Rickie Lee Jones - The evening of my best day

Rickie Lee Jones- The evening of my best day

V2 / Zomba
VÖ: 13.10.2003

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Abendgarderobe

Die einen sehen in ihr das Plagiat, die anderen das Vorbild. Was Rickie Lee Jones von Joni Mitchell und Laura Nyro gelernt hat, gab sie an Suzanne Vega und Aimee Mann weiter. Hört sich nach einer Versammlung der großen Damen anspruchsvoller Musik zwischen Jazz, Rock, Folk, Blues und Pop an. Und genauso klingt auch "The evening of my best day", das neue Album von Jones, die sich zuletzt außer einer Sammlung von Coverversionen ("It's like this", 2000) und dem '01er Livealbum "Live at Red Rocks" doch eher rar gemacht hatte.

Geschmackvolle Arrangements ohne viel Ballast, mitunter hakenschlagende Melodieführungen, selten ausfransende Harmonien - ganz das Album für den gesitteten Musikhörer. Die Flasche Rotwein in Dur und Moll sozusagen. Wohlgeformte Jazzspitzen wie "Ugly man" und "Lap dog" oder zurückgelehnte Geheimnistuerei wie "Little mysteries" kitzeln den Geist, strengen jedoch nicht wirklich an. Recht geruhsam fließt dieser Abend dahin.

Aber natürlich legt sich Jones nicht kuschelnderweise auf die faule Haut. Schließlich war es das Ungemach, welches mit George W. Bush über ihre Heimat kam, das sie nach dem '97er Werk "Ghostyhead" endlich wieder zum Songschreiben gebracht hat. Und so wartet mit "Tell somebody (Repeal the PATRIOTS Act now)" ein beinahe wütender Appell an die letzten Aufrechten dieser Welt zwischen all dem Wohlklang. "Tell somebody what happened in the U.S.A." Ein wenig naiv ist das ja schon, was sie da so in den Groove näselt. Aber immerhin flott genug, um das Peace-Zeichen munter im Takt zu schwingen.

Viel spannender sind da ergreifende Atemstillstände wie "Sailor song" oder das famose "A tree in Allenford". Nur sanft streicht Jones dem Walzerrhythmus die Haare aus dem bedrückt nach unten schauenden Gesicht. "All I see looks back at me." Und eine verzagte Harmonika klagt dazu. Doch genug der Niedergeschlagenheit, denn zum Abschluß läßt es Jones noch einmal zündeln. "A face in the crowd" beginnt verdeckt, knistert spannungsvoll und entlädt sich in unvermittelter Verzerrung: "I wanna be the one you know." Wer wagt da noch zu widersprechen?

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Ugly man
  • Sailor song
  • A tree in Allenford
  • A face in the crowd

Tracklist

  1. Ugly man
  2. A second chance
  3. Bitchenostrophy
  4. Little mysteries
  5. Lap dog
  6. Tell somebody (Repeal the PATRIOTS Act now)
  7. Sailor song
  8. A tree in Allenford
  9. It takes you there
  10. Mink coat at the bus stop
  11. The evening of my best day
  12. A face in the crowd

Gesamtspielzeit: 55:12 min.

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