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Felly - Felly

Felly- Felly

Crispy Crust / The Orchard
VÖ: 19.11.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Kippenstummelflippen in Porschedächer

Als Felly 2018 auf der Bildfläche erscheint, tut er das mit viel Lärm und Tamtam. Seine Single "Ibrahimovic" wird zum kleinen Hit und offenbart, dass er genau wie der titelgebende schwedische Fußballstar ein ziemlich großes Ego mitbringt. Dazu gibt er den pöbelnden gutgelaunten Turnup-Partyrapper. Sein drei Jahre später erscheinendes Debüt wirkt in diesem Kontext wie eine Kurskorrektur, ohne dass der Wahl-Münchner an Glaubwürdigkeit einbüßt.

Das große Manko vorweg: Fellys Erstling ist mit acht Tracks und knapp 23 Minuten Spielzeit sehr kurz geraten. Immerhin hat er dabei mehr zu erzählen als so manch anderer angesagter Rapper "auf 18 Songs". Felly beschreibt das Münchner Leben abseits der Schickeria und dem hippen Szeneviertel Glockenbach. Seine Jungs trinken Fanta Korn und flippen – im Song "Ja das bin ich" – Kippenstummel in Porschedächer. "Wir sind broke boys in 'ner reichen Stadt", heißt es in "Jedes Mal". Der Rapper erzählt vom allwöchentlichen Filmriss und dem altbekannten Schwur, dass es diesmal nun wirklich das letzte Mal war. Er schafft es, dass das nicht wie Koketterie, sondern glaubwürdig rüberkommt. Bei "In der Nacht" widmet er sich der Anziehungskraft der dunklen Stunden. Felly singt entspannt und ohne viel Aufhebens den Refrain, und Allzweckwaffe Nura steuert ein Feature bei.

Die bestimmende Zahlenkombination auf dem Album des 27-Jährigen ist die 1312, aus seiner Abneigung gegen die Polizei macht er keinen Hehl. In "Blaues Licht" läutet er die Riot Season ein: "Du bist geschützt durch das System / Wir bezahln den Knüppel, der uns schlägt." Auch hier wirkt das nie wie Angeberei oder große Fresse, Felly hat offensichtlich keine guten Erfahrungen mit unseren Ordnungshüter*innen gemacht. Was sich zum entspannten Flow und den mehr als stabilen Rapskills gesellt, ist die dope Produktion der Drunken Masters. Mit dem bayerischen Produzenten-Duo hat Felly von Beginn an zwei renommierte Größen im Team, die praktischerweise auch seine Labelchefs sind. "Puffer" cruist entspannt wie einst Karate Andis "Mofa" über die Maximilianstraße, der Beat von "Loop" passt perfekt zum dann doch mal großmäuligen Battlerap von Felly und Feature-Gast Ahzumjot. Bei "Was noch?" thematisiert Felly seine Angststörung und erinnert dabei an Marteria in seinen reflektierten Momenten. Und wie der Rostocker auf seinen aktuellen Releases, traut sich auch Felly beim abschließenden "Der Boden kommt näher" an ein elektronisches Experiment, voll verzerrtem Autotune und mit französischen Textzeilen.

Assoziierte man München wahlweise mit technisch-versiertem Rap von Main Concept, witzigem Studentenhumor von Blumentopf oder einer Mischung daraus von Fatoni, ist es schön, neben der Rapperin Ebow und Straßenjunge T-Panther mit Felly einen weiteren Protagonisten mit völlig anderen Wurzeln und Facetten kennenzulernen. Und dass er beim Debüt den pöbelnden Partyrapper ein Stück weit hinter sich gelassen hat und reflektierter auftritt, macht ihn zu einem interessanten Charakter. Auch Selbsterkenntnis spricht ja für ein gesundes Ego. Selbst Zlatan hat neulich mal eingeräumt, dass er nicht Supermann ist.

(Andreas Rodach)

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Highlights

  • Jedes Mal
  • Loop (feat. Ahzumjot)
  • Was noch?

Tracklist

  1. Ja das bin ich
  2. Puffer
  3. In der Nacht (feat. Nura)
  4. Jedes Mal
  5. Blaues Licht
  6. Loop (feat. Ahzumjot)
  7. Was noch?
  8. Der Boden kommt näher

Gesamtspielzeit: 22:55 min.

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Armin

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2021-11-10 22:07:59 Uhr - Newsbeitrag
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  • Felly - Felly (1 Beiträge / Letzter am 10.11.2021 - 22:07 Uhr)

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