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Alabama 3 - Step 13

Alabama 3- Step 13

Submarine Cat / Rough Trade
VÖ: 24.09.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Immer noch hellwach

Auch wer den Bandnamen Alabama 3 nicht kennt, hat womöglich bereits einen Song der britischen Band gehört: Der Country-Trip-Hop-Groove von "Woke up this morning" untermalte über sechs Staffeln hinweg den Vorspann der legendären Gangsterserie "Die Sopranos". Wie das Leben so spielt, gibt es in diesem Herbst nicht nur 14 Jahre nach Ende der Serie ein Kino-Prequel zu den Sopranos zu sehen, sondern auch das erste Album von Alabama 3 seit immerhin fünf Jahren.

Im Soundkosmos des Kollektivs aus Brixton hat sich seit der Bandgründung Anfang der Neunzigerjahre freilich nicht viel verändert, und wozu auch – Alabama 3 haben mit ihrer originären Mixtur aus Acid-House, Disco, Country, Blues und Gospel, lyrisch gepaart mit einer politisch linken Agenda und britisch-trockenem Humor, eine ganz eigene Nische besetzt, in der sie nach wie vor konkurrenzlos sind. Dennoch stellt "Step 13" eine Zäsur dar: Sänger und Co-Frontmann Jake Black war im Sommer 2019 verstorben, und die Aufnahmen zum neuen Album waren für die Band die ersten Sessions ohne ihren im Bandkontext auch unter dem schicken Namen The Very Reverend D.Wayne Love aufgetrenenen Mitbegründer.

Die Tatsache, dass "Step 13" kein rein introspektives Traueralbum werden würde, machte im Frühjahr bereits die erste Vorabsingle "Whacked" deutlich, eine augenzwinkernde Hymne auf den Hedonismus und den Gebrauch von Substanzen aller Art, deren treibender Beat zu Rob Spraggs knurrendem Gesang an die Acid-Hymnen der Madchester-Ära erinnert. Das ebenfalls vorab ausgekoppelte "Petronella says" ist ein Dancefloor-Kracher mit heulender Mundharmonika und an den Girl-Pop der Sechzigerjahre erinnerndem Backgroundgesang.

Bei allem Vergnügen am Eskapismus sind die Songs von Alabama 3 immer auch politisch, kommen dabei aber nie aufgesetzt oder gar oberlehrerhaft daher. Im von der Black-Lives-Matter-Bewegung inspirierten Electro-Blues von "Yolanda" thematisiert die Band äußerst selbstkritisch, wie ihr eigener Sound kulturelle Aneignung des Erbes schwarzer Vorbilder darstellt, "The lord stepped in (Taking back control)" erinnert mit zynischem Humor an die Präsidentschaft Donald Trumps, und der wabernde Gospel-Soul von "Rise up brother rise" reflektiert die Klimakrise.

Mit einem an die Twin-Peaks-Soundtracks von Angelo Badalamenti erinnernden orchestralen Intro überrascht "Tranquilize yourself Britannia" zunächst, um dann lyrisch grell in einem von unterkühlten Beats hinterlegten Sprechgesang die auch im Vereinigten Königreich grassierende Opioidkrise anhand der Idee einer süchtigen Queen Elizabeth zu kommentieren.

Zum Ausklang des Albums verlassen Alabama 3 den Tanzboden, und auch der sarkastische Humor weicht aufrichtiger Emotion, jedoch ohne dabei ins Sentimentale zu kippen. Auf "Night tripper in the trap house", einer Meditation über den Tod, ist nicht nur Jake Blacks Stimme noch einmal zu hören, sondern im Outro auch das Piepsen der Geräte an dessen Sterbebett. Alabama 3 lassen den Hörer jedoch nicht an diesem dunklen Ort der Seele zurück, sondern erzeugen mit "Somebody somewhere" eine majestätische, ja fast sakrale Country-Gospel-Atmosphäre mit einer lebensbejahenden Beschwörung menschlicher Solidarität, denn "somebody somewhere still cares".

(Michael Albl)

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Highlights

  • Whacked
  • Tranquilize yourself Britannia
  • Somebody somewhere

Tracklist

  1. Whacked
  2. Yolanda
  3. The lord stepped in (Taking back control)
  4. Petronella says
  5. Rise up
  6. Tranquilize yourself Britannia
  7. Ring the bell
  8. Every time I see a river
  9. Night tripper in the trap house
  10. Somebody somewhere

Gesamtspielzeit: 40:06 min.

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