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Tom Morello - The atlas underground fire

Tom Morello- The atlas underground fire

Mom + Pop / H'Art
VÖ: 15.10.2021

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Stern schnuppe

Vielleicht wäre diese Platte nie entstanden. 2020 zerstörte die Corona-Pandemie die Hoffnung auf eine Tour von Legenden, ach was, Ikonen der Musik, die man einmal Crossover nannte. Nämlich eine Tour namens "Public service announcement" von Rage Against The Machine, die bereits weitestgehend gebucht war. Man hätte gespannt sein können, ob Frontrapper Zack de la Rocha mit 50 Jahren immer noch so viel Energie und Wut mit sich herumträgt wie 1991, als er voller innerer Überzeugung die Lyrics zu unsterblichen Klassikern wie "Wake up", "Bombtrack" oder "Killing in the name" herausspie und damit eine ganze Generation inspirierte. Und man hätte gespannt sein können, was Tom Morello denn nun wieder für abenteuerliche Töne aus seiner Gitarre herauszuholen imstande gewesen wäre. Doch es sollte bekanntermaßen anders kommen. Und da es Morello nun eben doch auf Dauer zu langweilig war, aus dem Lockdown als linker Aktivist zu twittern und merkbefreiten Internet-Trollen legendäre Sprüche zu drücken, reifte der Gedanke, seiner Multi-Genre-Solo-Platte "The atlas underground" einen zweiten Teil folgen zu lassen. Das Problem ist nur, dass diese Platte gar nicht mal so gut war, weil sich der Gitarrist vor allem in dem Dickicht aus diversen Genres von Rap bis Dubstep verhedderte.

Nun gut, mit einem Cover von "Highway to hell" als Opener von "The atlas underground fire" (das Elektro-Massaker "Harlem hellfighter" betrachten wir einmal als Intro) kann man eigentlich nicht viel verkehrt machen, sollte man meinen. Doch. Man kann. Erstens – man covert diesen Song nicht. Never ever. Denn so totgenudelt er auch sein mag, der Trick besteht eben nicht in seiner Einfachheit, sondern darin, dass eben kaum jemand den Song so herrlich asi runterschnoddern konnte wie der große Bon Scott. Doch da keine geringeren Künstler als Bruce Springsteen und Eddie Vedder am Mikro sind, kann man das so eben noch einmal durchgehen lassen. Zweitens jedoch, und damit wird es echt unangenehm – die Aufnahme klingt schlicht gruselig. Und zwar, weil Morello auf die glorreiche Idee kam, die per Videocall eingespielten Songs mit der Sprachaufnahme seines Smartphones auf die Festplatte zu bannen. Auweia.

Das Problem ist nur, dass "Highway to hell" nicht das Problem ist. Das Problem ist zunächst vor allem, dass man Morellos Beitrag wie schon auf dem ersten Teil mit der Lupe suchen muss. Der Solo-Part von "Let's get the party started" mit der Metalcore-Truppe Bring Me The Horizon hätte sich dafür beispielsweise wunderbar angeboten, während die Zurückhaltung des Gitarristen beim wirklich schön schwebenden "Driving to Texas" dringend geboten ist, um die ätherische Stimmung der Elektroniker von Phantogram nicht zu zerstören. Dann jedoch versucht Chris Stapleton, auf "The war inside" wie Bob Dylan zu knödeln, und irgendwie gelingt danach einiges eher mittel. "Hold the line" mit Grandson wirkt genau so billig wie das folgende "Naraka", dessen Beginn noch Spannungsbögen vermuten ließe, diese aber im elektronischen Geblubber untergehen lässt. Tja, und "Achilles" ist so ein Griff ins Klo, da hilft nicht einmal mehr der große Name Marley.

Glücklicherweise finden sich gegen Ende tatsächlich spannende Momente wie die Kollaboration mit Phem, die bei "Night witch" wunderbar zickig über Morellos biestigen Grooves singt, während die Hardcore-Punk-Legende Dennis Lyxzén auf "Save our souls" erstaunlich elektronisch daherkommt. Und damit den roten Teppich ausrollt für Sama' Abdulhadi. Die palästinensische DJane begeistert mit dem über achteinhalb Minuten langen "On the shore of eternity", indem sie ein Gitarrenlick von Morello mit treibenden Beats verwebt und dabei immer wieder aufs Neue umgestaltet. Das ist echte Underground-Förderung, von der sich viel mehr auf dieser Platte hätte befinden können. Denn es sind diese Momente, die "The atlas underground fire" vom ersten Teil abheben und trotz der erwähnten Schwachpunkte konsistenter wirken lassen. Vielleicht ist es demnach gar nicht einmal so ironisch, dass diese Schwachpunkte ausgerechnet von den Megastars stammen.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Driving to Texas (feat. Phantogram)
  • Night witch (feat. Phem)
  • On the shore of eternity (feat. Sama' Abdulhadi)

Tracklist

  1. Harlem hellfighter
  2. Highway to hell (feat. Bruce Springsteen & Eddie Vedder)
  3. Let's get the party started (feat. Bring Me The Horizon)
  4. Driving to Texas (feat. Phantogram)
  5. The war inside (feat. Chris Stapleton)
  6. Hold the line (feat. Grandson)
  7. Naraka (feat. Mike Posner)
  8. The Achilles list (feat. Damian Marley)
  9. Night witch (feat. Phem)
  10. Charmed I'm sure (feat. Protohype)
  11. Save our souls (feat. Dennis Lyxzen of Refused)
  12. On the shore of eternity (feat. Sama' Abdulhadi)

Gesamtspielzeit: 46:32 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

oldschool

Postings: 303

Registriert seit 27.04.2015

2021-10-11 21:28:04 Uhr
Ich suche irgendwie den roten Faden, der das ganze zusammenhält. Den gemeinsamen Nenner. Oft ist die Stimme des Sängers das Bindeglied, wenn musikalisch auf vielen Festen getanzt wird. Fällt hier auch flach. .Ich mag "driving to texas", aber das hätte auch von Phantogram (ohne Morello) sein können.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21272

Registriert seit 08.01.2012

2021-10-06 19:25:06 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21272

Registriert seit 08.01.2012

2021-09-23 18:44:09 Uhr - Newsbeitrag


Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21272

Registriert seit 08.01.2012

2021-08-25 20:31:51 Uhr - Newsbeitrag

fuzzmyass

Postings: 6479

Registriert seit 21.08.2019

2021-08-07 13:08:38 Uhr
"AC/DC sind schrecklich"

Nein. Nein. Und, äh, nein.
Man muss sie nicht mögen, aber sie sind eine sehr wichtige und gute Band mit einigen grandiosen Werken in der Vergangenheit...
Alleine die Albenstrecke Let There Be Rock bis einschl. For Those About To Rock sind zementiert im Kanon der besten Werke im Rock und haben unzählig viele Bands beeinflusst, in jedem Genre... Sound, Rhythmussektion Gitarrenriffs/-Soli, Energie prägnantes knackiges Songriting - das ist einalig und gag es damals in dieser Form/Kombination nicht...
Über die Diskographie danach kann man sicher geteilter Meinung sein, vor allem wenn man eher auf Neuerungen und Innovationen steht oder generell nicht mag, wenn alte Menschen Stadionrock machen...
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