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Courtney Barnett - Things take time, take time

Courtney Barnett- Things take time, take time

Marathon / Rough Trade
VÖ: 12.11.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Sie möchte einfach nur hier sitzen

Manchmal sitzt und denkt sie, manchmal sitzt sie einfach nur. "In the morning I'm slow / I drag a chair over to the window and I watch what's going on", berichtet Courtney Barnett in "Rae Street", dem Opener ihres dritten Albums "Things take time, take time". Mit gerade einmal 34 Minuten Spielzeit nimmt sich das Ding zwar nicht wirklich viel Zeit, aber wen kümmert's? Barnett berichtet zu Slacker-Akkorden von Müllwagen, fahrradfahrenden Kindern und verknoteten Hundeleinen. Kleine Beobachtungen, die ihr im Lockdown Freude oder wenigstens Unterhaltung bereiteten: "All our candles, hopes and prayers / Though well-meaning, they don't mean a thing / Unless we see some change / I might change my sheets today." Es hilft ja alles nichts, also schickt sie einfach einen wunderbar melodischen Refrain hinterher.

"Things take time, take time" ist unverkennbar Courtney Barnett. Die latente Aggression von "Tell me how you really feel" ist deutlich zurückgefahren, die lakonische Melancholie und Herzlichkeit erinnern mehr an "Sometimes I sit and think, and sometimes I just sit". Aber ohnehin könnte man nie diese warmen Worte samt dieser direkten, unmittelbaren Musik mit denen von jemand anderem verwechseln. "If something were to happen, my dear / I wouldn't want the last words you hear to be unkind", stellt sie in "Before you gotta go" klar. Sicher ist sicher. Jener Track ist als Comedown mit leichtem New-Wave-Einschlag zwischen "Here's the thing" und "Turning green" platziert. Während ersteres Stück sich einem raumgreifenden, melancholischen Sog hingibt, traut sich letzteres nach Zusatz einzelner Klaviertupfer gar ein ausladendes Gitarrensolo.

Barnett bleibt dabei immer nahbar, immer nah dran an der "daily awkwardness", wenn sie sich darüber sorgt, einer fernen Liebschaft zu sehr auf die Nerven zu gehen oder sich fragt, ob sie sich interessant genug gibt: "I swear I'll never mention this ever again / But now that I got your attention / I don't wanna bore the brains out of your head." Jenes "If I don't hear from you tonight" ist im Übrigen ein ganz wunderbares Pop-Teilchen mit Synth-Glanz. Neben diesem Song ist vor allem der gemächliche, liebäugelige Closer "Oh the night", der als Tagesabschluss in die Sterne guckt, das Highlight in der zweiten Hälfte. "I'm the same kid / Laughing at your jokes in the same old way" – keine Frage, dass Barnett auf "Things take time, take time" zwar in der Komfortzone bleibt, aber dabei nicht nur das Bewährte wiederkäut.

Zwischen diesen Stücken tummeln sich hintenraus auch Tracks, die teils ins Skizzenhafte lugen. So wird die Lebensweisheits-Parade "Take it day by day" bereits vor der Zwei-Minuten-Marke abgewürgt und "Splendour" begnügt sich, mit einem sehr langgezogenen "Oh no, I am really gonna miss you" den Refrain zu beackern. Das ist trotzdem viel zu sympathisch, um irgendetwas daran herumzukritteln. "You've been around the world looking for the perfect girl / She was just living down the street", singt Barnett in "Turning green". Vielleicht wünscht sie es sich selbst, dieses Mädchen zu sein, wenn sie in ihrer Straße da aus dem Fenster guckt. Vielleicht möchte sie aber auch einfach nur da sitzen. Wir denken, dass beides völlig in Ordnung ist.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Rae Street
  • Here's the thing
  • Turning green
  • Oh the night

Tracklist

  1. Rae Street
  2. Sunfair sundown
  3. Here's the thing
  4. Before you gotta go
  5. Turning green
  6. Take it day by day
  7. If I don't hear from you tonight
  8. Write a list of things to look forward to
  9. Splendour
  10. Oh the night

Gesamtspielzeit: 34:04 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Kojiro

Postings: 1127

Registriert seit 26.12.2018

2021-11-18 22:16:46 Uhr
Höre ich mittlerweile sehr gerne. Gerade ne Vinyl-Variante aus Australien geordert. "Before You Gotta Go" inzwischen richtig geil; hat mir anfangs nicht so gut gefallen. Tolle Nummer!

AliBlaBla

Postings: 752

Registriert seit 28.06.2020

2021-11-18 12:29:41 Uhr
Ja, mir macht das Album ja auch Spaß, mehr als viele viele Alben, die ich dieses Jahr gehört habe, -- wollte nur sagen, das ist schon sehr tiefenentspannt, und reißt sich selten mal hoch, deswegen ...TEATIME PLATTE, aber ich erwarte von C.B. (zu Unrecht) anderes, ..sie macht halt ihr Ding.
Vielleicht läuft das Ding ja noch ganz ganz oft bei mir.
Ich liebe ihre slackness und ihre Stimme, für jedes Fanilein ein Muss.

Kevin

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 914

Registriert seit 14.05.2013

2021-11-16 20:21:04 Uhr
Mir macht das Album unwahrscheinlich viel Spaß. Hätte ich irgendwie nicht erwartet ...

AliBlaBla

Postings: 752

Registriert seit 28.06.2020

2021-11-16 18:28:23 Uhr
@The MACHINA of God
Stella von WARPAINT on drums, aber auch Produktion (mit C.Barnett zusammen), da hatte ich mir etwas mehr...rythmische Finesse gewünscht..

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 7677

Registriert seit 26.02.2016

2021-11-16 18:26:53 Uhr
Yes, das tut sie.
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