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Dana Dentata - Pantychrist

Dana Dentata- Pantychrist

Roadrunner / Warner
VÖ: 03.09.2021

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Beißen wie ein Boss

Idole zu haben, macht manchmal echt keinen Spaß. Nehmen wir Dana Wright. Die Kanadierin hielt sich für den größten Marilyn-Manson-Fan der Welt, kannte jeden Song, jedes Wort, jede Pose auswendig, trat nach ihren ersten Veröffentlichungen als dessen Support auf und sang auf "Heaven upside down" die Backing-Vocals im Titelstück. Und musste dann mitansehen, wie sich Brian Warner selbst entzauberte, da ihm mehrere Frauen Misshandlung und sexuelle Gewalt vorwarfen – die gleichen Dinge, die Wright seit ihrer Teenagerzeit immer wieder über sich hatte ergehen lassen müssen. In der Folge nahm die Metamorphose zu Dana Dentata ihren Lauf: von der Metal-Göre über verhuschten Pop-Rap bis hin zum Mixtape "Danavi$ion" und der EP "Daddy loves you", die tief Richtung männliche Familienjuwelen zielten. Das Debüt "Pantychrist" lädt lautstark nach.

Sicher kann man Dana Dentatas mit Elektronik und HipHop verwilderte Personality-Show voller Rachefantasien und offensiver Sexualität in ihrer Exaltiertheit haltlos übertrieben finden. Man darf sich aber genauso fragen, was für Erfahrungen es wohl sein mögen, welche die Erschaffung einer solchen Kunstfigur nötig machen. Doch ganz so einfach liegen die Dinge nicht: Die Dame mit wüstem Make-Up, Pistole im Schritt und einem "trust no dick" auf den Lippen macht auch aus ihrer Vorliebe für "big dick energy" keinen Hehl. Natürlich nur, solange diese nach ihren Regeln spielen. Denn sang man 1981 bloß "Glücksspirale kann doch nur heißen / Der hat Glück, ich die Spirale / Darauf kann ich nun wirklich scheißen", erwacht die Vagina Dentata im Verhütungs-Bouncer "I.U.D." zu giftigem Leben: "My pussy got teeth." Und beißt bei Bedarf kräftig zu.

Zu diesem Zeitpunkt hat man schon den Großteil eines Albums hinter sich, das zwei eher konventionell Crossover-metallische Stücke einrahmen – vermutlich, um den Release beim Hartwurst-Label Roadrunner zu rechtfertigen und in "Dstock '99" an die Gewalt gegen Frauen bei der bisher letzten Ausgabe des Woodstock-Festivals zu erinnern. Ausgeschöpft hat Dana Dentata ihr Aggro-Potenzial da noch lange nicht: Erstmals richtig steil geht sie zusammen mit Blink-182s Travis Barker zu den groben Distorto-Beats von "Spit", das sich nach scheinzahmem "La la la" zum wütenden Speed-Bolzen hochprügelt. Was samt "Church hooker" im "Flesh prison" läuft? Will man lieber nicht wissen – ebenso wenig, wie vielen potenziellen Sexualstraftätern der bedrohliche Groover "I know what you did last summer" den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Darauf einen Eiersalat.

Noch etwas mehr an traumatischen Stellschrauben dreht "Happy family", das Cybergrooming an Minderjährigen genauso erschreckend verhandelt wie "Daddy loves you" von 2019. Bis auch Wright kurz nicht mehr kann und in der Folk-Miniatur "Free" plötzlich so fragil wie Yeah Yeah Yeahs' Karen O auf "Crush songs" klingt: "The only time I let somebody in / They hurt me again." Ein letztes Luftholen, ehe "Like a preyer" im Hospital der Geister mächtigen Horror-Trap veranstaltet und das fantastisch röhrende "Apology" den wohl stacheligsten R'n'B-Hit jenseits der Gürtellinie markiert. Kein Zweifel: Dana Dentata ist der Boss – mit einem Dutzend Killer-Tracks. Hier geben allein Pseudonym, Albumtitel und Songnamen mehr zu denken als jede Listening-Session in der Schauinsland-Reisen-Arena zu Duisburg. "Pantychrist" superstar? Wundert Euch nicht, fürchtet Euch sehr.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Spit (feat. Travis Barker)
  • Happy family
  • Like a preyer
  • Apology

Tracklist

  1. Birth
  2. Pantychrist
  3. Church hooker
  4. Spit (feat. Travis Barker)
  5. I know what you did last summer
  6. Flesh prison
  7. Happy family
  8. Manic Monday
  9. Free
  10. Like a preyer
  11. I.U.D.
  12. Apology
  13. Dstock '99

Gesamtspielzeit: 34:43 min.

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Armin

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2021-09-15 20:27:21 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. "Album der Woche"!

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