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Lygo - Lygophobie

Lygo- Lygophobie

Kidnap / Cargo
VÖ: 29.10.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Bock

Diese "Schockstarre" war nicht geplant. Ende 2019 wollten sich Lygo eine Auszeit nehmen. Wie bestellt kam die Corona-Pandemie. Und mit ihr genügend Zeit für eine Auszeit. Um nachzudenken. Am Ende aber: viel zu viel Zeit. Immerhin mit positivem Effekt für das Punkrock-Trio: Bock, gemeinsam weiterzumachen. Bock auf eine neue Platte. Dem Opener hört man diese Wucht, diese aufgestaute Energie an. Postpunk oder Deutschpunk? Für gerade mal 27 Sekunden zucken die Gitarren schüchtern wie Blitze am Horizont einer aufziehenden, mächtigen Gewitterfront. Dem Knall wird man nicht entkommen, soviel ist ab Sekunde 28 dieses Stücks klar. Exakt dieser Ansatz zu ungehemmter Lautstärke ist es, der Lygo von vielen Genre-Vertretern unterscheidet.

"Lygophobie", der Titel ihres dritten Longplayers, ist nicht etwa ein verunglücktes Wortspiel über die Angst vor sich selbst oder gar der eigenen Band. Er bedeutet schlicht Angst vor der Dunkelheit. Und obwohl Dunkelheit und Einsamkeit in all ihren Facetten, bedingt durch soziale Isolation und Unsicherheit während der Pandemie, noch in vielen Köpfen steckt, ist den Bonnern hörbar an nichts mehr gelegen, als diese aufgeschichteten Wände einzureißen. "Lygophobie" ist alles andere als eine pessimistische Platte. Sie beschreibt den Weg raus aus dem Tunnel, zurück ins Licht, wie ihn auch die Artworks zum Album visualisieren. Doch genau dieser Weg ist ein Prozess, welcher zunächst auch stocken kann. Nachdem das hochmeldiöse "Kein Fahrtwind" mit seiner ansteckenden Turbostaat-Hook den fulminanten Auftakt komplettiert und das wuchtig-schnelle "Fight Club" mit dem durchschwingenden linken Haken alles wegdampft, geht die restliche A-Seite des Albums etwas in sich. Doch Lygo holen nur Luft.

Für eine unverschämt gute B-Seite. "Kommentarspalte" richtet den Blick ins Netz, doch neben berechtigtem Anprangern des dort leider nach wie vor unbehelligt grassierenden Hasses reißen Lygo die Ursachen für ebenjenes Gefühl des Abgehängtseins und für die Filterblasen-Isolation vieler Kommentator*innen an: das Höher, Schneller, Weiter unserer Ellenbogen-Gesellschaft. Die zweite Auskopplung "Altersheim" funktioniert als astreiner Hit mit dem Blick für das Vergängliche, in den Schatten gestellt noch vom jüngsten Vorboten "Warmes Bier & kalter Kaffee", dessen Ohrwurmqualitäten jede Menge Staub aufwirbeln und alle Zweifel pulverisieren. Keine Frage: "Lygophobie" muss man laut hören, dann entfacht das Album massiven Bewegungsdrang. Und Durst. Und Bock auf ein Punkrock-Konzert. Oder gleich ein ganzes Festival. Und dann? "13 Stunden Schlaf" waren am Ende noch nie das schlechteste Rezept.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Kein Fahrtwind
  • Fight Club
  • Warmes Bier & kalter Kaffee
  • 13 Stunden Schlaf

Tracklist

  1. Schockstarre
  2. Kein Fahrtwind
  3. Zusammen im Bett
  4. Fight Club
  5. Uwe, Erdgeschoss links
  6. Auf Deine Bitte
  7. Warmes Bier & kalter Kaffee
  8. Feuerzeug
  9. Kommentarspalte
  10. Altersheim
  11. Ufer
  12. 13 Stunden Schlaf

Gesamtspielzeit: 42:17 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Robert G. Blume

Postings: 759

Registriert seit 07.06.2015

2021-11-02 17:15:25 Uhr
Puh, das ist mit so einer Art von Gesang auf Dauer (= nach zwei Songs) sehr anstrengend. Ich weiß, das gehört zum Genre, und ich hab mich ja auch noch final mit Turbostaat und Fjort anfreunden können, Adam Angst liebe ich sogar, aber das hohe Gekeife nervt hier schon kolossal.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21517

Registriert seit 08.01.2012

2021-10-27 21:17:53 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21517

Registriert seit 08.01.2012

2021-07-02 18:55:02 Uhr - Newsbeitrag
Das Punk-Trio LYGO kündigt heute mit der Single "Schockstarre" drei Jahre nach Release des Vorgängers ihr neues Album "Lygophobie" für den 29. Oktober 2021 an. Der Opener ist textlich wie musikalisch ein Befreiungsschlag für die Band, sowie ein Maßstab für das, was uns auf der neuen Platte erwarten wird.

25 Sekunden Zeit zum Luftholen gönnen einem LYGO ganz am Anfang ihres neuen Albums, bevor "Schockstarre" losbricht, danach bleibt nicht mehr viel Zeit zum Atmen. Für 42 Minuten reißt "Lygophobie", das dritte Album Trios, das inzwischen komplett in Köln lebt, mit.

"Zwei Jahre ist es her, dass wir die letzten Konzerte gespielt und den letzten Song veröffentlicht haben. Wir brauchten eine Pause, haben uns eine Weile mit anderem Kram beschäftigt, uns aber recht schnell im Proberaum wiedergefunden. Da haben wir einen Haufen Songs geschrieben und zum ersten Mal selbst aufgenommen", lässt sich die Band zitieren.

Gitarrist und Sänger Simon Meier fährt fort: "Schockstarre ist ein Song fürs Weitermachen und gegen persönlichen Stillstand - für uns war schnell klar, dass der Song an den Anfang des Albums gehört. Und dass wir mit Schockstarre auch unsere erste Bandpause beenden, von der wir vorher selbst nicht so genau wussten, was darauf folgen würden."




LYGO - "Schockstarre" (Single)
Musikvideo:

Mit ihrer letzten Tour im September 2019 verkünden sie eine Pause auf unbestimmte Zeit - nicht etwa, weil sie sich auflösen wollen, nein, einfach um die letzten Jahre mal wirken zu lassen und Platz zu schaffen für den ganzen Kram, für den man sonst neben der Band kaum Zeit hat.

"Lygophobie", das ist nicht etwa ein verunglücktes Wortspiel über die Angst vor sich selbst als Band. Es ist ein Begriff, über den LYGO zufällig stolperten: Es ist die übermäßige Angst vor der Dunkelheit. Und obwohl sich die Dunkelheit in all ihren Facetten durch das ganze Album zieht, ist "Lygophobie" alles andere als eine pessimistische Platte. Sie beschreibt eher den Weg zurück ins Licht, wie ihn auch die Artworks zum Album visualisieren.

Punkrock, der so nonchalant zwischen AZ und Clubbühne reinknallt, dass man sich endlich wieder dran erinnert, warum einem diese Musik die Welt bedeutet.

Das dritte Studioalbum von LYGO heißt "Lygophobie" und erscheint am 29. Oktober 2021 auf Kidnap Music und kann hier vorbestellt werden.

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