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Clueso - Album

Clueso- Album

Text & Ton / Epic / Sony
VÖ: 01.10.2021

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Hymns for the weekend

Thomas Hübner ist mit seinem Alias Clueso nicht nur alphabetisch in der Nähe von Coldplay angesiedelt. Die Briten wälzen sich schließlich gerne im Morast der seichten Beschallung, nur damit sie eben mal kurz ein "Everyday life" oder ein 10-minütiges "Coloratura" raushauen, um zu zeigen, dass sie es ja doch noch anspruchvoll können. Clueso macht derweil völlig andere Musik, pendelt aber ebenfalls stets zwischen Liebäugeln mit der Indie-Welt und Breitmachen inmitten von Charts-Dosenfutter. Und wer anhand von "Handgepäck I" sich über ein reifes, ausgefeiltes Songwriter-Meisterwerk freute, könnte nun etwas bedröppelt aus der Wäsche gucken. Denn "Album" ist nicht nur im Titel generisch: Viel mehr Massenkompabilität und angesagter Sound geht eigentlich nicht mehr. Oder sagen wir es so: Einen Nick Drake wird hier sicher niemand noch einmal in die Referenzen setzen.

Es spricht für Clueso, dass trotz dieser 180-Grad-Wendung das Konzept halbwegs überzeugt. Das heißt hier nun mal: Füße hoch, Sonne rein (nicht in die Füße) und ein bisschen über alte Liebschaften lamentieren. "37 Grad im Paradies / Heute willst Du das und morgen dies", singt er zu einem schmissigen, zugleich lässigen Beat. Cro bräuchte einen sehr guten Tag, um diesen Albumeinstieg hinzubekommen, denn auch "Flugmodus" hebt melodisch gekonnt ab. Da braucht es nicht mal den Gastauftritt von Teddy Teclebrhan, der im amüsanten Video mit Clueso eine Luxusvilla kapert. Bausa vernuschelt das ansonsten ebenfalls sehr gelungene "Hotel California" und bis hierhin setzt die Platte einen zwar oberflächlichen, aber angenehm lethargischen Vibe, der vielen Herbsturlaubern einen passenden Soundtrack bescheren dürfte, hervorragend um.

Nicht immer geht das in der Folge auf. Das Intro "Take off" und das später auftauchende Interlude im Gespräch mit Bozza sind sinnlose Geplänkel und ansonsten stellen 17 Songs schon ein sportliches Vorhaben dar. Allen voran wäre das ultraflache "VIP" verzichtbar, das selbst in diesem nicht gerade anspruchsvollen Reigen negativ auffällt. "Ist es Vip, Vip / Bist Du high, high?" Und ja, Clueso singt wirklich "Vip" und nicht "VIP". Weil die bislang genannten Namen wohl noch nicht groß genug waren, musste außerdem ein Andreas Bourani angekarrt werden, der "Willkommen zurück" endgültig ins musikalische Lauchtum zerrt. Natürlich muss man sich als nach "Menschen Leben Tanzen Welt" auch erst mal trauen, einen Song noch "Tanzen" zu nennen, aber wer auf "Album" die Lyrics fokussiert, setzt ohnehin aufs falsche Pferd. "Ich hab Power / Seid nicht sauer, wenn ich Euch wieder die Vorfahrt nehm' / Hab' einen Traum zu leben." Okay.

Wenn nicht dem HipPop gefrönt wird, lugt "Album" auch erfolgreich in einen Synth-Sound hinein. Besonders "Leider Berlin" sticht als melancholischer Abschiedsgruß hervor, das zuvor zitierte "Aus dem Weg" schwingt wenigstens musikalisch in der gleichen Richtung die Hüften. Die Klavierballade "Alles zu seiner Zeit" steht vielleicht nicht ohne Grund in der Mitte der Platte und ist so verhalten, dass man sogar das Pedal hört. "Sonne fällt und Sonne steigt / Alles zu seiner Zeit" – auch hier keine große Poesie, aber ein Moment des Innehaltens. Natürlich ist das eine weitere Facette, die abgedeckt werden muss. Was die erste Single "Sag mir was Du willst" mit einem schlagfertigem Refrain eineinhalb Jahre zuvor versprach, löst "Album" ein. Wenn man sich auf niedriges Niveau einlässt, kann das Werk trotz Schwächen gefallen. Denn er bleibt einer der Guten, der Herr Hübner, auch am flachen Ende des Pools.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Flugmodus
  • 37 Grad im Paradies
  • Der letzte Song (feat. Mathea)
  • Leider Berlin

Tracklist

  1. Take off
  2. Flugmodus
  3. 37 Grad im Paradies
  4. Hotel California (feat. Bausa)
  5. Willkommen zurück (feat. Andreas Bourani)
  6. Sehnsucht...
  7. Was wäre wenn
  8. VIP
  9. Der letzte Song (feat. Mathea)
  10. Alles zu seiner Zeit
  11. Aus dem Weg (feat. Sharaktah)
  12. Sag mir was Du willst
  13. Punkt und Komma
  14. Aber ohne Dich
  15. Interlude Bozza
  16. Heimatstadt (feat. Bozza)
  17. Leider Berlin
  18. Tanzen
  19. Du warst immer dabei

Gesamtspielzeit: 50:59 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Dan

Postings: 284

Registriert seit 12.09.2013

2021-10-16 01:48:10 Uhr
Hat einen guten Flow, auch wenn es (wieder) viele Songs sind, das Album zu bieten hat.

jo

Postings: 3195

Registriert seit 13.06.2013

2021-10-15 21:21:17 Uhr
Dann hör' mal "Hotel Matze" - dann ist das mit dem "sympathisch" nicht mehr wirklich so ;).

MM13

Postings: 2053

Registriert seit 13.06.2013

2021-10-15 19:01:32 Uhr
defenitiv keine handgepäck fortsetzung, hat aber trotzdem paar schöne songs, irgendwie hat clueso das gewisse etwas und machts einfach besser als die anderen,ausserdem kommt er immer sehr symphatisch rüber, ich mag den und seine musik.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21271

Registriert seit 08.01.2012

2021-10-13 21:40:28 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Sheesh

Postings: 42

Registriert seit 27.09.2021

2021-10-02 10:49:12 Uhr
Bourani ist so ein unfassbarer Nichtskönner.
Warum featured man solche Lappen?
Zum kompletten Thread

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