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RIN - Kleinstadt

RIN- Kleinstadt

Gold League / Division
VÖ: 29.10.2021

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Die Oberflächlichkeit des Seins

Im Oktober erzählte Rapper RIN in einem Instagram-Post von den Insolvenzen seiner Eltern, dem Leben in der Kleinstadt, seiner jahrelangen Perspektivlosigkeit und von seinen Panikattacken. Respekt für diese Offenheit: Über psychische Probleme zu sprechen ist auch 2021 noch nicht selbstverständich. Doch auch das eigene Modelabel Ljubav Europe bringt RIN in diesem Beitrag unter, er posiert auf dem verlinkten Foto vor zwei protzigen Luxuswagen und weist am Ende der Nachricht auch noch auf sein neues Album hin. So verkommt der Post dann doch zum Promo-Move. Oder wie man in RINs schwäbischer Heimat sagt: Er hinterlässt ein Gschmäckle.

Nach dem infantilen Vorgänger "Nimmerland" bietet sich für den Rapper die Chance, ein neues Level freizuspielen und das erwachsene Nachfolgealbum vorzulegen. Der Albumtitel lässt sogar ein Konzept vermuten. Vielleicht ist Bietigheim-Bissingen hier das, was Hamburg auf Disarstars großartigem Release "Deutscher Oktober" war? Doch leider spielt die titelgebende "Kleinstadt" keine zentrale Rolle, findet sich nur immer mal zwischen den Zeilen wieder. Viel wichtiger sind dem 27-Jährigen andere Themen oder wie die Münchener Blumentopf schon 1999 bemerkten: "Es dreht sich alles nur um Autos und Frauen." Die häufigen Erwähnungen von Automarken, Felgen und Lenkrädern lassen das Herz jedes KFZ-Liebhabers höher schlagen, sind aber auch Ausdruck einer Oberflächlichkeit, die sich durch das komplette Album zieht.

Nur in wenigen der 18 Songs hat RIN etwas zu sagen. Selbst dann sind die Lyrics so konfus, dass die Aussage unklar bleibt. In "Athen" erzählt er beispielweise von sich und seinen Homies, wirft wahllos mit angesagten Marken und Künstlernamen um sich, der Refrain klingt dann aber nach Liebeslied: "Wo hast du gepennt, wenn ich weg war / Sag wohin du gehst, wenn du schläfst." Dass RIN gerne und ausgiebig singsangt, ist gar nicht schlimm, auf eben diesem Track holt er sich aber Schmyt hinzu und dem kann er beim Gesang nicht annähernd das Wasser reichen. Auch der tiefere Sinn von "ADHS" bleibt nebulös, immerhin lässt der Rapper eine gewisse Selbstironie durchklingen: "Du denkst ich bin ein Mann, doch ich bin eigentlich ein Kind mit sehr viel Schmuck." "Mrznja" greift die bereits erwähnten Panikattacken auf und erzählt von jahrelanger Einsamkeit. Viele andere der Tracks wirken dagegen wie ein wahlloses Aneinanderreihen von vermeintlich freshen Ausdrücken, gerne unterstützt durch seine Trademark-Adlibs "Okay" oder "Oh, Junge".

RIN hatte Drake zuletzt dafür kritisiert, dass er auf "Certified lover boy" nie aus seiner Komfortzone gekommen wäre und mangelnde Experimentierfreudigkeit kann man RIN selbst tatsächlich nicht vorwerfen. Mit "1976" gelingt ihm ein sommerlicher Tune, kann man in Zeiten von Klimawandel ja auch im Herbst mal so machen. "Meer" hingegen ist eine ganz schlimme Pop-Rock-Nummer à la Silbermond, "Insomnia" eine schwache Kopie von Gorillaz. Für die diversen Gitarrensounds ist Haus- und Hofproduzent Alexis Troy verantwortlich. Seine Produktion rettet so manch inhaltlich leeren Song über die Zeit, aber richtige Hits bleiben trotzdem erstaunlich spärlich gesät. Am ehesten fallen hier "Dirty south", "Eye of the tiger" und "Swiffer" positiv auf, "5 star stunna" dürfte als Bewerbung für die Modus-Mio-Playlist durchgehen. In "Rot" schlägt die schwäbische Herkunft des Rappers durch, wenn es im Refrain heißt: "Niemand frägt mich mehr: Was ist los?" Aber wir wollen ja keine Besserwisser sein. Oder Gscheitle, wie man in RINs Heimat sagt.

(Andreas Rodach)

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Highlights

  • Eye of the tiger
  • Athen (feat. Schmyt)
  • ADHS

Tracklist

  1. Yugo
  2. Meer
  3. Eye of the tiger
  4. Swiffer
  5. Apple
  6. 5 star stunna
  7. Athen (feat. Schmyt)
  8. San Andreas
  9. ADHS
  10. Money on my mind
  11. Sado
  12. Insomnia (feat. Giant Rooks)
  13. Douglas (feat. Schmyt)
  14. Dirty south
  15. FYM
  16. 1976
  17. Rot
  18. Mrznja

Gesamtspielzeit: 46:08 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21517

Registriert seit 08.01.2012

2021-10-27 21:18:35 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21517

Registriert seit 08.01.2012

2021-09-27 20:07:01 Uhr - Newsbeitrag
RIN, einer der ohne Zweifel größten und erfolgreichsten Künstler, die deutschsprachiger Rap in den letzten Jahren hervorgebracht hat, veröffentlicht am 29. Oktober 2021 sein neues Album "Kleinstadt".



Berlin,27.09.2021
RIN ist ohne Zweifel einer der größten und erfolgreichsten Künstler, die deutschsprachiger Rap in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Zehnmal Gold und dreimal Platin für Singles wie „Dior 2001“ und „Keine Liebe“, Gold und die 1LIVE Krone für sein Debüt „Eros“, mehr als eine halbe Milliarde Streams für den Nachfolger „Nimmerland“.

Dazu ein Ruf als Künstler mit der beeindruckendsten Live-Show, die die Arenen und Festivals dieses Landes seit Langem gesehen haben, Features von Legenden wie Kool Savas und Sido, visionäre Kollaborationen mit den einflussreichsten Marken der Welt und der erste deutsche Artist überhaupt mit einer eigenen Show auf Apple Music – um nur ein paar der Errungenschaften zu nennen, die Renato Simunovic in den letzten Jahren in sein Portfolio aufnehmen durfte.




Natürlich ist das alles beeindruckend. Aber noch beeindruckender ist, wie selbstverständlich RIN Rap und damit die hiesige Popmusik in den letzten Jahren grundlegend verändert hat. Die Ideen und Vorstellungen davon, wie sich ein Song anhören und eine Live-Show anfühlen muss, hat er nach seinen ganz eigenen Vorstellungen immer wieder aufs Neue umgedeutet und weiter vorangetrieben.

RIN ist wichtig, dass es den Menschen um ihm herum gut geht - und der Stadt, aus der er kommt, ebenso. Zusammenhalt, Loyalität, gesellschaftliche Verantwortung und ein Engagement für seine Heimatstadt - all das kommt auf seinem neuen, dritten Album zusammen, das den Namen „Kleinstadt“ trägt.


Auch, wenn der Titel es vielleicht vermuten lassen würde, ist das dritte Album von RIN dabei keine Ode an Bietigheim-Bissingen im klassischen Sinne. Pandemiebedingt hat er zwar so viel Zeit wie lange nicht mehr in der schwäbischen Provinz verbracht, aber über diesen Ort und seine identitätsstiftende und inspirierende Funktion hat er auf den Songs seines Debüts „Eros“ und in Interviews häufig genug gesprochen. Nachdem RIN mit „Nimmerland“ zuletzt einen albumgewordenen Sehnsuchtsort der Infantilität schuf, an den er und seine Fans immer wieder zurückkehren können, läutet er nun mit „Kleinstadt“ eine neue Epoche ein und gibt seiner Region erstmals ihren eigenen Sound.

Unterstützung bekommt er dabei von Alexis Troy. Der Düsseldorfer, seines Zeichens vermutlich der vielseitigste und gleichzeitig fähigste Musikproduzent des Landes, und RIN arbeiten bereits seit „Eros“ zusammen. Sie vertrauen einander, teilen die gleiche Leidenschaft für Perfektionismus und Popkultur. Eine Dynamik, der ansonsten nur Minhtendo standhalten kann.

Mit „Kleinstadt“ hat RIN sich endgültig freigemacht. Von den Erwartungen der anderen und auch von den eigenen. Von der Idee, wie deutscher Rap zu klingen hat - auch und vielleicht gerade deshalb, weil er darauf in den letzten Jahren mit seinen Songs und Shows selbst einen nicht unwesentlichen Einfluss gehabt hat.

Aus genau dieser Emanzipation ist mit „Kleinstadt“ nicht weniger als die musikalische DNA der Welt entstanden, die Renato Simunovic umgibt. Die 18 Tracks sind eine punktgenaue Definition von Inhalt und Klang, Ästhetik und Attitüde und erschaffen genau dadurch eine musikalische Identität, wie sie vielen Städten seit Jahren innewohnt. New York, Atlanta, Bietigheim-Bissingen. Wenn man in Zukunft davon redet, wie Rap im Süden von Deutschland klingt, dann wird man vor allem von diesem Album sprechen müssen. Willkommen in der Kleinstadt.

„Kleinstadt“ von RIN erscheint am 29.10.2021 über DIVISION / GOLD LEAGUE.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21517

Registriert seit 08.01.2012

2021-09-17 19:47:46 Uhr - Newsbeitrag
Hier seht ihr das neue Musikvideo zu RINs neuer Single „Apple“:

RIN - APPLE (Musikvideo)

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21517

Registriert seit 08.01.2012

2021-08-13 20:00:47 Uhr - Newsbeitrag
RIN veröffentlicht mit „1976“ eine neue Single und zeigt einmal mehr, dass er stilistisch mittlerweile sämtliche Scheuklappen abgelegt hat. Seht hier das in Südfrankreich gedrehte Musikvideo:

RIN - 1976 (Musikvideo)

sizeofanocean

Postings: 832

Registriert seit 27.01.2020

2021-06-25 21:13:14 Uhr
ja, bitter dass die jetzt gemeinsame Sache mit jemandem machen, der so eine Scheiße wie Arrete verzapft hat
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