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Tunic - Quitter

Tunic- Quitter

Artoffact / Cargo
VÖ: 15.10.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Fehltritt in den Hintern

Damit eins klar ist: Tunic haben die Nase voll. Von Leuten, denen sie auf Nachfrage antworten, sie spielen Noise-Punk und die dann befremdet das Weite suchen. Von gedanken- und irgendwie auch respektlosen Journalisten, die es nicht hinkriegen, das non-binäre Mitglied Dan Unger am Schlagzeug mit dem angemessenen Artikel zu belegen. Denn hey: So schwer kann es doch nicht sein mit der hohen Schule von Amphetamine Reptile Records und der lärmigen Seite des Sub-Pop-Rosters beziehungsweise mit der Gender-Fluidität. Ganz zu schweigen von den Repressalien, die Unger aufgrund seiner nicht cisnormativen Identität im Football-Team einstecken musste und davon, dass Frontmann und Gitarrist David Schellenberg einmal mit der Begründung aus einer Band geworfen wurde, er sei einfach zu schlecht – da kann man nur sauer werden.

Die unlängst zum Duo geschrumpften Kanadier sind es immer noch – abzulesen an Titeln wie "Disappointment", "Nothing nothing" oder "Getting sick" auf der Compilation "Exhaling", die ihr gesamtes Schaffen aus den Jahren 2014 bis 2019 in einer bitterböse rumorenden Dreiviertelstunde zusammenfasste. Fast wie einst bei "Complete discography" von Minor Threat: das Hardcore-Universum in einer zersplitternden Nussschale. Alle Freunde von ungestüm hetzenden Song-Bomben, zerspanten Bassläufen am Rande des Magendurchbruchs und entfesseltem Vocal-Geblaffe werden also vollstes Verständnis dafür haben, dass Tunic ihr erstes Studioalbum "Quitter" auf ohrenfreundliche 21 Minuten eindampfen. Wie passend für eine Platte, die davon handelt, mit dem Aufhören anzufangen. Und womöglich sogar davon, endlich den Hintern zu vordern.

Letzeres natürlich nur, um die unliebsamen Gestalten, die auf "Quitter" ihr Unwesen treiben, mit Schmackes in selbigen zu treten. Tunic reichen dazu ein paar zielsichere Hiebe mit mehr als vorlaut plärrenden Riffs, Powerviolence und Blastbeats beleihende Drums und Schellenbergs Organ, das eine ziemlich genaue Vorstellung davon vermittelt, wie Matt Korvette von Pissed Jeans klingen würde, wenn er am allzu frühen Morgen mit Brummschädel seine Uhr aus der Toilette fischen müsste: angewidert, schmerzgeplagt, fatalistisch. Und ist auch die Beziehung frisch im Klo heruntergespült, heißt es im Titelstück: "Your exodus wasn't mutual / I don't blame you / Let's all waft through the shit." Überfallartige Stop-Start-Parts und rasante Griffwechsel auf der Gitarre helfen über das Gröbste hinweg – und der nächste zweiminütige Sprengsatz wartet schon.

Leid tut Schellenberg und Unger bei einer solchen emotionalen Bankrotterklärung jedenfalls nichts. Warum auch, wenn Zeitgenossen existieren, angesichts derer die Zeile "This is our world of misery / You're a guest here taking up space / I hope you drown under the ice" im monströsen Stampfer "You're a bug" eigentlich noch viel zu nett sind? Nur ab und zu blubbern aus dieser beißenden Kraftbrühe harmonische Zwischentöne hervor – falls man das gniedelnde Lick aus "Reward of nothing" und den mit Laut-Leise-Kontrasten spielenden Schlurf-Groove von "Fake interest" in dieser rohen Umgebung so nennen darf. Aber Vorsicht: Auch beim irre pöbelnden Abschluss "Demoralize" sind Tunic immer noch scharf wie Pantherpisse. Trotz aller "flashbacks of my continuous failures", die sich die beiden hier von der Seele brüllen. Kopf hoch: Fehltritt ist anders.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Quitter
  • Reward of nothing
  • Fake interest
  • You're a bug

Tracklist

  1. Apprehension
  2. Quitter
  3. Reward of nothing
  4. Stuck
  5. Pattern fixation
  6. Fake interest
  7. You're a bug
  8. Ex-epic
  9. Common denominator
  10. Smile
  11. Demoralize

Gesamtspielzeit: 20:56 min.

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Armin

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2021-10-13 21:43:29 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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