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Mono - Pilgrimage of the soul

Mono- Pilgrimage of the soul

Pelagic / Cargo
VÖ: 17.09.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Die Möglichkeit eines Wolkenbruchs

Was macht Mono so außergewöhnlich? Die Japaner waren selbstredend nie die brachialste, nie die vertrackteste und fürwahr nie die progressivste Kapelle im globalen Post-Rock-Game, haben sich aber kontinuierlich ihren Ruf erarbeitet und verteidigt. "Pilgrimage of the soul" schickt sich dennoch an, leichte Verschiebungen im Gefüge zuzulassen – denn zu instrumentalem, orchestralen Rock, man höre und staune, lässt sich jetzt sogar tanzen! "Imperfect things" tröpfelt zunächst träge wie ein leichter Nieselregen vor sich hin und mutiert dann faszinierenderweise mit bösem Bass und discoartigem Beat zu so etwas wie der Mono-Variante von Dance-Musik. Es sind also weiterhin die Details und die kleinen hübschen Einfälle pro Komposition, die dafür sorgen, dass es auch auf dem – festhalten! – elften Album der Truppe so einiges zu entdecken gibt. Vor allem, wenn man daran gedacht hat, einen Regenschirm mitzubringen.

Dazu müssen Mono, die mit Schlagzeuger Dahm Majuri Cipolla mittlerweile auch einen Nicht-Japaner in ihren Reihen haben, nicht mal sonderlich viele Ideen in nur einem Track unterbringen, solange sie konsequent ihre Stärken nach außen spielen: Der als Single ausgekoppelte Opener "Riptide" macht dies vor und demonstriert die Kunst, aus nur einem einzigen Riff beziehungsweise Thema das Maximum herauszuholen. "To see a world" schlägt in dieselbe Kerbe, wenn es auf Grundlage eines beinahe post-grungigen Arpeggio-Intros einen ganzen Song kreiert, der bloß zweimal in einen stürmischeren Refrain ausbricht und dann wieder verstummt – aber dabei auch alles sagt. Gewohnt Filmsoundtrack-artige Kulissen bietet "Innocence", zerfurcht diese aber zwischendrin mit feedbackgetränkten Noise-Attacken der Marke Albini, während die Streicher trotzdem weiter am Himmel hängen und von oben herabschauen.

Der Zwölfminüter "Hold infinity in the palm of your hand" dann macht seinem Namen alle Ehre: Quietschende Schlieren wie Möbelrücken fusionieren mit einem märchenhaften Glockenspiel; der Track zieht seine Verschrobenheit konsequent durch, bis sich die Schleusen des Himmels in der zweiten Hälfte dann doch noch öffnen dürfen. So abenteuerlich wie jene Tour de Force aber gerät die Seelenreise nicht immer: "Heaven in a wild flower" erinnert an sachte gegen die Fensterscheibe perlende Regentropfen bei einer nächtlichen Taxifahrt und würde entsprechende Szenen in einem romantisch-melancholischen Anime auch durchaus passend untermalen können. Mitreißend oder spannend ist er aufgrund eines fehlenden Spannungsbogens über sieben Minuten Laufzeit allerdings wenig, bisweilen dösen Mono in ihrer Zurückgelehntheit gar ein bisschen ein. Zu repetitiven Piano-Noten lassen sie "And eternity in an hour" schließlich im stillen Kämmerlein ausklingen.

Dreampop-Verweise mit Gesang à la "Breathe" oder, sieht man einmal von "Riptide" ab, wüsteres Schlachtwerk wie "After you comes the flood" vom Vorgänger "Nowhere now here" bietet das neue Album fast nicht. Stattdessen reiht es sich – entgegen dem Pressetext, der vom "dynamischsten" aller Mono-Alben spricht – als Ganzes eher in die gediegenere Abteilung der Diskografie der Japaner ein. Aber bei Mono weiß man eben, was man bekommt – und in ein gutes Restaurant gehen Kenner ja auch gerne immer wieder. "Pilgrimage of the soul" ist kein Erdbeben, eher die wohlig-beunruhigende Vorahnung eines aufziehenden Gewitters, wenn die Luft schon elektrisch geladen ist und die Wolken jeden Moment aufbrechen könnten. Mitunter ist aber genau diese leise, erwartungsvolle Anspannung ja das Schöne daran.

(Ralf Hoff)

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Highlights

  • Riptide
  • Imperfect things
  • Innocence

Tracklist

  1. Riptide
  2. Imperfect things
  3. Heaven in a wild flower
  4. To see a world
  5. Innocence
  6. The auguries
  7. Hold infinity in the palm of your hand
  8. And eternity in an hour

Gesamtspielzeit: 57:26 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Gomes21

Postings: 3616

Registriert seit 20.06.2013

2021-09-22 12:17:05 Uhr
Gelungenes Album mit den gewissen Überraschungsmomenten, nicht mehr nicht weniger. Die Wertung geht in Ordnung, aus Sympathie und an guten Tagen gerne auch etwas mehr

MasterOfDisaster69

Postings: 675

Registriert seit 19.05.2014

2021-09-22 12:11:31 Uhr
finde ich auch.
Rezi sehr gut, Danke. Die leichten Schwachstellen wie bei Heaven in a Wild Flower gut beschrieben, so ging es mir auch.

7/10

Bonzo

Postings: 1922

Registriert seit 13.06.2013

2021-09-20 20:02:47 Uhr
Imperfect Things ist fantastisch.

hidden

Postings: 121

Registriert seit 22.07.2020

2021-09-19 10:07:16 Uhr
Zur Zeit (wie alle ab "The Last Dawn") als name your price bei bandcamp.

sizeofanocean

Postings: 788

Registriert seit 27.01.2020

2021-09-17 15:45:38 Uhr
huch, was ist denn da mit dem Schlagzeug bei "imperfect things" los...?!...also ist jetzt nicht schlecht, aber...äh...
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