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Skinny Lister - A matter of life & love

Skinny Lister- A matter of life & love

Xtra Mile / Membran
VÖ: 22.10.2021

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Die Seele befeuchten

Bald werde der Wellerman kommen, drohte es Anfang diesen Jahres erst über die TikTok-Accounts aus den Handys, dann aus dem Radio und irgendwann sogar von der Spitze der deutschen Charts. Ein Shanty als viraler Trend, und Santiano hatten nichts damit zu tun. Stattdessen ein junger Brite namens Nathan Evans, der sich mit seinem Cover einer Walfangschunkelei mal eben eine bunte Nase verdiente, wie auch – zumindest mit Abstrichen – die auf Shantys spezialisierte Band The Longest Johns aus Bristol. Letztere wiederum, und damit ist der lange Bogen dann endlich gespannt, haben die Londoner von Skinny Lister zur gemeinsamen Vorabsingle "Damn the Amsterdam" eingeladen. Wer also nur ein bisschen Grog-Durst in den herbstlichen Eingeweiden spürt, sollte auf dem fünften Album von Skinny Lister fündig werden.

Für Kneipenstuhlveteranen sind das sicher gute Nachrichten, war das Sextett auf der letzten Platte "The story is..." doch überraschend weit vom Kurs abgekommen und probierte, das Bandspektrum in verschiedene Richtungen auszudehnen. Und obwohl "A matter of life & love" hin und wieder zum Indie rüberschielt und sogar sowas wie Balladen reinschmeißt, geht es insgesamt hauptsächlich um eine gute Zeit. Selbst wenn sie auf "Tough stuff like us" wie The Vaccines oder auf "Bonny's eyes" wie Travis klingen, spielt sich alles noch so nah am Hafen ab, dass die Meerluft in der Nase kitzelt.

Eine Ausnahme ist natürlich das Tourleben. Waren sie zwei Alben früher schon mal "Hamburg drunk", sind sie dieses Mal in der "Bavaria area" in eine Verkehrskontrolle geraten, die zur Ska-Party ausartet. Weitere Abwechslung bringen die gewohnten Momente, in denen Dan Heptinstall das Mikrofon an Lorna Thomas abgibt, die im sehnsüchtigen "Embers" zum Anstoßen auf erloschene Liebschaften bittet. Und eben im großartigen Shanty "Damn the Amsterdam", das die Geschichte eines Schiffs nacherzählt, das sein Schicksal im Ärmelkanal fand und bei Ebbe mit bloßem Auge zu sehen sein soll.

Man muss diesem Mikrokosmos der Spelunkensolidarität aber ebenso einen Hang zum Alkoholismus attestieren, wie eine gewisse Trivialität. Man hat "good times with good friends", es gibt immer aus irgendeinem Grund "drinking to do", und wenn man gerade nicht vom Schnaps voll ist, ist man "drunk on nostalgia" – oder eben beides. Hinter den geradlinigen Songs steckt nicht viel Substanz, keine Metaebene. Wer die Singalongs erkunden will, der wird innerhalb von Sekunden auf eine lyrische Sandbank auflaufen und erkennen, wie manche der Songs in der Belanglosigkeit versinken. Und auch um auf der Erfolgswelle der kurzen Shanty-Euphorie mitzuschwimmen, kommt "A matter of life & love" zu spät. Vielen der klassischen Shantys wohnt nämlich eine fast schon brilliante Tragik inne, die auf diesem Album seltsam abwesend ist. Das alles wird Skinny Lister relativ egal sein, ist die Immanenz in diesem Bermuda-Dreieck aus Songs für die Bühne, der Bühne zum Trinken und dem Trinken für die Songtexte nur konsequent. Und mindestens genauso hieb- und stich-, wie die Fans der Band trinkfest.

(Arne Lehrke)

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Highlights

  • Damn the Amsterdam (feat. The Longest Johns)
  • Embers
  • Bonny's eyes

Tracklist

  1. Shout it out
  2. Tough stuff like us
  3. Like it's the first time
  4. Damn the Amsterdam (feat. The Longest Johns)
  5. A matter of life & love
  6. Embers
  7. Shoulder to shoulder
  8. Bavaria area
  9. Bonny's eyes
  10. Life at a loose end
  11. Breakfast at Heathrow
  12. History

Gesamtspielzeit: 36:03 min.

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User Beitrag

Autotomate

Postings: 3623

Registriert seit 25.10.2014

2021-10-14 11:02:18 Uhr
Es lohnt sich, auch mal die wenigversprechenden 5er zu lesen. Sehr unterhaltsame Rezi.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21272

Registriert seit 08.01.2012

2021-10-13 21:43:19 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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