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Purple Disco Machine - Exotica

Purple Disco Machine- Exotica

Columbia / Sony
VÖ: 15.10.2021

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Tanzen im Baumarkt

"Du bist kein DJ, Du bist ein Jugendlicher mit einem Laptop." Manchmal reicht ein Satz aus, um selbsternannte Musikschaffende vom hohen Ross zu holen. Tino Piontek muss man derlei freilich nicht unter die Nase reiben: Der Mann hinter Purple Disco Machine ist bereits 41, verfiel früh dem Zauber der schwarzen und silbernen Scheiben und kennt darum sein Handwerkszeug – beim Auflegen wie beim Musizieren. Letzteres betreibt er mit zusehends überwältigendem Erfolg, wie der vergoldete Radio-Heuler "Hypnotized" im Team mit dem britischen Indie-Quartett Sophie And The Giants belegte: Elektro-Pop im Speckmantel, dem charmante Eingängigkeit und Glitzer-Sequenzen aus Ohren, Mund und Nase laufen. Formidabel – auch wenn Autokratz den Rahm, den Piontek damit abschöpfte, für "Always more" schon 2009 verdient gehabt hätten.

Klar, dass allmählich das zweite Album von Purple Disco Machine nach "Soulmatic" her musste. "Exotica" macht es nicht unter einer Stunde und gräbt so viele Löcher auf dem Dancefloor, dass eine ganze Putzkolonne nötig wäre, um sie zuzuschütten. Eine Platte wie ein Synergieeffekt – angefangen bei einem Feature mit Lorenz Rhode vom Tanzorchester Ehrenfeld über ein leider balladesk verhunztes Stück in Kooperation mit Deep-House-Kollege Elderbrook bis hin zum aus der Werbung einer Baumarktkette bekannten "Fireworks". Was Neujahr ab 0:01 Uhr überall laufen wird, liegt also auf der Hand. Klammert man die Marketing-Dimension allerdings aus, bleibt ein bassiger Monstertrack voll Gejohle und Steeldrum-Klöppelei, der beinahe vergessen lässt, dass Daft Punks "Get lucky" seinerzeit direkt aus der Hölle kam. Aber nur beinahe.

Denn so berechtigt ihr Legendenstatus ist, so haben die beiden Franzosen in ihrer Spätphase auch manchen Übelstand verbockt. Dass Piontek Daft Punk als maßgeblichen Einfluss nennt, sei ihm unbenommen – nur warum bemüht er gerade die käsigeren Keyboard-Sounds und fieseren Vocoder-Effekte? Die können Songs wie "At the disko" und "Don't stop" nämlich ganz schön niedermatschen, auch wenn ordentliches Tempo und aufgekratztes Bums-Klatsch zweifelsohne für Bewegung sorgen. Viel mehr als "Alexa, spiel unsere Dance-Playlist" will einem dazu jedoch irgendwie nicht einfallen. Und baut "Dopamine" als designierte Hitsingle mutwillig "Hypnotized" nach, ist das zwar legitim, klingt aber wie schon mal gegessen. Im Grunde alles richtig machen, trotzdem nicht recht zu Potte kommen – ein wiederkehrendes Problem dieses Albums.

Da tut es wohl, wenn "Exotica" gegen Ende von seinem Status als eierlegende Disco-Wollmilchsau etwas Abstand nimmt und etwa mit "Playbox" ein Synthwave-Instrumental samt Video im adäquaten Science-Fiction-Manga-Stil hinlegt – simpel, aber effektiv. Das Titelstück gibt gar einen waschechten Clubtrack mit latent gereizter Stimmung ab – ungefähr so, als würde "1967 poem" von Junkie XL & Steve Aoki ohne F-Wörter auskommen. Allemal fordernder als die kaum merklich vorbeirauschenden Klopfer "Hands to the sky" und "Money money", die auch ihren sattsam bekannten Motiven weder Neues noch Interessantes abgewinnen – ganz zu schweigen vom unguten Schmachtfetzen "Wanna feel like a lover" zum Schluss. Aber auch so etwas gehört dazu im DJ-Set mit den immerhin geeigneten Utensilien. Und der nächste Foals-Remix kommt bestimmt.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Fireworks (feat. Moss Kena & The Knocks)
  • Hypnotized (feat. Sophie And The Giants)
  • Exotica (feat. Mind Enterprises)

Tracklist

  1. Can't get enough (feat. Sahara Beck)
  2. At the disko (feat. Lorenz Rhode)
  3. Fireworks (feat. Moss Kena & The Knocks)
  4. Don't stop
  5. Dopamine (feat. Eyelar)
  6. I remember (feat. Elderbrook)
  7. Opposite of crazy (feat. Bloom Twins)
  8. Hypnotized (feat. Sophie And The Giants)
  9. Loneliness (feat. Francesca Lombardo)
  10. Hands to the sky (feat. Fiorious & House Gospel Choir)
  11. Money money (feat. Pink Flamingo Rhythm Revue)
  12. Playbox
  13. Exotica (feat. Mind Enterprises)
  14. Wanna feel like a lover (feat. Ed Mac)

Gesamtspielzeit: 62:40 min.

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Armin

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2021-10-20 21:02:04 Uhr - Newsbeitrag
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