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Nation Of Language - A way forward

Nation Of Language- A way forward

PIAS / Rough Trade
VÖ: 05.11.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Post-Popper und Post-Punks

Klappt die Kragen Eurer Polohemden hoch, legt die Schulterpolster ein und zwängt euch in Eure engste Karottenhosen, denn die 80er Jahre sind zurück – mal wieder! Spätestens mit dem Aufkommen des Vokuhila ist klar, dass Trends der Epoche endgültig wiedergekehrt sind. Freundlich ausgedrückt, steht die Zeit nicht nur für den guten Geschmack, aber dennoch hat diese – wie jede Ära – auch einiges zu bieten. Auch musikalisch sind die Übergänge von Post-Punk und New-Wave in den Synthiepop qualitativ nicht unumstritten. Wem sich die Fußnägel hochrollen, wenn wir von Roxy Music, Alphaville und vor allem The Human League sprechen, wird nun dringend empfohlen, dieser Rezension keine weitere Beachtung zu schenken. Für Freunde von New-Wave-Klängen und Fanatiker des Synthesizers führt derzeit jedoch kein Weg an Nation Of Language vorbei.

Mit ihrem Debüt "Introduction, presence" sorgte das Trio aus Brookyln letztes Jahr für Aufsehen und knüpfte stilistisch an die erfolgreichste Zeit des Synthiepop, Anfang der 80er Jahre an, als wäre diese erst gestern gewesen. Ein Hit folgte dem nächsten. Ihr Retro-Sound irgendwo zwischen OMD, The Human League und New Order wurde zurecht in der Musikpresse gefeiert. Positiv ist dabei vor allem, dass Nation Of Language zwar zur Zeitreise einladen, aber dabei kein billiger Abklatsch der Ära sind. Vor allem durch den düsteren und prägnanten Gesang von Ian Richard Devany stehen die New Yorker für einen eigenen Sound.

Auch wenn der Titel andere Erwartungen erzeugt, ist ihr zweites Werk "A way forward" wieder ein 80er-Jahre-Revival und knüpft an den reaktionären Sound des Vorgängers an. Qualitativ steht es dem Debüt in nichts nach. Die Coolness des Trios wirkt dabei derart routiniert und abgeklärt, als wären sie schon vierzig Jahre im Geschäft und müssten keinem mehr etwas beweisen. Passend zu der starken Stimme von Devany erzeugen Aidan Nodell und Michael Sue-Poi mit Bass und Synthesizer wieder wunderbare Melodien. Träume von dunklen, nebligen Diskotheken kommen auf – das Bein wippt und der Kopf nickt im Takt.

Wie ihr Erstling ist "A way forward" ein homogenes Werk und dennoch nicht eintönig. Mal kommt es zu The-Human-League- oder Joy-Division-Erinnerungen, und hier und da gibt es auch Anklänge zeitgemäßer Vertreter. Das Niveau des Vorgängers kann in etwa gehalten werden, und es finden sich starke Perlen auf dem Werk. Ein absolutes Highlight des Albums ist die Single "Across that fine line" – was für ein Hit! Wäre dieser tatsächlich vor 40 Jahren entstanden sein, würde er noch heute im Radio laufen. Zumindest, wenn die Sender ihr versprechen ernst nehmen, wenn mal wieder von "den besten Hits der 80er" die Rede ist. Ist die Platte erst richtig warmgelaufen, überzeugt vor allem der Mittelteil mit dem eingängigen "Grey commute" und dem melodischen Synthesizer-Stück "This fractured mind". Lediglich Richtung Ende geht dem Album ein wenig die Luft aus, richtig schwache Songs finden sich jedoch auch hier nicht. In Summe überzeugt "A way forward" als Revival einer nicht unumstrittenen Zeit, und Nation Of Language beweisen, dass auch Synthiepop cool und unverstaubt sein kann.

(Marian Krüger)

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Highlights

  • Across that fine line
  • The grey commute
  • This fractured mind

Tracklist

  1. In Manhattan
  2. Across that fine line
  3. Wounds of love
  4. Miranda
  5. The grey commute
  6. This fractured mind
  7. Former self
  8. Whatever you want
  9. A word & a wave
  10. They're beckoning

Gesamtspielzeit: 44:03 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

musie

Postings: 3208

Registriert seit 14.06.2013

2021-11-10 17:50:13 Uhr
Schliesse mich (leider) an. Ein gutes Album, aber kein Überalbum. Habe auch etwas Mühe mit den ruhigen Songs. Das ist alles schon sehr nahe bei OMD, fast wie eine Cover-Band. Die Singles aber erste Klasse.

qwertz

Postings: 725

Registriert seit 15.05.2013

2021-11-10 17:35:56 Uhr
Etwas mehr hatte ich mir auch erhofft. Die ruhigen Songs funktionieren für mich nicht so gut. Das Problem habe ich auch immer bei Future Islands und Black Marble. Irgendwie braucht Synthpop für mich Beats und ne treibende Synthie-Sequenz, sonst isses für mich nichts. Insgesamt überwiegen aber die starken Songs. Die Stand-Alone-Single "A different kind of life" rauf und "Former Self" runter, dann wäre es in meinen Ohren ein richtig starkes Album geworden.

MM13

Postings: 2077

Registriert seit 13.06.2013

2021-11-06 14:43:22 Uhr
nur former self find ich etwas langweilig, alles andere ist feinster synth-wave-pop. 7,5/10

cargo

Postings: 480

Registriert seit 07.06.2016

2021-11-05 12:58:46 Uhr
Muss leider sagen, dass ich von dem Album doch etwas enttäuscht bin. Mir fehlt die Lockerheit des Debüts und auch das Songwriting ist nicht mehr so abwechslungsreich. "Whatever You Want" ist aber ein fantastischer Song!

Gordon Fraser

Postings: 1991

Registriert seit 14.06.2013

2021-11-05 00:52:14 Uhr
Erster Eindruck:

In Manhattan

Fast schon zögerlicher, dräuender Auftakt, der aber gut vorbereitet auf

Across That Fine Line

Was für ein Brett, immer noch. Größter Refrain des Jahres, und live noch mal wilder. Pure Ekstase. Song of the Year sowieso.

Wounds Of Love

Tempo wird wieder einen Gang zurück geschraubt. Von allen Songs wohl der 80s-mäßigste.

Miranda

Nochmal einen Tick ruhiger.

The Grey Commute

Fand ich vorab unspektakulär, jetzt so mitten im Album entwickelt der Song einen schönen Drive.

This Fractured Mind

Der zweite offensichtliche Hit.+

Former Self

Mit Sicherheit der experimentellste Song der Band bislang. Droht im Mittelteil sich selbst in der Synthwüste zu verlieren, kommt dann aber mit einem tollen Finale noch mal richtig zurück. Der wird sicher noch deutlich wachsen.

Whatever You Want

Fantastisch, wie die Synths da ineinander fahren, und aus der Kakophonie ein toller Sound entsteht. Gefällt mir auf Anhieb.

A Word & A Wave

Das hätte sicher auch ohne Probleme ein Uptempo-Stampfer werden können, aber wie so oft haben sie auch hier das Tempo rausgenommen und mehr auf Atmosphäre gesetzt. Warten auf den Ausbruch, der nie kommt.

They’re Beckoning

Glaube das wird ein ähnlicher Dauerbrenner als Rausschmeisser wie schon "The Wall & I" vom Debüt. Richtig geil.
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