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Der Weg Einer Freiheit - Noktvrn

Der Weg Einer Freiheit- Noktvrn

Season Of Mist / Soulfood
VÖ: 19.11.2021

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Eine schwarze Nachtmusik

Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Oder, auf die Musik gemünzt: Im Ohr des Zuhörers. Was dann jeder Einzelne tatsächlich als schön empfindet, unterliegt dem persönlichen Geschmack. Der Weg Einer Freiheit aus Würzburg haben ihre Wurzeln im Black Metal, und viele würden bei dieser Art Musik wohl kaum von Schönheit sprechen. Nur: Was die Band, die seit 2009 an ihrem Sound tüftelt und dabei einige Wechsel in der Besetzung vollzogen hat, auf ihrem inzwischen fünften Album zelebriert, ist schlicht: schön. "Noktvrn" ist ein großer Wurf.

Der Weg Einer Freiheit fallen nicht lautstark mit der Tür ins Haus, sondern schleichen sich nahezu verhalten an. Das mag am musikalischen Vorbild liegen: Chopin stand mit seinen Beschäftigungen mit der Nacht in den Klavierstücken "Nocturnes" Pate. Das Quartett setzt mit "Finisterre II" auf ein ruhiges Intro, dessen zurückhaltende Atmosphäre an "Finisterre" vom gleichnamigen Vorgängeralbum anschließt und sogar noch in den ersten richtigen Song hineinreicht. "Monument" verweilt dann aber nicht lange im Leisen, sondern steigert sich in einen wahren Rausch. Gitarrenwände, Schlagzeuggewitter, dazu infernalischer Gesang aus der Kehle von Nikita Kamprad – dieses Ungetüm aus Black Metal und charakteristischen eigenen Zutaten nimmt unmittelbar gefangen. Die Band setzt zunächst eine Tradition fort und singt die Texte auch im darauffolgenden "Am Rande der Dunkelheit" auf Deutsch. Aber: Auch für neue Wege ist der Vierer offen. "Immortal" mit Gast David Mako von The Devil's Trade am Mikro ist ein auf Englisch eingesungenes Stück, das ruhige Parts samt Klargesang mit furiosen Momenten hintertreibt. Eine spannende Mischung, die in der Mitte des Albums zudem gut platziert ist.

Die Musiker zeigen sich auch in der zweiten Hälfte von "Noktvrn" in glänzender Verfassung. In "Morgen" reißt ein wilder Strudel alles mit, Drummer Tobias Schuler stellt unter Beweis, dass die Abkehr vom einstmals eingesetzten Drumcomputer eine der besseren Ideen dieser Formation war. Mit "Gegen das Licht" holt der Vierer dann noch einmal zum ganz großen Wurf aus: Elf Minuten Spielzeit bieten ein prächtiges Best of des eigenen Spielvermögens, in dem die Gitarrenschichten Stück für Stück dichter, die Atmosphäre immer intensiver und die Begeisterung kontinuierlich größer werden. Das geht so weiter, bis der Song schließlich samt kurzem Kirchenorgel-Sound ausklingt, Sänger Nikita Kamprad einen tiefen Schluck aus der Rachenspülung nimmt und im finalen "Haven" nach all dem vorangegangenen Furor mit klarer Stimme einen überaus stimmigen Ausstieg aus dem Album schafft – das Ganze erneut auf Englisch.

Die musikalische Schönheit dieses klanglichen Gemetzels entsteht durch die besondere Atmosphäre, die den Franken über die komplette Albumlänge gelingt. Der Kniff dabei ist, dass sie eben nicht mit ungebremster Aggression alles niederwalzen, sondern auch mal nahezu besinnliche Momente einfügen und Raum geben, um tief Luft zu holen, bevor die nächste Achterbahnfahrt ansteht. Der Weg Einer Freiheit haben auf "Noktvrn" ihre vielen Stärken verfeinert und ihre ohnehin nur wenigen Schwächen abgelegt, den Zenit aber noch nicht erreicht. Und eben das ist gleichzeitig eine tolle Momentaufnahme und ein Versprechen für die Zukunft.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • Monument
  • Immortal
  • Gegen das Licht

Tracklist

  1. Finisterre II
  2. Monument
  3. Am Rande der Dunkelheit
  4. Immortal
  5. Morgen
  6. Gegen das Licht
  7. Haven

Gesamtspielzeit: 47:42 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Autotomate

Postings: 3769

Registriert seit 25.10.2014

2021-11-21 23:52:25 Uhr
Naa, ich bleibe dabei, das lässt sich hier für mich nicht toppen. "Zeitlang" ist schon gewaltig, da gibt's nichts zu diskutieren, aber halt auch ein anderer Seitenzweig als "Noktvrn", viel ursprünglicher und unpolierter. In dem Bereich sind Gràb sicher wahnsinnig gut, aber an irgendeinem Punkt (trotz Hackbrett und Dialekt) für einen Easy-Listener wie mich nicht pseudomädchenhaft (c) genug. Das liegt insbesondere an dem bösartigen Gegrantel von Matthias Jell, das ich auf Dauer einfach nervig finde. Vielleicht gewöhne ich mich noch dran, aber die apokalyptischen Vocals von Nikita Kamprad mochte ich von Anfang an.

captain kidd

Postings: 2873

Registriert seit 13.06.2013

2021-11-19 21:06:26 Uhr
Ja, mach Mal bitte. Und schildere Mal deine Eindrücke vielleicht. Finde ich echt stark...

Autotomate

Postings: 3769

Registriert seit 25.10.2014

2021-11-19 21:02:11 Uhr
Werd ich mir mal anhören, danke.

captain kidd

Postings: 2873

Registriert seit 13.06.2013

2021-11-19 19:41:11 Uhr
Für mich deutlich schlechter als der Vorgänger. Mag auch den Mischmach aus Deutsch und Englisch nicht. Ein paar schöne Dynamiken - und der Schlagzeuger ist natürlich Wahnsinn. In meinen Ohren haben Gràb mit Zeitlang das deutlich spannendere German-Pseudo-Mädchen-Black-Metal-Album rausgebracht. Noch dazu auf bayerisch...

Autotomate

Postings: 3769

Registriert seit 25.10.2014

2021-11-19 15:34:12 Uhr
Gerade das erste Mal am Stück gehört, das ist ja echt der Wahnsinn, wie gut dieses Album ist! Gefällt mir auf Anhieb sogar noch besser als "Finisterre"...
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