Listen


Banner, 120 x 600, mit Claim

Thrice - Horizons/East

Thrice- Horizons/East

Epitaph / Indigo
VÖ: 17.09.2021

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zurück auf Erden

Die Vorrede muss dieses Mal entfallen: Wenn "Color of the sky", der Opener des inzwischen dritten Post-Reunion-Albums von Thrice den Vorhang bedächtig zur Seite zieht, brennt schließlich direkt die Luft. Nervöse Elektrosprengsel wabern da im Hintergrund herum, Dustin Kensrue gesellt sich in aller Ruhe zum Soundfundament und nach einer guten Minute schiebt sich ein nervöses wie wuchtiges Schlagzeug in den Song, gekommen, um noch mehr Druck auf den Kessel zu geben und das Ganze schließlich in einen Refrain zu gießen, den in dieser Melodieführung schon immer nur Thrice schlüssig erzählen konnten. Alles kommt zusammen, alle Beteiligten laufen zu Hochform auf und so ziemlich zum ersten Mal, seit Thrice vor Jahren die Bühne erstmals verlassen haben, sitzt man vor einem Song der Band und ist sprachlos vor Begeisterung. Weil die Nummer mithalten kann mit den ganz Großen Songs der Band.

Und all die Skepsis, die sich vor dem ersten Kontakt mit "Horizons/East" breit gemacht hat, ob der doch durchwachsenen beiden Vorgänger und der leider auch sehr mauen Vorabtracks, sie ist verflogen. Haben die hochgeschätzten Thrice etwa wieder zu alter Stärke gefunden? Die Hoffnung ist jedenfalls erlaubt, zumindest für knappe fünf Minuten. Dann übernimmt das bekannte, vorab veröffentlichte "Scavengers" das Kommando. Und erscheint im Albumkontext noch blasser, als ohnehin schon als Single. Weil es wirkt wie eine Fingerübung. Midtempo-Bandstandard, der zum Ende hin, wenn der Refrain unnötigerweise breit getreten wird, richtiggehend nervt. Dem man sich, die Erkenntnis verfängt bereits während des ersten Hördurchgangs, über die große Teile dieses Albums nicht erwehren kann. Weil die Band nach dem furiosen Auftakt fast vollständig der Mut verlässt. Gut, "Northern lights" traut sich ein Stück weit aus der Komfortzone heraus, indem es die Gitarren fast vollständig einmottet und stattdessen die Tasten ganz nach vorne schiebt. Wirklich ins eigene Songwriting integriert bekommt die Band diese zarte Neuerung allerdings nicht. Weil sie einfach dahinmäandert wie immer und am Ende all die Bestandteile schrecklich unverbunden nebeneinander stehen. Zwar nicht verhoben, aber eben auch nicht zu Ende gedacht.

Ansonsten? Dominiert auf "Horizons/East" der Versuch, ein möglichst wuchtiges und kraftvolles Album zu erschaffen. Die wirklich gut gelungene Produktion ist mächtig und meterdick, allenthalben trifft man auf schwere, aber auch wenig spannende Bratzakkorde, in so ziemlich jede Ecke fährt der Bass hinein und wäscht leider gleichsam potentiell interessante Details hinfort. Und wenn es dann doch mal so richtig spannend wird, wie im aus der jüngeren Bandnorm gefallenen Closer "Unitive/East", verlässt sich die Band auf den vermeintlich unkonventionellen Ansatz und spart sich das Songwriting einfach mal fast vollständig. Klar klingt das alles sehr viel vernichtender, als es in Wahrheit ist. Klar ist keiner der hier versammelten Songs wirklich schlecht. Im Gegenteil: Mit "Still life" und "Dandelion wine" gelingt der Band einmal mittendrin und noch einmal kurz vor Schluss sogar ein zweites und drittes Highlight: Weil hier über weite Strecken leise Töne das Bild beherrschen und Thrice die Songs ein Stück weit nach dem Vorbild von "Beggars" eher subtil in Richtung großes Finale bugsieren. Und ja, auch ein Stück wie den Kopfnicker "Summer set fire to the rain" kann man ohne größere Schwierigkeiten durchwinken.

Den Mut und die Freude am Experiment, die Kollege Meyer beim Vorgänger "Palms" zu erkennen vermochte, sucht man hier aber dennoch über weite Strecken vergebens. Vielmehr findet man sich schneller als gedacht beim Gedankenexperiment, wo man dieses zu schnell auserzählte Album wohl einsortieren würde, würde nicht Thrice drauf stehen. Vielleicht sogar in positiveren Gefilden, weil Potential und Talent ja überall erkennbar sind. Und man sich nicht fragen muss, wie sehr sich Teppei Teranishi wohl gelangweilt haben muss als er diese für seine Verhältnisse grobschlächtigen Songs eingespielt hat. Aber hey: Wir reden hier über Thrice und die haben die eigene Messlatte schon einige Male nach oben verschoben. Dementsprechend erlaubt "Horizons/East" über weite Strecken nur ein Fazit: Lieber "Vheissu" hören.

(Martin Smeets)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • Color of the sky
  • Still life
  • Dandelion wine

Tracklist

  1. Color of the sky
  2. Scavengers
  3. Buried in the sun
  4. Northern lights
  5. Summer set fire to the rain
  6. Still life
  7. The dreamer
  8. Robot soft exorcism
  9. Dandelion wine
  10. Unitive/East

Gesamtspielzeit: 42:45 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

fakeboy

Postings: 1706

Registriert seit 21.08.2019

2021-10-27 12:19:16 Uhr
Interessant dass du Steven Wilson erwähnst. Genau das meinte ich, als ich von "Altherren-Prog-Touch" sprach.

Hoschi

Postings: 792

Registriert seit 16.01.2017

2021-10-27 10:12:14 Uhr
Nach ein paar Wochen Wirkzeit muss ich leider mit der Meinung von Magoose konform gehen.
Hab leider so überhaupt keine Lust mehr, dieses Album aufzulegen(ging mir mit der letzten Steven Wilson genau so).
Es ist alles nicht schlecht aber im Bandkosmos trotzdem wirklich nur Durchschnitt.
Da leg ich lieber die Alchemy Index oder die Vheissu auf.

Magoose

Postings: 73

Registriert seit 15.06.2013

2021-10-27 00:51:40 Uhr
Alter Freund, was ne halbgare, uninspirierte Scheiße wieder. Der Begriff Altherrenrock passt in jedem Fall.

Warum müssen alle Bands immer irgendwann diesen Weg einschlagen und ihren Biss, ihre Trademarks und ihre Inspiration abgeben. Muss das so sein?

Durchgehend große Hallen Standard Rocknummern in Hälfte 1 und dann vor allem in Hälfte zwei eine Reihe von lahmen, plätschernden Songs. Negative Höhepunkte: Still Life und das wie der Brunnen der Nachbarn plätschernde Unitive/East.

Kensrue sollte seine Songwriter Ambitionen Notdurft lieber wieder auf seinen Soloplatten verrichten als in seiner Hauptband.

Wo die Visions da Verneigungen vor Fugazi und Frodus erkannt haben will, weiß ich auch nicht.

War seit Illusion of Safety Fan bis zur Major/Minor. Nach jetzt drei schwachen Platten werde ich dann wohl Thrice endgültig wohl von meiner "ich muss von denen jede neue Platte hören-Liste" streichen.

Schade drum.

Kiwi Musix

Postings: 7

Registriert seit 16.09.2021

2021-10-13 20:07:42 Uhr
Nach paar Wochen muss ich doch sagen, dass ich enttäuscht bin. Es bleibt nicht viel hängen. Mir fehlen die Härte und die großen Chorusse, die Thrice so ausmachten

Autotomate

Postings: 3865

Registriert seit 25.10.2014

2021-10-11 22:17:28 Uhr
Bei mir hat sich das Album nach ein paar Durchgängen etwas "entklumpt" und ich kann nun doch ein paar persönliche High- und Lowlights ausmachen. Inzwischen würde ich wohl ne 7 geben.

Mal ein paar Eindrücke aus meiner Privatwirklichkeit:

01. The Color of the Sky 8/10
Schöner Opener. Die verspielten Sounds, Drums und Bass, Gesang und Songwriting passen hier wunderbar zusammen. Zu der von Martin gehörten Genialität fehlen mir aber ein bis zwei Funken.

02. Scavengers 6/10
Den nervös drehenden Gitarrensound finde ich eigentlich ganz cool, aber der fußlahme Gesang, insbesondere im Chorus, killt das Stück für mich. Unerfreulich auch die hier vorgeführte Tendenz mancher Songs, ihren getragenen bis trägen Refrain so lange auszuquetschen, bis nur noch ein trockener Klumpen übrig ist, der einem am Ende im Hals stecken bleibt. Knappe 6.

03. Buried in the Sun 9/10
Mein Lieblingssong! Verströmt mit seiner stolpernd gekeiften Strophe und dem hochnäsigen Backingchor eine ganz spezielle Aura, die auch mal ein bisschen über den Song an sich hinausweist. Angenehm, dass eine Steigerung ins rockhymnenhafte hier am Ende mal unterbleibt.

04. Northern Lights 8/10
Hat auch wieder den typisch getragene Refrain in der Hinterhand, aber in seinem besonderen instrumentalen Umfeld ist der hier mM sehr viel besser aufgehoben, als bei einigen anderen Songs. Mag ich ziemlich gerne.

05. Summer Set Fire to the Rain 7/10
Das Anfangsriff ist so simpel wie geil, der leise "How long"-Part sehr berührend (der laute aber too much), das Happy End mit dem freudigen Wiederhören von Call and Response – ja doch, auch ein schöner Song...

06. Still Life 5/10
Erscheint mir bis 3'35'' ziemlich langweilig. Danach überdreht. Leider nichts für mich.

07. The Dreamer 5/10
Die Schunkelrockmelodie des Refrains klingt in meinen Ohren wahnsinnig öde, seine pathetische Darbietung plump ohne Ende. Immerhin, das halbminütige Zwischenspiel bei 2'20'' ist recht schön.

08. Robot Soft Exorcism 7/10
Die erste Hälfte (die Melodie der Strophe und das instrumentale Drumherum) ist umwerfend, zum Ende hin für mich leider wieder etwas zu weit geschraubt. Na gut, muss wohl so...

09. Dandelion Wine 4/10
Nee, damit kann ich nun gar nichts anfangen, dazu fällt mir nicht mal ein blöder Absatz ein. Skip!

10. Unitive/East 7/10
Der Gesang, und besonders das Klaviergeklimper, erinnern mich an etwas, ich komme nicht drauf... Gefällt mir aber.
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify