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Ed Sheeran - =

Ed Sheeran- =

Atlantic / Warner
VÖ: 29.10.2021

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Gefühlsduselei

Ed Sheeran geht es ziemlich gut. Das muss man einfach mal so festhalten. Nicht nur, dass der 30-Jährige mit der Tour zu seinem letzten Solo-Studioalbum "÷" über satte drei Jahre sämtliche Verkaufsrekorde brach – bei der Rückkehr nach Hause erwartete ihn im Anschluss auch noch die Geburt seiner ersten Tochter und damit der Start ins ganz persönliche, bescheidene Familienglück. Irgendwie ja auch zur Abwechslung mal eine wirklich schöne Geschichte. Verübeln kann man es ihm sowieso nicht, hat er sich doch über lange Jahre den Allerwertesten abgespielt, um seine Fans in sämtlichen Ecken des Planeten zu erreichen – da seien ihm ein wenig Stillstand und Ruhe auch gegönnt. Als Nachklang dieser entschleunigten Findungsphase folgt nun das neue Album "=" (lies: "equals"), welches die Rückschau und die Reflexion eines geläuterten Lebens darstellen soll. Einen kleinen Schocker gab es dieses Mal aber bereits vorab: Sheeran tritt fortan mit einer Live-Band auf – das "Ein-Mann-eine-Gitarre-ein-Stadion"-Narrativ wird also vorerst eingemottet. Gut so, taten doch bereits den vergangenen Studioaufnahmen ein paar Backing-Musiker*innen durchaus gut.

Klingt also in der Theorie erstmal nach einem vorsichtigen Neustart im meist zuckersüßen und handzahmen Sheeran-Universum. Erweist sich allerdings in der Praxis auf "=" als Trugschluss. Was vor allem daran liegt, dass Sheeran gemeinsam mit seinem neu entdeckten privaten Glück den Kitsch in oftmals unerträgliche Höhen treibt. "The joker and the queen" beispielsweise ist eine unsäglich schmierige Klavierballade über die Liebe zweier ungleicher Menschen (na, wer ist hier wohl gemeint?), der ein patentierter Streicher-Einsatz das Grusel-I-Tüpfelchen aufsetzt. Im pseudo-traditionell angestrichenen "Collide" wirft der Singer-Songwriter derweil mit ausgenudelden Liebesbekenntnissen der Marke "Because the world looks better with you by my side" oder auch "You bring me to life" um sich. Weder schön, noch spannend. Den Vogel schießt dann kurz vor Ende des Albums jedoch das scheußliche "Sandman" ab: als Ode an die Liebe zur eigenen Tochter sicherlich lieb gemeint, musikalisch allerdings dermaßen oberflächlich, banal und rührselig, dass man sich der Skip-Taste nur schwer verwehren kann. Nun erwartet mittlerweile wirklich niemand mehr komplexe Werke oder zwanzig lyrische Meta-Ebenen von Ed Sheeran. Allerdings ist der Balladen-Output auf "=" selbst von einem "Thinking out loud" oder "Perfect" einige qualitative Lichtjahre entfernt.

Was besonders ärgerlich ist, denn der Engländer kann auch weiterhin gute Songs fabrizieren – wenn er denn will. Die wenigen ansatzweise mutigen Momente auf "=" bilden deswegen auch die einzigen – sofern man sie so nennen mag – Highlights. Im Opener "Tides" setzt Sheeran nach einer verhältnismäßig wüsten, mit E-Gitarren untermalten Strophe einen äußerst geschickten Kontrapunkt und hält im Refrain kurz mit minimalster Instrumentierung und Falsettgesang inne. Eine schöne Idee in einem Song, der sich in seinen besseren Momenten auch auf einem der letzten, eher poppig angehauchten Werke von Frank Turner nicht unwohl gefühlt hätte. "Overpass graffiti" weiß mit seinen geschickt eingesetzten Achtziger-Anleihen und einem treibenden Drum-Machine-Beat tatsächlich äußerst gut zu gefallen; besonders auch dank des detailverliebten und sich mit kleinen Ergänzungen stetig aufbauenden Arrangements. Ein absolut runder Song, der für die mit Abstand besten vier Minuten auf "=" sorgt. Schade, dass es hiervon nicht mehr gibt und sich auch die Radio-Kracher "Shivers" und "Bad habits" eher in unspektakulären Fahrwassern aufhalten. Schon merkwürdig, dass man selbst ohne astronomische Erwartungen äußerst enttäuscht von "=" zurückgelassen wird. Diese Reise hätte viele interessante Abzweigungen nehmen können, so geht‘s dann aber doch wieder straight ins Stadion, um die Massen möglichst spannungsbefreit zu verwöhnen. Irgendwie schade.

(Hendrik Müller)

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Highlights

  • Tides
  • Overpass graffiti

Tracklist

  1. Tides
  2. Shivers
  3. First times
  4. Bad habits
  5. Overpass graffiti
  6. The joker and the queen
  7. Leave your life
  8. Collide
  9. 2step
  10. Stop the rain
  11. Love in slow motion
  12. Visiting hours
  13. Sandman
  14. Be right now

Gesamtspielzeit: 48:30 min.

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User Beitrag

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Postings: 1522

Registriert seit 25.09.2014

2021-11-04 01:02:54 Uhr
Und The War On Drugs nicht bei den Referenzen? Skandal! ;)

Watchful_Eye

User

Postings: 2561

Registriert seit 13.06.2013

2021-11-04 00:25:51 Uhr
@Armin
Kleiner Copy-Paste-Fehler bei der hintersten Stelle. :) Dein Link geht zur Snail Mail-Rezension.

nörtz

User und News-Scout

Postings: 8979

Registriert seit 13.06.2013

2021-11-04 00:22:40 Uhr
Grausamer Musiker und der lebende Beweis dafür, dass Massengeschmack kein Beleg für Qualität ist.

Mr Oh so

Postings: 1937

Registriert seit 13.06.2013

2021-11-03 23:53:02 Uhr
In der Rezi heißt es "das "Ein-Mann-eine-Gitarre-ein-Stadion"-Narrativ wird also vorerst eingemottet. Gut so, taten doch bereits den vergangenen Studioaufnahmen ein paar Backing-Musiker*innen durchaus gut."

Klar, ich weiß, dass Sheeran alleine mit Gitarre aufgetreten ist, und das finde ich auch wirklich klasse. Aber was seine Studioaufnahmen angeht, kenne ich nur durchproduzierte, vollgekleisterte Songs im übelsten Mainstream-Popformat.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21457

Registriert seit 08.01.2012

2021-11-03 21:36:18 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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