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The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die - Illusory walls

The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die- Illusory walls

Epitaph / Indigo
VÖ: 08.10.2021

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Keine Angst

Ein bisschen war man ihr immer beleidigt, dieser Band mit dem furchtbar unhandlichen und doch wunderschönen Bandnamen. Schließlich haben The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die vom ersten Tag ihrer Existenz besonders vielversprechende Haken geschlagen, war von Anfang an klar, dass diese Formation zu weit mehr im Stande ist, als das Gros ihrer Genrekolleginnen und -kollegen. Die bisherigen Alben? Entsprechend weitestgehend sehr gut. Und doch: Immer wieder war da scheinbar eine gläserne Decke – oder Scheinwände? – eingezogen in manche Stücke der Band, immer wieder gab es diese Momente, die das Werk von TWIABP in nicht ganz so funkelndem Glanz erstrahlen ließen. Oder um es kurz zu machen: Immer war da dieses Gefühl, dass die tatsächlich noch ein kleines Stück mehr könnten.

Und weil man sich irgendwann auch an die beste Mixtur gewöhnt, wurde eben jenes Gefühl stärker, konnte man zuletzt mit "Always foreign" nicht mehr ganz so innig Freundschaft schließen. Und als die erste Single "Invading the world of the guilty as a spirit of vengeance" aus dem Albumkontext gerissen gar nicht mal eine so tolle Figur machte, war sie da: die olle Skepsis. Vielleicht hat die Band diese Entwicklung ebenso gespürt, vielleicht haben die vergangenen Monate eine Rolle gespielt, vielleicht auch der plötzliche Tod von Gründungsmitglied Thomas Diaz 2018, jedenfalls macht das vierte Studioalbum "Illusory walls" – der Titel ist übrigens angeblich vom Spiel "Dark souls" inspiriert – den unmissverständlichen Eindruck, es habe etwas zu beweisen. Nicht, weil TWIABP plötzlich alles anders machen würden, im Gegenteil: Es gibt sie wieder, die mit "Blank" betitelten Songs, es gibt nach "Infinite Steve" dieses Mal "Infinite Josh", es gibt Rückbezüge auf frühere Songs und es gibt selbstverständlich auch die traumwandlerisch zwischen Emo, Indie und Postrock oszillierenden Stücke, für die man die Band seit jeher zu schätzen weiß. Doch auf "Illusory walls" werden sie mit mehr Nachdruck inszeniert. Alles wirkt größer, kräftiger, ein bisschen dunkler, ausformulierter. Und präziser auf den Punkt gebracht.

Das beginnt bei simplen Tatsachen: So startet "Illusory walls" mit "Afraid to die" und endet nicht weniger bedeutungsschwanger mit "Fewer afraid". Vor allem aber greift die Band beherzter zu, als man es zuletzt gewohnt war. Der Opener kommt zwar zunächst auf leisen Sohlen und mit Gitarrenfiguren, die sich am Gewinn eines Schönheitspreises versuchen, legt aber nach einer kurzen Kunstpause umso nachdrücklicher los. Ganz großes Drama und Streicher inklusive, und das alles in nur gut drei Minuten. "Queen Sophie for president" zeigt die Band im Anschluss eingängig wie nie und lässt sich behände von Katie Dvoraks Stimme ins Ziel tragen. "Blank // Worker" nimmt für sich Zeit und Ruhe in Anspruch, um eine Melodie auszupacken, die Conor Oberst vermutlich die Freudentränen in die Augen treiben würde und "Died in the prison of the holy office" betreibt das bandtypische Spiel mit den Spannungsbögen einmal mehr in vollendeter Virtuosität. Und über allem liegt eine bislang nicht gekannte Dringlichkeit und bisweilen auch Härte und vor allem der Eindruck, dass der Band auf "Illusory walls" alles gelingt.

Dabei hat man bis hier her verschwiegen, dass sich die Hälfte des Albums in den letzten zwei Songs abspielt: "Infinite Josh" und "Fewer afraid" bringen gemeinsam mehr als 35 Minuten Spielzeit auf die Waage. Das mag in Sachen Sequenzierung ein Albtraum sein, ist aber ansonsten nichts anderes als der pure Grund zu Freude. Weil TWIABP sich schon immer hervorragend auf Longtracks verstanden. Und weil die beiden hier dafür garantieren, dass das Beste zum Schluss kommt. Man könnte versuchen, zu beschreiben, wie sich "Infinite Josh" mit seiner treffsicheren Melodieführung von der vornehmen Zurückhaltung bis zur ganz großen Geste vorarbeitet, oder wie sich "Fewer afraid" zu den Sternen des Postrock aufmacht und dieses Album mit genau dem verdammt großartigen Feuerwerk beschließt, den "Illusory walls" nun mal verdient. Man könnte konstatieren, dass die Band die gläsernen Decken hinter sich gelassen und vermutlich ihre bislang beste Arbeit abgeliefert hat. Oder man könnte diese 70 Minuten einfach hören und fühlen. "The world is a beautiful place / But we have to make it that way" heißt es da zum Abschluss in "Fewer afraid". Man ist gerne mit vollem Herzen dabei.

(Martin Smeets)

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Highlights

  • Afraid to die
  • Died in the prison of the holy office
  • Infinite Josh
  • Fewer afraid

Tracklist

  1. Afraid to die
  2. Queen Sophie for president
  3. Invading the world of the guilty as a spirit of vengeance
  4. Blank // Drone
  5. We saw birds through the hole in the ceiling
  6. Died in the prison of the holy office
  7. Your brain is a rubbermaid
  8. Blank // Worker
  9. Trouble
  10. Infinite Josh
  11. Fewer afraid

Gesamtspielzeit: 70:25 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Autotomate

Postings: 3623

Registriert seit 25.10.2014

2021-10-14 12:16:40 Uhr
"Ein bisschen war man ihr immer beleidigt, dieser Band...", ist das absichtlich so geschrieben? Wenn nicht, bitte ändern (und anschließend auch gerne dieses Posting löschen).

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21271

Registriert seit 08.01.2012

2021-10-13 21:43:58 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

MartinS

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 1059

Registriert seit 31.10.2013

2021-10-11 20:13:18 Uhr
Rezi kommt, hab ich gestern Abend fertig gemacht :)

Logarythms

Postings: 109

Registriert seit 13.06.2013

2021-10-11 14:37:27 Uhr
Von der Always Foreign hat bei mir damals halt irgendwie nur sehr wenig gezündet, und das obwohl ich sämltiche vorangegangen Alben und EPs gut bis großartig fand. Aber vielleicht sollte ich jetzt mit etwas Abstand nochmal reinhören :-)

Illusory Walls gefällt mir jedenfalls weiterhin ausgezeichnet, so einen Spannungsbogen über 70min muss man auch erstmal hinkriegen. 'Died in the Prison of the Holy Office' kristalliert sich langsam auch als Highlight heraus.
Das Album hat definitiv Potenzial, mein liebstes der Band zu werden, mal schauen wie die Langzeitenteicklung so aussieht. Würde aktuell ne 8.5/10 geben, Tendenz steigent.
Hoffentlich kommt auch noch eine Rezi :-)

Leech85

Postings: 228

Registriert seit 15.03.2021

2021-10-11 12:00:19 Uhr
Naja schwach war der Vorgänger jetzt nicht wirklich. Gab auch gute bis sehr gute Songs. Klar war es kein Harmlessness aber das war auch schwierig.
Zurück aber zum neuen Album, ich hab gerade in Infinite Josh reingehört, Junge ist der Song genial. Dieser Aufbau und dann dieses Melodische Riff am Schluss. Also wenn das gesamte Album so ist, dann wird es mein neuer Favorit von Ihnen!
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