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Hamish Hawk - Heavy elevator

Hamish Hawk- Heavy elevator

Assai
VÖ: 17.09.2021

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Glanz und Gloria

Schon wieder! Der coole Song eines bzw. einer für Dich neue*n Künstler*in läuft zum ersten Mal, zum zweiten Mal, zum dritten Mal. Der Fuß wippt, der Kopf wackelt: "Das klingt doch ziemlich nach ... nee, ... Moment, ... eher nach ... genau!" So manch musikfanatischer Mitmensch wird zustimmend nicken, doch muss ein Plattentests.de-Schreibermensch ja auch diese "Klingt in etwa wie ..."-Liste aka "Referenzen" erstellen. Für unsere Leser*innen eine sicherlich nützliche Rubrik. Angesichts der Erstbegenung mit Hamish Hawk, dem 29-jährigen Songwriter aus Edinburgh, erlebt der Rezensent jedoch erneut, wie nichtig eigentlich der Parameter "Klingt wie XY" ist, wenn der Faktor "Klingt verdammt gut" so stark ist wie auf "Heavy elevator", dem Debütalbum des kreativen Schotten.

Zumal das pur britisch gefärbte Soundspektrum hier ähnlich offenkundig ist wie einst Bewegtbilder aus dem Old Trafford mit einem gewissen Sir Alex Ferguson an der Seitenlinie. "The Mauritian badminton doubles champion, 1973" ist eine der Singles, sie hat Suchtpotenzial und konkludiert trocken und mit Nachdruck: "To write a cathedral / I'll need a ball-point pen." Nicht nur hier blinzelt der typisch britische Humor durch die lyrischen Gardinen des Tracks, der mit einer Mischung aus beobachtendem Sinnieren und ironisch verortetem Erzählen für hymnischen Flair sorgt. Natürlich geht es nicht direkt um den mauretanischen Badminton-Champion des Jahres 1973, sondern um Lebensleistungen und ihre Greifbarkeit. Oder, wie der geistige Schöpfer sagt: "This song covers all the classic pop bases: namely death, badminton, and cathedrals." Und John K. Samson sang schon immer bei den Smiths?!

Nein, klar ist hier erst einmal wenig. Weil Hawk in "This, whatever it is, needs improvements" mit einer soundtechnischen Eleganz um die Ecke kommt, die man sonst in etwa bei Konstantin Gropper verortet. Und weil das großartige, ebenfalls vorab bekannte "Caterpillar" sich musikalisch dann wieder ganz woanders positioniert. Hier brodelt es, trifft ein funky Basslauf auf Bowie-Feeling, vereint mit der Tanzbarkeit Pulps und getrieben von postpunkender Konsequenz, wenn die Gitarren zum Finale drücken und es richtig lärmig wird. Meistens wählt Hawk aber intimere Gefilde für seine Instrumentierung. Zarte Songs wie "Your ceremony", gar neo-folkig Zerbrechliches wie der Titeltrack oder das schöne "Daggers" geben seiner tollen Stimme Raum, die sich in ihrem auditiven Glanz irgendwo zwischen Jarvis Cocker, Randy Newman und Morrissey einpendelt.

Kein Wunder also, dass dieses absolut reife Frühwerk so klingt, als wäre es das Leichteste der Welt, einen derart hübschen, locker, flockigen Brit-Popper wie "Calls to Tiree" zu schreiben. Dennoch braucht dieses für sein Genre durchaus abwechslungsreiche Album eine gewisse Zeit. Denn die Songs des im Feuilleton längst mit Lob überschütteten Newcomers sind vielschichtig, seine Geschichten  mit Raffinesse und doppeltem Boden ausgestattet. Zeit allerdings, die vor lauter Lauschen, Staunen, Grübeln oder Grinsen äußerst kurzweilig verrinnt, bis "New rhododendrons" schwelgerisch die Schotten dicht macht. Völlig wurscht, ob seine Musik klingt wie einst schon mal irgendwas von XY: In einer guten Musikwelt müsste Hamish Hawk das nächste große Ding werden.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • The Mauritian badminton doubles champion, 1973
  • Bakerloo, unbecoming
  • Caterpillar
  • Calls to Tiree

Tracklist

  1. Vivian comma
  2. This, whatever it is, needs improvements
  3. The Mauritian badminton doubles champion, 1973
  4. Bakerloo, unbecoming
  5. Your ceremony
  6. Caterpillar
  7. Daggers
  8. Heavy elevator
  9. Calls to Tiree
  10. New rhododendrons

Gesamtspielzeit: 40:07 min.

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User Beitrag

oldschool

Postings: 301

Registriert seit 27.04.2015

2021-09-29 15:11:35 Uhr
gute empfehlung, gefällt mir echt gut!

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Postings: 1452

Registriert seit 25.09.2014

2021-09-25 09:30:53 Uhr
Gerne. Wobei ich, wie gesagt, Calls to Tiree ebenso wie die Rezension bei den Highlights sehe und der die zweite Hälfte also aufwertet.

Grizzly Adams

Postings: 1489

Registriert seit 22.08.2019

2021-09-25 07:58:58 Uhr
@Werbung: Ah, danke für die Korrektur. Noch ein Smith also. Das Album gefällt. Die erste Hälfte stärker als die zweite. Da geh ich mit den anderen. Bleibt auf dem Radar.

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Postings: 1452

Registriert seit 25.09.2014

2021-09-25 00:22:38 Uhr
Paul Banks ist von Interpol, der Sänger von Maximo Park heißt Paul Smith.
Und ja, letzteren hab ich auch gehört, die Editors eher weniger.

Grizzly Adams

Postings: 1489

Registriert seit 22.08.2019

2021-09-24 18:04:33 Uhr
Und wie heißt gleich noch der Sänger von Maximo Park? Paul Banks? Den höre ich auch raus.
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