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Every Time I Die - Radical

Every Time I Die- Radical

Epitaph / Indigo
VÖ: 22.10.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Gefrierbrand

Heute noch nicht die Lauscher durchgepustet? Der erste Durchlauf von "Radical" könnte Abhilfe schaffen. Bei aller Verdienste dieser Band um lautmalerische Klänge, dieser mehr als 50 Minuten währende Mittelfinger war nach dem halbwegs gesitteten Vorgänger "Low teens" so nun nicht zu erwarten. Dass Every Time I Die die aufgestaute Energie pulverisieren müssen? Womöglich, das geht vielen so. Doch "Radical" ist keine Pandemie-Platte. Denn wie COVID-19 die Welt, so hat der Fünfer aus Buffalo, New York sich im März 2020 quasi auf Knopfdruck ebenfalls eingefroren.

Um gemächlich aufzutauen, muss man zunächst zum groovenden, im Kontext des Albums fast melodiösen "Post-boredom" greifen. Der Track punktet durch Southern-Rock'n'Roll-Riffings und sich kreuzende Refrain-Parts. Wer beim ersten Wecker-Zucken gern aus dem Bett springt, kann es mal mit dem Hallo-Wach-Ringtone "Desperate pleasures" versuchen. Anderthalb Jahre ließen Every Time I Die die 16 frisch finalisierten Stücke für ihr neuntes Studiowerk in der Aufnahme-Kiste reifen. Kaum auszudenken, wenn Tracks wie der Opener "Dark distance" ihre Abrissbirnen-Mentalität dort wirklich noch verfeinert hätten. "Make us pay", grunzt und wutschnaubt Keith Buckley ins Mikro, der Song mäandert um ein tonnenschweres Riff herum. Mit offenen Armen die verdiente Strafe empfangen: "Give us our plague! Now give us our plague! Start over! / This time no gods / Unless they're women." Ist vielleicht ein Ansatz.

In seiner musikalischen wie thematischen Kompromisslosigkeit funktioniert dieses Album auch verzögert natürlich noch immer, weil es um Grundlegendes geht: um das universelle Versagen einer von Machtstreben getriebenen Menschheit, die angeblich Werte proklamiert, doch bloß rückschrittige (religiöse) Konzepte meint. Zum Großteil regiert von kriegerisch agierenden, egomanischen Männern, clever im Machterhalt, aber komplett unfähig, halbwegs sozial zu handeln und geschweige denn bereit, endlich etwas für die nachhaltige Existenz des Planeten zu tun. Entsprechend metert "A colossal wreck" alles aus dem Weg, und auch das fulminante "Planet shit" macht keinen Hehl aus seinem Titel und dem Dilemma: "Our only hope was in a murdered kid / The one God we had went off the grid / No future with a racist past / So we burn a cross and pray to a flag / We'll wave it high those pigs are fat with 'pride'". Puh. Natürlich sind es auch die markanten und absolut auf den Punkt stechenden Riffs von Andy Williams und Jordan Buckley, die Every Time I Die ein weiteres Mal aus der manchmal bloß noch biederen Hardcore- und Metalcore-Suppe herausheben.

Aber auch das Songwriting bildet eine willkommene Abwechslung in diesem Meer aus aufgebauschter Brandung, aus konzentrierten Sturmfluten wummernder Bässen, prügelnder Drums und schreddernder Gitarren. Ganz egal ob der raffinierte Prügelknabe "The whip" oder das atmosphärisch-hymnische "Thing with feathers". Erwähnt sei hier auch "White void", das mit klarem Gesang und seiner Intensität Deftones-artige Tiefe und Wucht entfacht. Doch inmitten all dieses freudigen Getrümmers ist das bitter nötig. Wem etwa The Bronx zu sanft geworden sind, darf zum adventlichen Beisammensein Verwandte und Freunde mit "Radical" nun besonders besinnlich beschallen. Und dann, nach dem unausweichlichen Fest, langsam den Schaum vorm Mund abwischen. Vom Wiedereinfrieren dieses Produktes hingegen raten wir ab.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Dark distance
  • Planet shit
  • Post-boredom
  • The whip
  • White void

Tracklist

  1. Dark distance
  2. Sly
  3. Planet shit
  4. Post-boredom
  5. A colossal wreck
  6. Desperate pleasures
  7. All this and war
  8. Thing with feathers
  9. Hostile architechture
  10. AWOL
  11. The whip
  12. White void
  13. Distress rehearsal
  14. Sexsexsex
  15. People verses
  16. We go together

Gesamtspielzeit: 51:17 min.

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User Beitrag

Hoschi

Postings: 752

Registriert seit 16.01.2017

2021-11-22 11:09:57 Uhr
Den "zugemüllten" Sound kann ich so nicht ganz nachvollziehen.
Finde persönlich die Produktion, gerade im Hardcore Bereich, hier sogar ziemlich gut.
Speziell bei Songs wie A collosal wreck, was ja schon ordentlich Gas gibt, sitzen alle Frequenzen wo sie sitzen müssen.
Testweise auf einem Studiokopfhörer Beyerdynamic DT770 Pro(63Ohm),In Ear Sennheiser IE40Pro und Nubert NuBox 483 gehört.

Was mir mittlerweile aber etwas missfällt, ist die dann doch recht lange Spielzeit in Bezug auf die dann doch auf Dauer z.T. recht anstregende Art der Musik.
3-4 Songs und/oder eine Spielzeit von knapp 38 Minuten hätten der Platte jetzt auch nicht geschadet. Man kann ja immer noch eine Deluxe edition anbieten.

Meine 8,5/10 bleibt aber trotzalledem bestehen.

fakeboy

Postings: 1538

Registriert seit 21.08.2019

2021-11-22 10:58:55 Uhr
Was mich stört: der recht "künstliche", zugemüllerte Sound. Insbesondere das Schlagzeug bollert einfach alles zu, da bleibt kaum Luft zum Atmen. Da kann ich mit Converges Sound viel mehr anfangen.

Schwarznick

Postings: 1078

Registriert seit 08.07.2016

2021-11-22 10:31:57 Uhr
yo, ziemliches brett. hätte man gerne auch die 8 zücken können ;)

Euroboy

Postings: 178

Registriert seit 14.06.2013

2021-11-21 09:05:24 Uhr
Was für eine Platte, nicht von dem Genre Metalcore abschrecken lassen. Die Platte hat damit wenn nur am Rand zu tun, geht eher in die Punkrock/Hardcore/Chaoscore Ecke.

Erstaunlich auch wie ETID über 16Songs/50min ihr hohes Level halten. Es gibt keinen Ausfall oder schwachen Song auf der Platte. Mit "Thing with Feather "ist sogar sowas wie eine Ballade drauf

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21517

Registriert seit 08.01.2012

2021-11-03 21:33:36 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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