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The Darkness - Motorheart

The Darkness- Motorheart

Cooking Vinyl / Indigo
VÖ: 19.11.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Lieben und lieben lassen

Wenn man jedes Mal ein Pfund bekommen würde, wenn einem Justin Hawkins das Wort "love" ins Ohr schmachtet, wäre man als Fan von The Darkness schnell alle Geldsorgen los. Wobei der "knight in shining leather" erfahrungsgemäß wohl lieber in Küssen bezahlen wollen würde. Dieser Mann klammert sich so hart an der Liebe fest, dass selbst Rio Reiser ratlos abwinken würde. Und doch schafft das neue Album "Motorheart" es, mit amouröser Hingabe noch ein bisschen mehr zu überzeugen als die respektablen Vorgänger aus diesem Jahrzehnt. Justin Hawkins hat den guten Lippenstift aufgetragen.

Warmgeliebt wird sich erst mal mit einer Hommage an Glasgow – Dudelsack-Opener inbegriffen. Der Lobgesang auf eine der liebsten Live-Stationen des Quartetts kommt wie immer mit einem kleinen Augenzwinkern daher: "The women are gorgeous and the food is ok." Danach sind die Sehnen gedehnt, die Hüften in Schwingung gebracht und es kann richtig losgehen. Das nächste Date wartet nämlich nicht einfach irgendwo, sondern im All. "It's love, Jim" erklärt Hawkins – aber nicht so, wie wir es kennen, sondern per außerirdischer Telepathie und in transzendentem Ausmaß. Ein genauso übertriebenes wie unverbrauchtes Wortfeld und eine polternde Rock-Rutsche, die uns über einen interstellaren Regenbogen ans nächste Ziel bringt.

Das Titelstück ist nämlich im wahrsten Sinne des Wortes eine "love machine", die sich mit einem Knopf aktivieren und einem Schraubendreher ausziehen lässt. Ob beabsichtigt oder nicht: So nah wie hier in den Strophen waren The Darkness musikalisch wohl noch nie an Motörhead. Gleich danach sind sie aber wieder die Alten und lassen daran keinen Zweifel, wenn sie geradlinig Kurs auf ein neues "Baby" nehmen und ihr "The power and glory of love" aufzeigen. Es gibt schließlich so viele Arten, Liebe zu erleben. Da kann man auch mal frühzeitig zum Höhepunkt kommen, wobei der Falsettgesang bei The Darkness naturgemäß für eine Vielzahl ebenjener sorgt. Für den astreinen 80s-Rocksong scheint Hawkins endlich "Jussy’s girl" gefunden zu haben, gesteht ihr das in einer ganz großen Geste und offenbart ihr bilingual: "You're making me feel sehr gut".

Wenn man den Spaß mal beiseite nimmt und die ausufernde Sexualität bei The Darkness außen vor lässt, fällt aber eins positiv auf: Obwohl hier potenziell der Koitus mit allem vollzogen wird, das nicht bei drei auf den Bäumen ist, geschieht das immer mit Zustimmung. Wenn "Jussy’s girl" nein zu Hawkins sagt, dann fragt er zwar noch mal freundlich nach, ob eventuell eine Freundin Interesse hätte, aber akzeptiert den Korb. An anderer Stelle gesteht er einer Angebeteten, dass er gerne mit ihr schlafen würde – so sie denn möchte. Was natürlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, verdient besondere Erwähnung, weil es in den verkürzten Texten von Rocksongs gerne mal ausgelassen wird. Hawkins ist aber nicht hier, um jeden ins Bett zu kriegen, sondern um die Personen mitzunehmen, die Lust darauf haben. Und gerade deshalb macht es doppelt Spaß.

Bei The Darkness ist jedoch auch immer Platz für Verletzlichkeit und Fragilität, ganz ohne testosterongesteuerte Männlichkeit. Im krachenden "Nobody can see me cry" ist Hawkins nur Zuschauer. Er steht in der Ecke, während ihm ob der Schönheit der Herzdame die Tränen kommen. "You don’t fit in, but this is right where you belong / Like a massive solo in the middle of a love song", bewundert er sie unaufdringlich und erklärt damit nebenbei noch clever die Hälfte der eigenen Songstrukturen. Und so treiben die Briten auf "Motorheart" ihren Glamrock auf die Spitze des höchsten Berges auf dem Mond und grüßen von dort aus triumphierend. Platt kann man das natürlich immer noch finden, dumm ist es auf keinen Fall. Dafür finden sich in den neun Songs zu viele Schmunzelpassagen in Texten, Melodien und allem Drum und Dran. Sicher ist das immer noch albern und riesengroß gedacht. Aber wer kein Glitzer mag, muss ja nicht mitmachen. Und für alle anderen heißt es: Schmeiß die Gitarre weg und küss mich endlich, Justin!

(Arne Lehrke)

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Highlights

  • It's love, Jim
  • Jussy’s girl
  • Nobody can see me cry

Tracklist

  1. Welcome tae Glasgae
  2. It's love, Jim
  3. Motorheart
  4. The power and the glory of love
  5. Jussy’s girl
  6. Sticky situations
  7. Nobody can see me cry
  8. Eastbound
  9. Speed of the nite time

Gesamtspielzeit: 35:25 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Dorado

Postings: 30

Registriert seit 14.06.2013

2021-11-18 00:00:41 Uhr
Was soll ich sagen. Mir haben die Vorabsongs schonmal sehr gut gefallen, besser als das meiste was in den letzten Jahren von The Darkness kam. Freue mich drauf.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21504

Registriert seit 08.01.2012

2021-11-17 22:15:42 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21504

Registriert seit 08.01.2012

2021-08-12 20:41:35 Uhr - Newsbeitrag

Hier kommt Glam Rock aus England! The Darkness veröffentlichen ihr neues Video zum Titeltrack ihres am 19.11. erscheinenden Albums „Motorheart".

Liebe Freund*innen, liebe Medienpartner*innen,

auf die Plätze, fertig, GLAM ROCK! Die englische Band The Darkness veröffentlicht ihre neue Single „Motorheart" und noch dazu kündigen sie das gleichnamige Album für den 19.11. an.
Die Single ist vollgepackt mit The Darkness-typischen Gitarrenriffs und -soli, schwindelerregend hohen Falsettstimmen und unermesslicher Rock'n'Roll-Extravaganz.

Über den Song sagt Sänger Justin: “'Motorheart’ rocks harder than anything we’ve done before. It makes me happy and proud to crank it up and literally shake my Swiss chalet to its foundations. Dan did an awesome job on the production, it’ll take your face off, but your skull will be grinning from meatus to meatus. Please, to enjoy.”

„Motorheart" katapultiert die Höher*innen von Sekunde eins an aus dem Jammertal der Tränen in die ewigen Weiten des Rocks, wo alle die Hände heben, die Drinks - wie einst im Club Tropicana - umsonst sind und jeder ein freches Grinsen aufgesetzt hat. The Darkness sind der Sturm von Orwell, der das welke Gesicht des schlaffen Rocks zertritt, für immer!

Das Video zu „Motorheart" findet ihr hier.



Und weil es gerade so schön ist, kündigen The Darkness auch ihre für's nächste Jahr startende Europatour an:



25.01.22 - CH-Solothurn - Kofmehl
31.01.22 - AT-Wien - Simm City
01.02.22 - München - Backstage Werk
02.02.22 - Berlin - Huxleys neue Welt
09.02.22 - Hamburg - Markthalle
10.02.22 - Köln - Live Music Hall
12.02.22 - Frankfurt - Batschkapp

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