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KMFDM - WW III

KMFDM- WW III

Mayan / Sanctuary / Soulfood
VÖ: 22.09.2003

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Stell Dir vor, es ist Krieg ...

... und keiner will's hören. Donnernde Elektro-Beats gepaart mit Gitarren-Attacken, Wechsel von verzerrtem Gegröle als Gegenpol zu holdweiblichem Gesang. Das ist so neu und frisch wie die 27. Dieter-Bohlen-B-Seite. Miterfunden und entscheidend geprägt haben diese Stilart jedoch seit Mitte der Achtziger die Exil-Hamburger KMFDM, vor allem mit dem Album "Angst" anno 1993. Seitdem wurde ihr vehementer Ansatz des öfteren von anderen Kapellen ausgelaugt. Um die Pioniere in Sachen Industrial Metal wurde es bis zum letztjährigen "Attak" etwas stiller. Und zwar völlig zu Recht, wie die vorliegende akustische Kriegserklärung "WW III" eindrucksvoll plump unter Beweis stellt.

Denn der Anspruch, sich abwechslungsreich und überraschend präsentieren zu wollen, sollte nämlich generell nicht dazu führen, ein Album wie eine Remix-Kompilation von B- und C-Seiten anderer Bands erscheinen zu lassen: Der titelgebende Opener von "WW III" klingt wie ein plattes Outtake von Ministry zu "Psalm 69"-Zeiten, "From here on out" müffelt dank der Stimme von Madame Lucia Cifarelli nach Orgy mit Brüsten, und "Blackball" kreuzt Marilyn Manson mit The Crystal Method. "Jihad" hingegen wirkt wie White Zombie auf schlechtem Speed, und zu allem Übel wummert "Last things" wie neuere No Doubt in einem stotterndem Mixer. Doch damit gewähren KMFDM ihren Hörern noch immer keine Gnade: "Pity for the pious" läßt im Ohr ein Zusammentreffen von Rammstein und Type O Negative-Fronthüne Pete Steele am Mikro stattfinden - in volltrunkenem Zustand wohlgemerkt.

Zum Schluß wird's dann wieder berechenbarer, und somit auch ein wenig gefälliger. Immerhin schön stupide vorangetriebene Industrialwalzen bestimmen das Bild und beruhigen die geschockten Nerven. Bei "Stars & stripes" findet man zwar noch die Schlümpfe im Backingchor, und "Bullets, bombs & bigotry" ist mit einem schrägem Mundharmonika-Solo angereichert. "Moron" schließlich wird dem Hörer gegenüber endlich mal deutlich: Ich walz dich nieder! Danke, das ist wenigstens mal 'ne Ansage!

Die gilt aber leider auch wieder nicht für lange, die "Revenge" folgt auf dem Fuße und klingt in diesem Fall nach elektrifizierten Fields Of The Nephilim, inklusive Zehennägel aufrollendem Casio-Solo. Schon fleht der Hörer wieder nach dem erlösenden Schluß, und der hört hier originellerweise auf den Titel "Intro". Diese Selbstbeweihräucherung klingt wie Coal Chamber im Chemielabor oder Manson ohne Hochglanz und erinnert dann doch ein klein wenig alte KMFDM-Glanztaten. Geht doch. Dumm nur, daß die Zielgruppe längst ebenfalls gegangen ist.

(Peter Schiffmann)

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Highlights

  • Bullets, bombs & bigotry
  • Intro

Tracklist

  1. WWW III
  2. From here on out
  3. Blackball
  4. Jihad
  5. Last things
  6. Pity for the pious
  7. Stars & stripes
  8. Bullets, bombs & bigotry
  9. Moron
  10. Revenge
  11. Intro

Gesamtspielzeit: 51:44 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Hammerwaldhexe
2009-04-27 21:25:04 Uhr
Ich muss den Thread jetzt einfach nochmal rausholen, zu Ehren des bescheuertsten (ernstgemeinten) Songtextes des Jahres, wenn nicht gar des Jahrzehnts! :D
http://www.youtube.com/watch?v=qaO3wl2LQWY

"Potz Blitz, bis ans Ende der Welt!", mal schaun, ob das Silbermond noch toppen kann.
lufthans
2004-04-15 10:29:49 Uhr
also die plattenkritik hat mich sehr amüsiert,danke schön dafür!habe schon lange nicht mehr so einen besserwisserischen bullshit gelesen,white zombie auf speed?.klar bedient man sich auf ww3 auch an der eigenen vergangenheit,das lässt sich vielleicht nach 20 jahren bandgeschichte auch nicht ganz vermeiden.anyway,es ist natürlich auch sehr einfallsreich vergleiche mit ministry etc hervorzubringen,klar psalm 69 ist auch der massstab aller electrokrachmusik,hab ich schon wieder vergessen.was ist mit nin?ein wunder dass der name nicht gefallen ist...
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