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Dave Hause - Blood harmony

Dave Hause- Blood harmony

Blood Harmony / Membran
VÖ: 22.10.2021

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Persönlich nehmen

Als 2020 der Mord an George Floyd die Menschen auf die Straßen trieb und die Black-Lives-Matter-Bewegung begründete, setzte sich Dave Hause mit seinem Bruder Tim und zwei schwarzen Musikerinnen zusammen und nahm "Your ghost" auf. Ihm gelang damit ein eindringlicher Beitrag zur Polizeigewalt in den Staaten, wie auch schon 2014, als er mit "Seasons greetings from Ferguson" dem von Polizisten getöteten Michael Brown ein musikalisches Denkmal setzte. Auf seinen Alben behandelt er diese Themen jedoch nie, auch auf seinem neuesten Release stehen die persönlichen Geschichten im Vordergrund.

Bereits der Titel steht für die familiäre Verbundenheit, sei es zu seinen eigenen Kindern oder eben seinem Bruder Tim, mit dem er nun seit einiger Zeit Musik macht. Bei "Sandy sheets", einer radiokompatiblen Rocknummer, blickt er zurück auf die Liebe eines Teenager-Sommers: "We were wild in the Jersey heat / You had 'Hey Jealousy' on repeat / We'd hide out on the beach / Let me remember you when it was easy." In "Gary" erzählt er von diesem Typen, der in der Schule so lange gehänselt wird, bis zu Gewalt greift. Musikalisch ist vom Punk und Hardcore der frühen Jahre nichts mehr zu hören, inzwischen ist Hause in der klassischen amerikanischen Rockmusik angekommen. Mit "Surfboard" befindet sich ein Song auf dem Album, der es auf Spotifys "Pulse of Americana"-Playlist geschafft hat, und das passt perfekt. Amerikaner mögen diese Musik verstehen, für europäische Ohren ist sie irgendwie zu schunkelig.

Bei "Carry the lantern" wird auf dem Barpiano geklimpert und allzu deutlich Richtung Refrain getrommelt, auch "Plagiarist" gehört in die Kategorie Füllmaterial. Bei Letzterem bringt einen das deutliche "Summer of '69"-Zitat wenigstens zum Schmunzeln, ansonsten ist er aber zu zahm. "Northstar" ist eine schöne folkige Nummer, aus der jedoch Kollegen wie Chuck Ragan oder Northcote mit ihren markanten Stimmen sicherlich noch ein paar Prozent mehr rausgeholt hätten. Interessant wird es, wenn sich der Sänger aus der Komfortzone traut. "Snowglobe" erinnert auf einmal an Nada Surf, und die ruhige Nummer "Leave it" beweist, dass Hause' Stimme dann doch variabler ist, als der Großteil seiner Songs vermuten lässt.

Die meisten seiner zehn Lieder sind auf Refrain geschrieben, bei "Hanalei" funktioniert das ziemlich gut: "Hanalei / We could sell / Everything that is not nailed down." Jawohl Leute, Job kündigen, Wohnung auch, und ab auf die hawaiianische Insel. Der mittlerweile 43-jährige Hause schafft es, solche oft gehörten Fantasien mit nachvollziehbarer Sehnsucht rüberzubringen. Auch der Song für die eigenen Kinder ist eine klassische Father-to-son-Ballade, trotzdem packt einen die authentische Vaterliebe von "Little wings": "I won't teach you you're not enough / Or that you need to fit in / Or there's a vengeful god in the sky keeping track of all your sins." Da die letzte US-Administration Hause nicht zu einem politischen Konzeptalbum motivieren konnte, wird das wohl nicht mehr kommen. Womöglich gibt's also die nächste eindrucksvollere Wortmeldung von Hause erst beim nächsten Skandal amerikanischer Sicherheitsbehörden. Und darauf kann man sich ja tragischerweise verlassen.

(Andreas Rodach)

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Highlights

  • Sandy sheets
  • Hanalei
  • Little wings

Tracklist

  1. Northstar
  2. Sandy sheets
  3. Hanalei
  4. Plagiarist
  5. Gary
  6. Surfboard
  7. Leave it in that dream
  8. Snowglobe
  9. Carry the lantern
  10. Little wings

Gesamtspielzeit: 32:39 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

diggo

Postings: 75

Registriert seit 02.09.2016

2021-10-26 18:29:10 Uhr
Richtig gute Platte, wie man es sich von ihm gewohnt ist. Mir gefällt auch der leichte Country-/Americana-Einfluss. Textlich auch stark. Besonders „Little Wings“ ist grossartig. Für mich eines der besten Alben dieses Jahres. Macht einfach Spass. Live dürfte alles noch einen Deut besser sein. Ich hoffe, die 2022er-Tour kann stattfinden…

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21272

Registriert seit 08.01.2012

2021-10-13 21:41:30 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?


Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21272

Registriert seit 08.01.2012

2021-07-28 18:50:13 Uhr - Newsbeitrag
DAVE HAUSE KÜNDIGT SEIN NEUES ALBUM „BLOOD HARMONY“ FÜR DEN 22. OKTOBER 2021 AN — PRODUZIERT VOM GEFEIERTEN SINGER/SONGWRITER WILL HOGE

AUF „BLOOD HARMONY“ ZU GAST SIND HOCHKARÄTIGE MUSIKER, DIE FÜR IHRE ARBEITEN MIT DER E STREET BAND, SHERYL CROW, BRANDI CARLILE, THE HIGHWOMEN, STURGILL SIMPSON, CARRIE UNDERWOOD, ERIC CHURCH, JASON ISBELL U.V.M. BEKANNT SIND



DIE ERSTE SINGLE „SANDY SHEETS“ KANN MAN BEREITS AUF YOUTUBE UND ROLLING STONE COUNTRY STREAMEN

Tourdaten für Europa & UK sind bereits für 2022 angekündigt — davor performt Hause mit The Avett Brothers und Anderen auf dem diesjährigen Americana-Fest

NASHVILLE, TN. / LONDON, UK. – (28. Juli, 2021) – Bloody Harmony Records und der renommierte US-amerikanische Singer/Songwriter Dave Hause freuen sich, den Release seines fünften und bislang ambitioniertesten Soloalbums verkünden zu dürfen, das am 22. Oktober 2021 erscheinen wird. Produziert vom gefeierten Americana-Singer/Songwriter Will Hoge, gastieren auf dem Album eine Reihe von erstklassigen, prominenten Musikern — darunter ein Mitglied von Bruce Springsteens E Street Band sowie renommierte Persönlichkeiten aus dem Business, die für ihre Arbeiten mit Sheryl Crow, Brandi Carlile, The Highwomen, Sturgill Simpson, Carrie Underwood, Eric Church, Jason Isbell und vielen anderen bekannt sind.

Unter der Oberfläche von „Blood Harmony“ brodeln mehrere Bedeutungsebenen. Sie zeigen Dave Hause als Musiker, als Bruder, als Sohn — und nicht zuletzt als Vater, der mit seiner Frau kurz vor dem Release des 2019 erschienenen Longplayers „Kick“ Zwillinge bekam. Hause erschuf das Album mit seinem jüngeren Bruder Tim Hause und veröffentlicht es nun auf dem eigenen Label der beiden, Blood Harmony. Auch das zeigt, wie wichtig die Familie für ihn ist.

Als Standout-Track sticht „Sandy Sheets“ heraus, ein stimmungsvoller und nostalgischer Liebesbrief an vergangene Sommer. „Die Küste von New Jersey ist etwa neunzig Minuten von Philadelphia entfernt — weiter bin ich bis zu meinem 18 Lebensjahr nie gereist“, erinnert sich Hause. „Ich erinnere mich an meine Teenager-Zeit, als wäre es gestern gewesen, daran, wie ich mich jeden Sommer verliebt habe und das Gefühl dann wieder verlor, wie ich dabei immer The Cure gehört habe. Beziehungen, Freundschaften, Heimatstädte: All diese Dinge können mit der Zeit manchmal ganz schön kompliziert und chaotisch werden, aber der Anfang hat immer etwas Magisches. Je älter ich werde, desto mehr möchte ich mich an das Gefühl vom Anfang erinnern, nicht an jenes vom Ende“.

Streamt ihr „Sandy Sheets“ via Rolling Stone Country HIER und auf YouTube HIER.


„Blood Harmony“ track listing:

Northstar
Sandy Sheets
Hanalei
Plagiarist
Gary
Surfboard
Leave It In That Dream
Snowglobe
Carry the Lantern
Little Wings

Eigentlich ist es ganz simpel, „Blood Harmony“ zu erklären: Es beschreibt einfach wie es klingt, wenn zwei Brüder miteinander Musik machen. Dave und Tim Hause arbeiten schon seit einiger Zeit zusammen, schreiben gemeinsam Songs und nehmen sie auf. Da machte es Sinn, dass diese Phrase als Titel für Daves fünftes Soloalbum genutzt wurde. Aber nachdem wir hier von einem Dave-Hause-Album sprechen, gibt es da natürlich noch etliche andere Bedeutungsebenen.

„Ich empfand ‚Blood Harmony’ als großartigen Titel, der sehr spezifisch beschreibt, wie Tim und ich über die Jahre zu arbeiten pflegten“, erklärt Hause. „Er verweist auch auf meine eigenen Kinder, weil sie ihre ganz eigene Blood Harmony haben. Ich denke, das Fundament der Platte, der Herzschlag, liegt darin, dass ich Teil einer wahrhaftigen Familie bin. Ich habe einen ganz bodenständigen Grund zu arbeiten — und Menschen, die ich mit unserer gemeinsamen Arbeit stolz machen möchte. Es ist ein Family-Business!“

Man kann die Leidenschaft von Hause und seine Hingabe sowie seinen hohen Anspruch an seine Kunst in jedem der zehn großartigen Stücke von „Blood Harmony“ hören. Es entstand in wöchentlichen Zoom-Songwritingsessions mit seinem Bruder. Die beiden begannen im Januar 2021, die ersten Stücke zu schreiben. Neu war diese Art der Zusammenarbeit für die beiden nicht, schließlich bilden sie schon seit dem 2017 erschienenen Album „Bury Me In Philly“ ein Team.

Gemeinsam machten sie sich, zehn fertige Stücke in der Tasche, auf den Weg nach Nashville. Dort trafen sie ihren Produzenten Will Hoge. Hoge ließ seine Connections spielen und brachte „eine phänomenale Grippe an Musikern“ (so Hause) ins Studio, die die Songs zum Leben erweckten. Mit dabei waren Chris Powell (Schlagzeuger von Brandi Carlile), Garry Tallent (Bassist von Bruce Springsteen und der E Street Band), der renommierte Session-Gitarrist Tom Bukovac, Jason Isbells Gitarrist Sadler Vaden, Mike Webb (der mit einer Vielzahl von Künstlern von Chris Stapleton bis John Prine arbeitete) der Keyboardspieler Billy Justineau, der unter anderem mit Eric Church und Brothers Osborne arbeitete. Ebenfalls mit dabei: Jen Gundermann, die Keyboarderin von US-Superstar Sheryl Crow.

Auch wenn wohl definitiv niemand behaupten würde, dass den bisherigen Alben von Dave Hause etwas fehlte, so war „Blood Harmony“ der ambitionierte Versuch, nochmal eine ganze Schippe draufzulegen. Das ist definitiv gelungen. Das Album beginnt mit „Northstar“, einem zärtlichen Lied darüber, wie Daves Kinder und seine Frau seinem Leben eine neue Richtung, Trost und Freude gaben. Die Liebe zur Familie ist das Fundament dieses Albums. Das wunderschöne, paradiesische „Hanalei“ fängt hingegen dieses seltene und unbeschreibliche Gefühl des Friedens ein, wenn man mit der Person zusammen ist, die man liebt — und nichts anderes zählt. „Surfboard“ beschreibt mit Augenzwinkern und gutmütigem Humor das Leben und die Irrungen und Wirrungen der Arbeiterklasse. „Carry The Lantern“ begeistert mit seinen lebensbejahenden, an die Rocklegenden Thin Lizzy erinnerenden Riffs — und beschwört Hause’ Hingabe zur Abstinenz von Alkohol und Drogen und für seine Familie. Das Album endet mit „Little Wings“ — einem Stück, dass der Künstler selbst als Postskriptum bezeichnet, das aber viel tiefer und bedeutungsvoller nachhallt, als es diese Beschreibung vielleicht vermuten lässt. Tatsächlich endet das Album so, wie es begonnen hat: Mit einem Lied für seine Zwillinge, zärtlich und voller Liebe und Zuversicht.

Es ist unmöglich, sich diese Platte anzuhören und nicht sofort zu spüren, wie viel ihm seine Familie bedeutet. Sie ist das Zentrum der Platte — und das macht die Sache umso schöner.



Dave Hause hat eine 20-tägige UK/Europa-Tournee für das nächste Jahr angekündigt - Tickets sind ab sofort erhältlich:

28.01.2022 - Antwerp - Kavka
29.01.2022 - Hamburg - Knust
30.01.2022 - Frankfurt - Batchkapp
01.02.2022 - Munster - Skaters Palace
02.02.2022 - Berlin - SO36
03.02.2022 - Leipzig - Conne Island
04.02.2022 - Wien - Arena
05.02.2022 - München - Technikum
06.02.2022 - Milan - Legend Club
08.02.2022 - Zürich - Exil
09.02.2022 - Stuttgart - Im Wizemann
10.02.2022 - Köln - Die Kantine
11.02.2022 - Nijmegen - Doornroosje
12.02.2022 - Amsterdam - Melkweg
15.02.2022 - Nottingham - Rescue rooms
16.02.2022 - Glasgow - Òran Mór
17.02.2022 - Manchester - Gorilla
18.02.2022 - Birmingham - O2 Academy 2
19.02.2022 - London - Islington Assembly Hall
20.02.2022 - Bristol - Thekla





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