Justin Balk - Justin Balk

Justin Balk- Justin Balk

Groundsound / Indigo
VÖ: 29.09.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Herbstzeitlose

Langsam müssen sich Freunde geschmackvollen Liedguts entscheiden, welche Platte fortan mit dem imaginären Sticker "Herbst 2003" versehen im CD-Regal stehen wird. Hoffnungsvoller Bewerber: Justin. Nicht der Ex-Britney Spears-Lover, sondern der Ex-Cucumber Men-Sänger. Justin Balk.

Mit einer Leichtigkeit, die höchstens souverän, aber nie lieblos-routiniert wirkt, strickt er einen großartigen Song nach dem anderen. Akustisch, melodieverliebt und vor allem eines: klassisch. Eine "deutsche Westcoast-Platte" wollte der 31-Jährige machen. Wahrlich ein kühnes Vorhaben. Noch viel kühner, im Booklet ein Namedropping zum Thema Vorbilder zu veranstalten: Fleetwood Mac, John Lennon, Nick Drake, die Beach Boys, Rod Stewart. Und dann auch noch zu gestehen, daß der Ansatz ein vollkommen unironischer ist! Aber es hat funktioniert: Herausgekommen ist ideale Musik für den Herbst, aber eben nicht ausschließlich für diese eine Jahreszeit, sondern für immer; zeitlos, reif und in keinster Weise peinlich.

Bei frostigen Temperaturen klagt man ja gerne mal über kalte Füße. Aber kein Problem: "Porridge", eine wunderbare Fußwippnummer mit gut gelaunten Bläserarrangements und Bob Dylan-Mundharmonika, verschafft garantiert Abhilfe. Die Ballade "Niemand auf der Welt" ist so zuckersüß und glitzernd wie ein Stück Kandiszucker, mit dem man auch den schlechtesten Tee veredeln könnte. Und den Depressionen ist zu sagen: Sorry, aber ihr seid chancenlos. Denn wir werden mit "Jung heißt schön" rechtzeitig daran erinnert, daß alles irgendwie gehen wird. Und dabei klingt der Musiktherapeut zuweilen wie ein unehelicher Sohn von Tom Petty.

Die Texte wirken manchmal wie ein Kastanienmännchen: eine recht simple Existenz – und doch ist alles daran irgendwie schon genau richtig. Justin Balk hält nicht viel von augenzwinkernder Ironie. Warum krampfhaft intellektuell und lyrisch, wenn es doch auch einfach geht? Das formuliert er auch gleich resümierend in "Weil es nicht mehr geht", dem finalen Track seines Solo-Debüts: "Ich schreib’ ein Lied / sie stürzt sich gleich auf die Psychologie / So genau, so ganz genau will man’s gar nicht wissen". Da hat er eigentlich recht. Und den imaginären Sticker "Herbst 2003" hat er auch verdient.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Porridge
  • Niemand auf der Welt
  • Jung heißt schön
  • Ein Ja ist kein Nein

Tracklist

  1. Fein
  2. Porridge
  3. Delphin
  4. Kommst Du mit
  5. Niemand auf der Welt
  6. Jung heißt schön
  7. Autobiographie
  8. Straße
  9. Wenn’s so wär
  10. Ganz leicht
  11. Ein Ja ist kein Nein
  12. Was auch immer
  13. Weil es nicht mehr geht

Gesamtspielzeit: 54:08 min.

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