über das rhythmische Gebilde und steuert seine Truppe auf einen "Hallelujah"-Freakout zu. Es ist gleichsam noch einer der gewöhnlichsten Tracks auf "Open arms to open us". Dorothée Munyaneza, die aus Ruanda stammt und in ihren Werken die dortigen Missstände anprangert, findet sich in "Nyuzura" zu einem Lament in der Landessprache Kinyarwanda ein – in Verbindung mit dem schief gewickelten Instrumental durchaus leicht stressig.

LaMar Gay scheint sich der Schwierigkeiten aber bewusst zu sein und federt solche fordernden Passagen mit groovigen Momenten ab, die auch ohne Hirnverknotung bestens funktionieren. "Bang melodically bang" scheint in der Samplekiste von DJ Shadow herumzuwühlen und konstatiert: "Oh yes, those fucks I give truly make sense when it comes to you." Von hier aus werden die Lyrics nur noch seltsamer. LaMar Gay fand sich bereits bei The Notwist für ein Feature auf "Vertigo days" ein und scheint als Revanche deren Spirit hier und da in diversen Loops konserviert zu haben. Die leicht verstopften Bläser erinnern mitsamt dem Fokus auf Schlaginstrumente zudem häufig ans The-National-Sideprojekt Pfarmers. Sogar ein GameBoy scheint durch "I be loving me some of you" über das perkussive Laissez-faire zu fiepen und später performen Gira Dahnee und Angel Bat Dawid das kurze Intermezzo "S'phisticated lady" – ohne Relation zum ähnlich benamten Duke-Ellington-Stück – schmissig als Quasi-Demoaufnahme über einen spontanen Trommelkreis. Wie gesagt: Hier kann alles passieren.

Auch wenn die Kompositionen meist in kompakter Länge bleiben, ist "Open arms to open us" durchaus eine Herausforderung, wenn auch immer entlohnend. Die musikalischen Geister, welche den Songs oft eine mysteriöse Aura spendieren, sind laut LaMar Gay von seiner "Aunt Lola" inspiriert, die auch namentlich in einem Track verewigt ist. Die hörte auf ihrer Farm nach dem Tod ihres Vaters immer noch das rhythmische Schlagen dessen Hammers in ihrem Kopf. Und als Takt des Lebens trägt sich dieser Rhythmus bis auf "Open arms to open us" fort, aus dem LaMar Gay einen faszinierend fremdartigen Vibe erschafft. Es ist nicht so sehr wichtig, was gesagt wird, sondern mit welcher Stimme gesprochen wird. Unerheblich, ob das der Mund einer Person oder eines Saxofons ist. Kategorien sind ohnehin da, um sie zu ignorieren.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Sometimes I forget how summer looks on you (feat. Ohmme)
  • Bang melodically bang
  • Oh great be the lake
  • S'phisticated lady (feat. Gira Dahnee & Angel Bat Dawid)

Tracklist

  1. Sometimes I forget how summer looks on you (feat. Ohmme)
  2. Hood rich happy
  3. Bang melodically bang
  4. Aunt Lola and the quail
  5. Mestre Candeia's denim hat
  6. Oh great be the lake
  7. I be loving me some of you
  8. Nyuzura (feat. Dorothée Munyaneza)
  9. Slightly before the dawn
  10. Lean back. Try Igbo (feat. Onye Ozuzu)
  11. Dress me in new love
  12. Touch. Don't scroll (feat. Ayanna Woods)
  13. I once carried a blossom (feat. A.Martinez)
  14. In tongues and in droves (feat. Tomeka Reid)
  15. S'phisticated lady (feat. Gira Dahnee & Angel Bat Dawid)
  16. We gon win

Gesamtspielzeit: 46:04 min.

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The MACHINA of God

User und Moderator

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Registriert seit 07.06.2013

2021-11-21 12:10:27 Uhr
Klingt... äh... interessant. Wird gehört.

Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

2021-11-17 22:18:43 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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