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The Lathums - How beautiful life can be

The Lathums- How beautiful life can be

Island / Universal
VÖ: 24.09.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Wigan Aesthetic

Als der Wigan Athletic Football Club vor acht Jahren den FA-Cup gewann, immerhin der wichtigste englische Pokalwettbewerb, war das in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Das Finale erreichte man bereits höchst überraschend und dort ging es dann auch noch gegen Manchester City, den schier übermächtigen Lokalrivalen aus der benachbarten Metropole, unterstützt nicht zuletzt von den Gallagher-Brüdern und The-Smiths-Ikone Johnny Marr. Doch Wigan traf in der letzten Minute zum Sieg und stürzte eine Stadt in kollektiven Freudentaumel, die international vor allem durch die desolaten Arbeitsbedingungen bekannt wurde, die George Orwell dort einst dokumentierte. Dass aber Sehnsucht nun gerade in tristen Industrielandschaften ein Biotop findet, zieht sich wie ein roter Faden durch die englische Musikgeschichte: Da geht es The Lathums aus dem kleinen Wigan 2021 wie The Smiths aus dem großen Manchester in den frühen 80er-Jahren. Schon die Arbeitersiedlung auf dem Cover zeigt das Milieu an, in dem sich das Quartett verortet. Und in den ersten Minuten wird klar, dass "How beautiful life can be" ein Debüt ist, das seine Traditionslinien und Einflüsse offen zur Schau stellt.

Manche davon reichen gar nicht so weit zurück: Mit hektischem Sprechgesang in den Strophen wartet "Fight on" auf, zwischen Alltagsgewalt und Lebenslust fächert Alex Moore ein Panorama auf, das seinem Namensvetter Alex Turner durchaus vertraut sein dürfte. "A lover's quarrel buried under rubble", entdeckt der Sänger, formidable Gitarrenarbeit leitet über in einen gewaltigen Refrain, bevor Geschichte Romantik bedrängt: "So walk with me down memory lane / Oh, be forced to repeat our history". Schon zuvor nimmt "Circles of faith" mit seiner fatalistischen Dramatik unmittelbar ein, während Alex Moores Gesang zwischen abgeklärter Lakonie und aufgewühlten Falsett-Einlagen pendelt. Und auf "I'll get by" tanzen Twee-Arpeggien über einen beschwingt hoppelnden Rhythmus – eine frühlingshafte Seite der Band, die auch der Titeltrack verblümt rauskehrt. Einen leicht jangligen Folk-Rock-Einschlag und den Charme des Jungen von nebenan haben schließlich schon The Kooks erfolgreich kultiviert. Das Spiel mit der Pastiche auf die Spitze treibt "The great escape": Der Titel klingt nach einem Blur-Album, der Song zitiert David Bowie, um mit einem emphatischen "John Lennon shouldn't have died" zu schließen. Neu ist da nichts, gekonnt fast alles – was nicht zuletzt mit Gitarrist Scott Concepcion (was ein Name!) zusammenhängt.

Unter den vielen klugen Dingen, die Noel Gallagher in seinem Leben gesagt haben soll, ist weniges so wahr, wie seine Bemerkung über Johnny Marrs Fähigkeiten. "Because he is unique, because you can't play what he plays, even he can't play what he plays." Lange kam niemand mehr so nah ran wie Concepcion, der mit flinken Fingern und einer fulminanten Symbiose aus Lead- und Rhythmusgitarre jedem Song ein paar wunderbare Details hinzufügt. Und auch wenn in der zweiten Hälfte von "How beautiful life can be" so manche Hook etwas unkreativ gerät, ragen immer wieder Momente heraus: die latenten Western-Einsprengsel von "I see your ghost", das akustisch-sentimentale "I'll never forget the time I spent with you" und vor allem der überraschende Closer "The redemption of sonic beauty", der sich zu einer waschechten Glam-Rock-Powerballade emporschwingt. The Lathums schöpfen mit ihrem Erstling fröhlich aus dem nicht versiegenden Quell jenes typisch englischen Indie-Rocks, der sehnsuchtsvoll, dabei stets geerdet und klassenbewusst daherkommt. Wigan Athletic spielt mittlerweile übrigens in der dritten Liga, was die vier Jungs gar zum Anlass nahmen, eine Benefizsingle für ihren Herzensklub aufzunehmen. Denn so oft der Blick auch nach Manchester wandern mag, ab und an gelingt dem grauen Wigan sein eigener kleiner Triumph.

(Viktor Fritzenkötter)

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Highlights

  • Circles of faith
  • Fight on
  • The great escape
  • The redemption of sonic beauty

Tracklist

  1. Circles of faith
  2. I'll get by
  3. Fight on
  4. How beautiful life can be
  5. The great escape
  6. I won't lie
  7. I see your ghost
  8. Oh my love
  9. I'll never forget the time I spent with you
  10. I know that much
  11. Artificial screens
  12. The redemption of sonic beauty

Gesamtspielzeit: 38:56 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

cargo

Postings: 462

Registriert seit 07.06.2016

2021-09-28 13:51:32 Uhr
Wenn ich eine Band gründen würde, deren Ziel einzig und allein ist so langweilig und egal wie möglich zu sein, dann würde sie exakt so klingen.

Gordon Fraser

Postings: 1973

Registriert seit 14.06.2013

2021-09-24 00:51:33 Uhr
Hab schon lange nicht mehr so auf ein Debüt hingefiebert wie hier. "Circles of Faith" erinnert mich auch schon wieder extrem an irgendwas, aber ich komm nicht drauf.

Der Ästhet in mir verflucht jetzt aber erstmal Spotify, die auf einem Debütalbum Songs mit dem Zusatz (2021 Master) versehen müssen. Grrrr.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21187

Registriert seit 08.01.2012

2021-09-23 19:58:46 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21187

Registriert seit 08.01.2012

2021-08-19 19:05:35 Uhr - Newsbeitrag
Auf der aktuellen Single "I'll Get By" feiert die angesagten britischen Indie-Newcomer The Lathums mit ihrem charakteristischen Optimismus die Lebensfreude, die nur wahre Freundschaft bringen kann. Dass der Videodreh zum Song von Covid-Komplikationen heimgesucht und nach einem öffentlichen Aufruf der Band in letzter Minute von Freiwilligen gerettet wurde, hat zu einem unvorhergesehenen, aber passenden Finale geführt. Das Video ist trotzdem (oder gerade darum) so großartig geworden:

▶ Ansehen: The Lathums „I’ll Get By“ (Official Video)


Unter der Regie von Filmemacher James Slater folgt das Video der Band in einem Oldtimer-Kombi durch ihre Heimat im Nordwesten Englands, zwischen Wigan und Blackpool, auf der Suche nach den exzentrischen Charakteren, die dort zu Hause sind. Letztendlich waren es jedoch der Nordwesten und seine Menschen, die schließlich zu The Lathums kamen. Nachdem der erste Dreh gescheitert war und es für einen zweiten Versuch zu wenige Künstler gab, folgten sie einem Aufruf der Band und retteten so das Video.

Slater erklärt: "Ich wollte, dass das Video eine Feier der verschiedenen Leidenschaften und Persönlichkeiten der Gegend ist, aus der die Band stammt. Eine Reise durch einen magischen Norden. Wir hatten ein paar Probleme, unter anderem verloren wir einige Line Dancer, aber irgendwie reagierte eine Truppe von Turniertänzern auf unseren Hilferuf und reiste durch den ganzen Nordwesten, um sie zu ersetzen und Cha Cha Cha zu tanzen! Zu unserer neuen Besetzung gehörten auch ein Wrestler, einige Rollschuhfahrer, Northern-Soul-Tänzer, ein Elvis-Imitator, eine Drag Queen und einige Alpakas."

"I'll Get By“ ist eine weitere Single aus The Lathums' Album „How Beautiful Life Can Be“, das am 24. September auf Island Records erscheint, und folgt auf den Ska-Ohrwurm "I See Your Ghost", den Soul-Jangle-Pop von "Oh My Love" und der jüngsten Post-Lockdown-Hymne "How Beautiful Life Can Be".

Alex Moore, Texter und Frontmann der Band, singt Lieder von großer Tragweite und Bedeutung, die das glückliche Ergebnis harter Zeiten sind, in denen der junge Musiker die Tiefen des Lebens in unvorhersehbare Höhen verwandelt. "I'll Get By" ist ein weiteres festivaltaugliches Mitsinglied, das nichts Offensichtliches über die Traurigkeit und die Aufruhr aus Alex Teenagerjahren aussagt. Stattdessen erzählen die Songs von dem Frieden, der Versöhnung und der Weisheit, die entsteht, wenn die düsteren Wolken dem Sonnenschein weichen.

Aufgenommen mit den Produzenten James Skelly und Chris Taylor im Rahmen der energetischen Album-Sessions in den Parr Street Studios in Liverpool, könnten die Lyrics der gerade einmal 2:30 Minuten langen Single Vergleiche mit Indie-Poeten wie den Arctic Monkeys oder The Smiths aufnehmen, während Tremelo-Gitarren und Train-Beat-Percussion stärker auf Moores Einflüsse aus den 1950er Jahren wie Elvis Presley und Patsy Cline verweisen.


Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21187

Registriert seit 08.01.2012

2021-08-03 17:06:43 Uhr - Newsbeitrag

The Lathums, eine der angesagtesten Indie-Newcomer-Bands aus UK, haben vor kurzem ihre neue Single „How Beautiful Life Can Be“ veröffentlicht. Nun kündigt die Band aus UK ihr gleichnamiges Debütalbum für den 24. September 2021 an.

Dass The Lathums das Video zum Song in den Parr Street Studios in Liverpool aufnahmen, war kein Zufall, denn erst kürzlich stellten sie dort ihr Debütalbum fertig. Produziert wurde es von James Skelly von The Coral.


“Shades of the Arctic Monkeys and The Smiths” – THE TIMES

“.. prodigious projections of hope, passion and drive” – CLASH

“Worthy of your attention” – THE GUARDIAN


Zu gleichen Teilen Phänomen und Mysterium, kanalisiert das junge Quartett aus Wigan, einer kleinen Stadt westlich von Manchester, mit intelligenten, lebensnahen Texten die rebellische Zeit des Indies der 80er und finden ihre Referenzen bei Bands wie The Smiths, Arctic Monkeys und The Housemartins. Und spätestens seitdem die Band ihre allererste UK-Tour in weniger als 30 Minuten komplett ausverkaufte, in Eigenregie „The Memories We Make“ auf Vinyl veröffentlichte, die in UK Top15 chartete - und die bei Discogs schon für um die 100 Euro weg geht -, ist klar, dass mit The Lathums zu rechnen ist. Dass sie daraufhin auf der Shortlist vom BBC Sound Poll 2021 landeten, bei „Later… With Jools Holland“ auftraten und von Blossoms und Paul Weller als Support eingeladen wurden, ist da nur logisch.
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