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Travis - 12 memories

Travis- 12 memories

Independiente / Sony
VÖ: 13.10.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Herbstklopfen

Die Ironie des Schicksals mal wieder. Das letzte, was Fran Healy und seine Jungs von Travis sein wollten, waren Popstars. Partys, Groupies und Glamour? Nicht das Leben der leisen Schotten. Kurzerhand erklärte man sich zur "Invisible band", versteckte sich schon mal hinter einem großen Baum und ließ seine hochgradig liebenswerten Popsongs für sich sprechen. Clever, eigentlich. Wenn nicht ebendiese Popsongs schon immer viel zu gut gewesen wären, um übersehen zu werden. Auf einmal wollte jeder wissen, wer denn nun dieser ominöse Travis ist. Die unsichtbaren Musikanten bekamen ein Gesicht verpaßt, und prompt hatte man das Image der No-Image-Band weg. Das mußte ja Ärger geben.

Letztes Jahr waren Travis fast tot. Im Falle von Schlagzeuger Neil Primrose wäre das nach einem gebrochenen Halswirbel beinahe wörtlich zu nehmen gewesen, an der Band selbst nagten vor allem Tourstreß und Medienrummel. Als man sich Ende 2002 nach langer Pause doch wieder aufraffte und in der Abgeschiedenheit der schottischen Westküste zusammenkam, stand folglich vor allem der Wunsch, etwas anderes zu machen, im Vordergrund. Travis wollten weg vom schöngeistigen Tut-nicht-weh-Pop ihrer letzten beiden Alben. Zumindest ein Stück weit. Und so klingt dann auch "12 memories". Veränderung? Ja, aber ...

Konsequent über den Haufen geworfen wurde für "12 memories" lediglich das Konzept der unsichtbaren Band. Die Herren Healy, Dunlop, Payne und Primrose machen sich dick und fett auf dem Cover ihres vierten Albums breit und klingen in den dazugehörigen Songs ein gutes Stück selbstbewußter als bisher. Da gibt es ein "Happy to hang around" mit der frechsten Gitarre seit den britrockenden Anfangstagen der Band. Das fröhlich klavierklimpernde "Somewhere else" samt schrägliegendem Refrain. Und für "Paperclips" hat man neben knisternden Holzbläsern und der guten alten Hammond-Orgel sogar einen munter mitwinselnden Hund ins Studio eingeladen. Hoffentlich war der ähnlich stubenrein, wie es das neue Album geworden ist.

Die groß angedachten Neuigkeiten im Sound beschränken sich letzten Endes doch auf die ein oder andere Kleinigkeit. In erster Linie sind Travis nämlich die hoffnungslosen Romantiker, verklärten Melancholiker und grundsympathischen Tagträumer geblieben, deren Songs immer so schön nach gerade-erst-aufgestanden klingen. Natürlich: Auf "12 memories" drängt sich schon mal ein neu entdecktes Instrument wie das Cello aus "The beautiful occupation" an vorderste Front. Dafür wird es bestimmt ein Glückwunschfax von Paul McCartney geben. Und das eifrig mitgrölende Fußballstadion in "Peace the fuck out" ist sowieso die beste Friedenslied-Idee, die Bono nie hatte. Trotzdem bleibt einem das Herz diesmal beim Freudesprüngemachen im Hals stecken.

Vielleicht liegt es daran, daß Travis nicht mehr nur "the band who" sein wollen, aber eben gerade im eigenen Wohnzimmer noch immer die Größten sind. Das lakonisch-verpennte "Quicksand" träumt sich schon zum Auftakt in eine bessere Welt, und die neue Single "Re-offender" ist doch wieder so ein Stückchen wohlschmeckende Zartbitterschokolade geworden, wie man sie eigentlich gar nicht mehr machen wollte. Und so klingt "12 memories" wie auf der Durchreise, ohne zu wissen, wo es eigentlich hingehen soll. Nur nächstes Mal, Jungs, bitte wieder Weltklasse, ja?

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Quicksand
  • Re-offender
  • Paperclips

Tracklist

  1. Quicksand
  2. The beautiful occupation
  3. Re-offender
  4. Peace the fuck out
  5. How many hearts
  6. Paperclips
  7. Somewhere else
  8. Love will come through
  9. Mid-life krysis
  10. Happy to hang around
  11. Walking down the hill

Gesamtspielzeit: 45:00 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Takenot.tk

Postings: 1734

Registriert seit 13.06.2013

2021-06-18 11:23:58 Uhr
Auf jeden Fall ist es anders. Aber die ersten 4 Songs sind durchgehend Hits!
Nach hinten raus kann ich verstehen, dass es bei den meisten mit den beiden Vorgängern nicht mithalten kann, was die Dichte angeht. Aber es ist trotzdem beileibe kein schlechtes, sondern eher ein sehr gutes Album.

Mr Oh so

Postings: 1866

Registriert seit 13.06.2013

2021-06-18 11:07:09 Uhr
Das Album hat imho immer ein bisschen zu wenig Liebe abbekommen. Imho nicht schlechter als die Vorgänger.

Takenot.tk

Postings: 1734

Registriert seit 13.06.2013

2021-06-18 08:56:10 Uhr
Da freu ich mich drauf, die war schon immer auf meiner Vinyl-Wunschliste!

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21197

Registriert seit 08.01.2012

2021-06-17 19:45:01 Uhr - Newsbeitrag

WIEDERVERÖFFENTLICHUNG VON
"12 MEMORIES" (VON 2003) AUF VINYL
AB 13. AUGUST VIA CRAFT RECORDINGS/
UNIVERSAL MUSIC

Das vierte Studioalbum der mit mehreren BRIT Awards
ausgezeichneten Band enthält die Singles
"Re-Offender", "The Beautiful Occupation" & "Love Will Come Through"



Am 13. August setzt die allererste Vinyl-Wiederveröffentlichung des britischen Top-5-Albums "12 Memories" von Travis die Wiederveröffentlichungsserie der schottischen Rockband fort. Das Album enthält eine originalgetreue Replikation der Verpackung sowie Fotografien von Anton Corbijn. Neben dem schwarzen Standard-Vinyl wird eine limitierte weiße Vinyl-Edition exklusiv in Travis' offiziellem Store und in Independent Plattenläden erhältlich sein.

Kein Geringerer als Sir Elton John schwärmte, dass 12 Memories "dich auf eine echte Reise mitnehmen würde... wie Revolver von den Beatles". Und genau wie die Beatles im Jahr 1966 befanden sich Travis an einem kritischen Punkt, als es darum ging, ihr viertes Album und damit den Nachfolger des internationalen Multi-Platin-Durchbruchs "The Invisible Band" aufzunehmen.


Coldplay hatte eine Karriere nach dem Vorbild von Travis' The Man Who-Ära gestartet, während Frontmann Fran Healy heimlich mit Depressionen kämpfte. Mit dem Irak-Krieg im Hintergrund begann die Gruppe, ihren Blick beim Songschreiben nach außen zu richten und schrieb sozialbewusste Singles wie "Re-Offender", das sich mit häuslichem Missbrauch befasste, und "The Beautiful Occupation", das von der US-Invasion im Irak inspiriert war. Wenn "Love Will Come Through" mehr wie die Travis von früher war, wurde es durch eine Dunkelheit gefiltert, die einen Großteil von "12 Memories" definierte, wobei das Album als Ganzes auch elektronische Einflüsse annahm und die Band teilweise kantiger klang als zuvor.



Fran Healy kommentiert: ""12 Memories" war ein Album aus einer dunklen Zeit für uns. Neil erholte sich gerade von seinem Beinahe-Todesunfall im Schwimmbad, Großbritannien und die USA standen kurz davor, in den Irakkrieg zu ziehen, und ich fühlte mich ausgebrannt von der Menge an Arbeit, die die letzten beiden Platten verursacht hatten. Dies war eine Reaktion auf all dies. Es entfremdete viele Schönwetter-Fans, und machte viele Hardcore-Fans glücklich. Es war auch ein großer Teil von Neils Physiotherapie. Was daraus resultierte, war eine insgesamt düsterere Angelegenheit."

"12 Memories" ist die dritte Vinyl-Wiederveröffentlichung von Travis im Jahr 2021, sie folgt der Vinyl-Wiederveröffentlichung von "The Boy With No Name" aus dem Jahr 2007 am 28. Mai und der ersten Vinyl-Wiederveröffentlichung des Debütalbums "Good Feeling", das am 2. April über Craft Recordings veröffentlicht wurde. Um die Wiederveröffentlichungen zu feiern, hat die Band ihre Promo-Videos in HD neu gemastert, die Sie sich hier ansehen können.

TRAVIS
"12 MEMORIES"
LABEL/VERTRIEB:
CRAFT RECORDINGS/UNIVERSAL MUSIC
VÖ: 13.08.2021


Side A
1. Quicksand
2. The Beautiful Occupation
3. Re-Offender
4. Peace The Fuck Out
5. How Many Hearts
6. Paperclips

Side B
1. Somewhere Else
2. Love Will Come Through
3. Mid-Life Krysis
4. Happy To Hang Around
5. Walking Down The Hill
6. Some Sad Song

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dsaf
2006-04-13 18:22:53 Uhr
etwas öde sag ich mal
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