Belle & Sebastian - Dear catastophe waitress

Belle & Sebastian- Dear catastophe waitress

Rough Trade / Zomba
VÖ: 06.10.2003

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Frischer Wind

Wann ist eine Band etabliert? Wenn sie Erfolge feiert? Wenn sie diese bestätigt? Wenn sich eine Menge Menschen auf ihre Alben freuen und Wochen vor der Veröffentlichung schweißnasse Hände haben? Wenn sie mindestens ein Album für die Ewigkeit geschrieben hat? Belle & Sebastian haben all das und noch viel mehr erreicht. Trotzdem klingen ihre Alben immer ein wenig unsicher, als wollten sie fragen: Mögt Ihr uns noch? Wollt Ihr, daß wir etwas anders machen?

Beständige Selbstreflexion bekommt bekanntlich nicht jedem. Und so machen Belle & Sebastian auf "Dear catastrophe waitress" den sich in den letzten Jahren bereits abzeichnenden Fehler: einen Ausbruchsversuch aus einer nur eingebildeten Enge. Schon die Wahl des Produzenten gibt Rätsel auf. Sollte Trevor Horn (Frankie Goes To Hollywood, t.A.T.U) etwa synthethische Weichteile in das bis dato so angenehm unprätentiöse schottische Pop-Produkt implantiert haben? Zum Glück nicht. Und doch ist der Nimbus der Unverwechselbarkeit dahin.

Neu ist der dauerhafte Sonnenschein in den schottischen Hochlanden mit zahlreichen beschwingten Momenten und bunten Bläsercollagen. Fast geht es zu wie auf dem Oktoberfest. Doch trotz vielschichtiger Strukturen und haufenweise Instrumenten bleiben die Songs einfach. Nie fand man so leicht in ein Belle & Sebastian-Album, allerdings fand man auch nie so wenige Nischen zum Glücklichwerden. Songs wie früher, in denen man gerne verweilen wollte, die nicht einfach vorbeihuschten. Aber jetzt ist da nur noch ein kühler Lufthauch, wo früher ein herzerwärmender Wirbelsturm gewesen ist.

"Step into my office, baby" ist nicht der herzergreifende Empfang, den man erhofft und irgendwie auch erwartet hatte, sondern die erste von mehreren Ernüchterungen. Zu vorhersehbar, zu gewollt. Richtig stark sind Belle & Sebastian vor allem, wenn sie sich mit "Asleep on a sunbeam" oder "Lord Anthony" in Selbstkopie üben. Und immer noch ergreifend sind auch die Texte, die wie immer von Stuart Murdochs seltenen Talent zeugen, eine Welt in ein modernes Gedicht zu packen. Der Alltag als Erkenntnisgrube, das Leben als Kristallisation der Sonderlichkeiten. Nur ein wenig mehr davon, und ein bißchen weniger von dem übrigen Mehr: Alle wären glücklich, und die Band bräuchte nie mehr vor ihren Zweifeln zu entfliehen.

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • If she wants me
  • Lord Anthony
  • Asleep on a sunbeam

Tracklist

  1. Step into my office, baby
  2. Dear catastrophe waitress
  3. If she wants me
  4. Piazza, New York Catcher
  5. Asleep on a sunbeam
  6. I'm a cuckoo
  7. You don't send me
  8. Wrapped up in books
  9. Lord Anthony
  10. If you don't find yourself
  11. Roy Walker
  12. Stay loose

Gesamtspielzeit: 48:27 min.

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