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Hayden Thorpe - Moondust for my diamond

Hayden Thorpe- Moondust for my diamond

Domino / GoodToGo
VÖ: 15.10.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das Schöne und das Ex-Biest

Hayden Thorpe hat eine dieser Stimmen, die man sich am liebsten direkt in den Hörnerv injizieren möchte – wäre die Vorstellung dieser medizinischen Fantasterei nicht auch so super unangenehm. Ähnlich schmerzhaft und angsteinflößend geriet daher 2017 die Auflösung seiner Band Wild Beasts: Würde man nie wieder etwas Neues von diesem so besonderen, opernhaft zitternden Countertenor vernehmen? Nur zwei Jahre später folgte die Erleichterung in Form von "Diviner", das jedoch auch eine Spur Enttäuschung mit sich brachte. Natürlich sang Thorpe auf seinem Solo-Debüt noch immer mit der gleichen einnehmenden Grandeur, doch diesen speziellen, stickig-pulsierenden Zauber der Ex-Band konnte das überraschend statische Werk nicht konservieren. Das ändert sich nun mit dem Nachfolger "Moondust for my diamond", auf dem das ehemalige Biest die Tanzfläche seines Schlosses wieder entstaubt.

Solche Evokationen verschwitzter Körper in düsteren Interieurs sind deshalb interessant, weil sie den Entstehungskontext des Albums und seine thematische Ausrichtung so gar nicht widerspiegeln. Die neuen Songs schrieb Thorpe in seiner alten Heimat im ländlichen Lake District und möchte mit ihnen das konfliktreiche Verhältnis von Natur und Mystik untersuchen. So scheinen die Synths des Openers "Material world" wahrlich irgendwo in Uranusnähe zu funkeln, doch die scharfkantigen Gitarren des Refrains schneiden knapp am Ohr vorbei durch die Luft. Das konträre Beieinander von Wissenschaft und Religion verdichtet sich in einer Phrase wie "machinery of miracles", bis der Brite die Gesetze widerspruchsfreien Sinns komplett aushebelt: "It's only real if I make it / So I make it unreal." Aus derartigen Reibungen gewinnt die Platte ihren eigenen Charakter, indem sie gleichzeitig zur rhythmischen Bewegung drängt und ihre philosophischen Gedanken frei assoziativ kreisen lässt.

Thorpes faszinierendes Organ bildet dabei weiterhin den Fixpunkt, doch anders als auf dem spärlich inszenierten Vorgänger sind die Arrangements hier mehr als nur Beiwerk. In den letzten anderthalb Minuten des Meisterstücks "Golden ratio" bleibt der 35-Jährige sogar komplett stumm, überlässt dem bunten Instrumentarium um Saxofon und Oboe die Bühne, nachdem er sich zuvor der Dynamik des plötzlich anziehenden Beats hingab. Auch im souligen "Metafeeling" ist der Bläser-unterstützte Groove der Star, während das eh schon technoid-kühle "No such thing" den maschinellen Herzschlag zum Rave hochpeitscht. Auch deshalb lässt sich "Moondust for my diamond" die wiedergewonnene Nähe zu Wild Beasts attestieren: Es fühlt sich über weite Teile einfach nicht wie ein Soloalbum an. Erst im reduzierteren "Hotel November tango" spannt Thorpe mit seiner sehnsüchtigen Gesangsmelodie fast alleine das Netz, aus dem es kein Entkommen mehr gibt.

So ist auch die Distanz zur Ex-Band eine jener Wahrnehmungsschraffuren, die in diesen zwölf Tracks verschwimmen. "The fantasy is real", heißt es ausgerechnet in "Suspended animation", einem skelettal geschliffenen Hit, der auch als Lead-Single für den fiktiven Nachfolger von "Boy king" gepasst hätte. Mit dem bunter geschmückten "Rational heartache" gibt es kurz zuvor noch einen Song ähnlicher Machart, doch hier zeichnet sich eine klarere Kontur ab. "I sense new worlds when I'm around you", singt Thorpe, und man erahnt, warum seine Kollisionen der materiellen und spirituellen Welt nicht im Schutt enden, sondern etwas neues Wundersames und Schönes erschaffen. Dass Liebe die Grenzen der Physik überschreiten kann, hat uns ja Christopher Nolan damals schon in "Interstellar" leicht überkitscht eingehämmert. Hayden Thorpe schärft seine Krallen zum Glück nur mit der feinen Klinge.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Golden ratio
  • Metafeeling
  • Hotel November tango
  • Suspended animation

Tracklist

  1. Material world
  2. The universe is always right
  3. No such thing
  4. Parallel kingdom
  5. Golden ratio
  6. Metafeeling
  7. Supersensual
  8. Hotel November tango
  9. Rational heartache
  10. Spherical time II
  11. Suspended animation
  12. Runaway world

Gesamtspielzeit: 42:26 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

cargo

Postings: 470

Registriert seit 07.06.2016

2021-10-17 10:33:20 Uhr
Ging mir zu Beginn auch so wie Yndi. Muss aber inzwischen sagen, dass das Album bei mir extrem gewachsen ist. Mittlerweile auf Augenhöhe mit dem Debüt bei mir.

Yndi

Postings: 64

Registriert seit 23.01.2017

2021-10-15 09:05:27 Uhr
Mmh, nach dem ersten Durchgang hab ich das Gefühl, dass ein Teil der unfassbaren Schönheit der ersten Scheibe hier in den Elektro-Spielereien verloren geht. Aber da werden noch einige folgen.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21272

Registriert seit 08.01.2012

2021-10-06 19:25:37 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?


Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21272

Registriert seit 08.01.2012

2021-09-13 14:47:27 Uhr - Newsbeitrag
VERÖFFENTLICHT NEUE SINGLE 'METAFEELING'
SEHT DAS VIDEO DAZU HIER
ALBUM 'MOONDUST FOR MY DIAMOND' ERSCHEINT AM 15.10.2021


Nach den Singles Parallel Kingdom und The Universe Is Always Right veröffentlicht Hayden Thorpe heute die dritte Single aus dem am 15. Oktober erscheinenden Album
Moondust For My Diamond.

Das Video zum Song wurde von Percy Dean im Lake District gedreht und zeigt Thorpe in der spektakulären Kulisse seiner Heimat, während er in seinem ebenso spektakulären Anzug Gitarre spielt. Die Hagstrom Viking Baritongitarre ist das Herzstück von Moondust For My Diamond, Hayden hat sie am Valentinstag 2019 in Brooklyn gekauft und erklärt:
“If the piano was my totem instrument for Diviner then this guitar became the amulet for the new record.”

Seht und streamt Metafeeling HIER



Über den Song sagt Thorpe: “I was feeling inspired by studies into the potential healing properties of psilocybin mushrooms in psychotherapy. I signed up to a flagship programme in the Netherlands as I wanted to explore consciousness in a safe way. The line ‘whatever was was, now what is is’ came to me and distilled much of what I had experienced during that time.”

Hayden wird die Musik seines neuen Albums im Oktober bei zwei besonderen Shows uraufführen, zunächst in Zusammenarbeit mit Aerial im Brewery Arts Centre in Kendal und dann im Chat's Palace in London. Danach begleitet Hayden Jon Hopkins auf seiner Europatournee, bei der er auch im Berliner Tempodrom und der Hamburger Laeiszhalle auftreten wird.

Live
15.11.2021 Berlin, Tempodrom (als Support von Jon Hopkins)
26.11.2021 Hamburg, Laeiszhalle (als Support von Jon Hopkins)

Im Gegensatz zu Diviner, einem von der Kritik gefeierten Album, das von Einsamkeit und Zerbrechlichkeit geprägt ist, interessiert sich Thorpe für Moondust For My Diamond für, “the meeting point between science and religion, the grand struggle for reality that shapes so much of our time.” Er hat ein Album geschaffen, das aufrüttelnd, beruhigend, elegant und verführerisch ist: Es strotzt vor großer kosmischer Energie.

“What about nature? What about the cosmos? What about all these things that break through the tyranny of the self? Our sense organs bring the world inside of us after all, I just had to sing it back out. I was enchanted again with the mystery of science and how I might speak from the heart in an age where metric is gospel.” Moondust For My Diamond ist das Nebenprodukt eines Bewältigungsmechanismus: die Erforschung der Welten der digitalen Mystik und das Bedürfnis, die Realität einzuschmelzen und neu zu gestalten, wenn sich so vieles so unwirklich anfühlt.

Die Aerial Songs EP des letzten Jahres deutete bereits eine erweiterte Palette an, die Thorpes Rückkehr in den Lake District widerspiegelte, die ländliche Umgebung, die Natur in der er aufwuchs. Spirituelle Einflüsse sickern in Moondust For My Diamond ein. Genauso wie in Haydens Engagement bei Wavepaths, einem innovativen Projekt, das Musik in psychedelische Therapie integriert und 'hybride' Gigs und Atem-Workshops mit dem Pionier der Atemtherapie Richie Bostock vollzieht. Es sind diese Hingaben, Experimente und Kollaborationen, die dieses Album zu einem so verlockenden, sinnlichen und seelenerweiternden Werk machen.

Die Technicolour-Produktion von Moondust For My Diamond bringt Hayden zum ersten Mal mit dem Kult-Innovator Nathan Jenkins (Bullion) und seinem langjährigen Mitarbeiter Richard Formby zusammen, das Mastering übernahm Heba Kadry.



[Pressemitteilung schon ein paar Tage älter, ich habe eine Woche pausiert]

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21272

Registriert seit 08.01.2012

2021-08-03 17:02:41 Uhr - Newsbeitrag
HAYDEN THORPE
VERÖFFENTLICHT NEUE SINGLE 'PARALLEL KINGDOM'
SEHT DAS VIDEO DAZU HIER
ALBUM 'MOONDUST FOR MY DIAMOND'
ERSCHEINT AM 15.10.2021





Nachdem Hayden Thorpe kürzlich sein neues Album Moondust For My Diamond angekündigt hat, stellt er heute seine neue Single Parallel Kingdom vor.

Wie schon das Video zur vorherigen Single The Universe Is Always Right wurde auch das Video zu Parallel Kingdom in Haydens Heimat, dem Lake District, unter der Regie von Tom Haines gedreht. Hayden sagt: “There are ancient stories to be told here, aeons play out in a single glance. Using Swinside Stone Circle as a location gave everything a certain sanctity.”

Mit Parallel Kingdom setzt Hayden seine Reise von den inneren Landschaften von Diviner hinaus in die Welt des Spektakels um uns herum fort. “So much of our existence is an inconceivable wonder yet we’re so distracted that we rarely register the immenseness of the moment. Right there, beside us all along, is the wonder of everything”, sagt Hayden auf Parallel Kingdom. Klanglich ist der Track ein leuchtendes Beispiel für die jahrzehntelange tiefe Verbindung zwischen Hayden und dem Produzenten Richard Formby. Die beiden arbeiteten an einer Bassline, die Hayden Jahre zuvor geschrieben hatte, und ließen sie durch Formbys monolithischen, selbstgebauten modularen Synthesizer laufen, um die treibende, schwärmerische Version zu schaffen, die sie heute ist.

Seht und streamt Parallel Kingdom HIER

Hayden wird die Musik seines neuen Albums im Oktober bei zwei besonderen Shows uraufführen, zunächst in Zusammenarbeit mit Aerial im Brewery Arts Centre in Kendal und dann im Chat's Palace in London. Danach begleitet Hayden Jon Hopkins auf seiner Europatournee, bei der er auch im Berliner Tempodrom und der Hamburger Laeiszhalle auftreten wird.

Im Gegensatz zu Diviner, einem von der Kritik gefeierten Album, das von Einsamkeit und Zerbrechlichkeit geprägt ist, interessiert sich Thorpe für Moondust For My Diamond für, “the meeting point between science and religion, the grand struggle for reality that shapes so much of our time.” Er hat ein Album geschaffen, das aufrüttelnd, beruhigend, elegant und verführerisch ist: Es strotzt vor großer kosmischer Energie.

“What about nature? What about the cosmos? What about all these things that break through the tyranny of the self? Our sense organs bring the world inside of us after all, I just had to sing it back out. I was enchanted again with the mystery of science and how I might speak from the heart in an age where metric is gospel.” Moondust For My Diamond ist das Nebenprodukt eines Bewältigungsmechanismus: die Erforschung der Welten der digitalen Mystik und das Bedürfnis, die Realität einzuschmelzen und neu zu gestalten, wenn sich so vieles so unwirklich anfühlt.

Die Aerial Songs EP des letzten Jahres deutete bereits eine erweiterte Palette an, die Thorpes Rückkehr in den Lake District widerspiegelte, die ländliche Umgebung, die Natur in der er aufwuchs. Spirituelle Einflüsse sickern in Moondust For My Diamond ein. Genauso wie Haydens Engagement bei Wavepaths einem innovativen Projekt, das Musik in psychedelische Therapie integriert und 'hybride' Gigs und Atem-Workshops mit dem Pionier der Atemtherapie Richie Bostock. Es sind diese Hingaben, Experimente und Kollaborationen, die dieses Album zu einem so verlockenden, sinnlichen und seelenerweiternden Werk machen.

Die Technicolour-Produktion von Moondust For My Diamond bringt Hayden zum ersten Mal mit dem Kult-Innovator Nathan Jenkins (Bullion) und seinem langjährigen Mitarbeiter Richard Formby zusammen, das Mastering übernahm Heba Kadry.


Seht und hört die erste Single vom Album The Universe Is Always Right HIER
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