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Yann Tiersen - Kerber

Yann Tiersen- Kerber

Mute / PIAS / Rough Trade
VÖ: 27.08.2021

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Klavier ohne Worte

Wer den Film "Die fabelhafte Welt der Amelie" nicht gesehen hat, ist mit großer Wahrscheinlichkeit trotzdem mit dem zugehörigen Soundtrack vertraut. "Comptine d'un autre été" hat mit verschiedenen Uploads auf YouTube weit mehr als 40 Millionen Aufrufe und wird auch 20 Jahre nach Veröffentlichung immer wieder als Hintergrundberieselung genutzt. Yann Tiersen, der hinter der Komposition steckt, gilt seither als talentierter Multiinstrumentalist. Dieses Können macht viele Ausflüge in unterschiedliche Musikgenres oder auch Kreuzungen möglich. Tiersens Werke reichen deshalb von Chanson über französische Volksmusik bis hin zu Minimal, Post-Rock, Avantgarde oder Folktronica. Die drei Letzteren hat er vor allem auf seinem 2019er-Album "All" zelebriert, mit "Kerber" dringt er nun stellenweise tiefer in die elektronische Musikwelt vor.

So wird etwa "Ar Maner Kozh" von einem elektronischen Wummern begleitet, während sich die Piano-Töne zunächst zaghaft aneinanderreihen. Nur für wenige Sekunden entwickeln sie sich zu einer unbeschwerten Melodie, um kurz darauf dramatisch auszuschweifen. Tiersen versteht etwas davon, Emotionen und Eindrücke nur durch das Klavier zu vermitteln – schon "Comptine d'un autre été" bewies das zu Genüge. Auf "Kerber" sind es aber vor allem Landschaften, die musikalisch untermalt werden sollen. Das Album ist auf der bretonischen Insel Ouessant entstanden, auf der Tiersen wohnt und wo er während der Pandemie in Isolation gelebt hat. Die Insel befindet sich 30 Kilometer vor der Westküste der Bretagne in der Keltischen See, "Kerber" heißt eine Kapelle in einem dort gelegenen Dorf.

Jeder dieser Tracks bildet klanglich eine der Landschaften ab, die Tiersens Zuhause umgeben. Dazu gehört auch die erste Auskopplung "Ker Al Loch" – allerdings nicht unbedingt der zugänglichste Song mit dem größten Hitpotenzial. Denn klassische Muster wie Strophen, Refrains oder generell Lyrics gibt es in der Musik des Franzosen ohnehin nicht. Die Stücke von "Kerber" nehmen ihren Platz wie von selbst ein und beinhalten spannende Wendungen, ohne dass dabei ein gerades Muster zu erkennen wäre. Eine charakteristisches Merkmal bei Yann Tiersen, das man sowohl über den grünen Klee loben als auch scharf kritisieren könnte.

Doch so oder so gelingt es dem Multiinstrumentalisten auf "Kerber", eine musikalische Welt für sich zu erschaffen, ohne Monotonie aufkommen zu lassen. Nur der Kontrast zwischen seiner Klavierkunst und den elektronischen Elementen will nicht immer ganz glücken: Die düsteren Bässe bei "Ker Al Loch" etwa stolpern eher unbeholfen ins Geschehen hinein, statt es zu bereichern. Vielleicht muss man doch nicht jedes Genre um jeden Preis mit einem anderen kreuzen. Yann Tiersen tut es trotzdem.

(Lena Zschirpe)

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Highlights

  • Kerlan
  • Kerber

Tracklist

  1. Kerlan
  2. Ar Maner Kozh
  3. Kerdrall
  4. Ker Yegu
  5. Ker Al Loch
  6. Kerber
  7. Poull Bojer

Gesamtspielzeit: 46:57 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Beefy

Postings: 361

Registriert seit 16.03.2015

2021-09-20 16:49:38 Uhr
Ganz hübsch, aber da gibt es schon Spannenderes / Schöneres aus diesem Bereich, zumindest für meinen Geschmack.

Übrigens: Ich finde, dass die erstgenannten Referenzen (EITS, Mogwai) den geneigten Hörer in eine etwas falsche Richtung lenken. Die weiteren passen natürlich, aber wenn ich Mogwai und EITS als erste Referenzen sehe, erwarte ich "richtigen" Post-Rock. Nicht schlimm und nicht tragisch, ist mir nur aufgefallen :-)

MasterOfDisaster69

Postings: 675

Registriert seit 19.05.2014

2021-09-20 16:46:02 Uhr
kann dem zustimmen. Die elektronischen Toene sind nicht immer eine Bereicherung. Was schon blass ist, wird durch Elektronik nicht besser. Hier zumindest.

Ansonsten eher uninteressant, da spielen Nils Frahm und Ólafur Arnalds in einer anderen Liga.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21014

Registriert seit 08.01.2012

2021-09-15 20:26:32 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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