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Gisbert zu Knyphausen & Kai Schumacher - Lass irre Hunde heulen

Gisbert zu Knyphausen & Kai Schumacher- Lass irre Hunde heulen

Neue Meister / Edel
VÖ: 10.09.2021

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Romantik und Moderne

Es sind zuweilen die puren Zufälle, die große Projekte möglich machen. Gisbert zu Knyphausen beispielsweise, einem der besten deutschen Musiker unserer Zeit, wurde einst in einer alkoholreichen Silvesternacht ein Lied von Franz Schubert vorgesungen. Das Stück blieb in seinen Ohren und dürfte Jahre später dabei mitgeholfen haben, bei einer Idee des Musikerkollegen Kai Schumacher nicht gleich abzuwinken. Der nämlich hatte sich in das Werk Schuberts hineingehört und eine Neuinterpretation ins Auge gefasst. Schumachers Wunschsänger für die Stücke des Komponisten: Gisbert zu Knyphausen. "Lass irre Hunde heulen" ist das fulminante Ergebnis dieser Zusammenarbeit, das zehn der insgesamt über 600 Lieder des Österreichers im modernen Gewand bereithält.

Schubert, der im Alter von nur 31 Jahren starb, ist ein Vertreter der Romantik. Zu Lebzeiten stand er ein wenig im Schatten einiger namhafter Zeitgenossen, doch spätestens mit der künstlerischen Wiederbelebung wird deutlich: Auch Schubert war ein Könner. Ebenso wie die Herren zu Knyphausen und Schumacher, denen ein eindrucksvoller Spagat gelingt. Einer zwischen der Historie und der Gegenwart, denn die beiden geben sich nicht als bloße Kopisten der Vorlagen, sondern als selbstbewusste Interpreten mit Mut zu vielen eigenen Ideen. Deutlich wird das gleich zum Auftakt mit den beiden Stücken "Gute Nacht" und "Der Wegweiser", die beim Hören einen tiefen Eindruck, gelegentlich gar Gänsehaut hinterlassen und hineinführen in eine besondere Klangwelt. "Suche mir versteckte Stege", singt zu Knyphausen und bringt damit auf den Punkt, was die Besonderheit ausmacht: nicht auf bekannten Pfaden zu wandern, sondern offen zu bleiben für Außergewöhnliches. Und je länger man an der Seite des Duos beseelt durch die zehn Songs gleitet und beschwingte Momente ("Aufenthalt") ebenso erlebt wie ganz und gar ruhige Passagen ("Die Krähe"), desto mehr lässt sich trotz der in der Vergangenheit liegenden Wurzeln dieser Musik behaupten: Das ist zu Knyphausen pur!

Der Sänger taucht ganz tief ein in die Welt des Franz Schubert, wird eins mit den Stücken des Komponisten; er lebt, liebt und leidet mit. Diese unbedingte Hingabe ergibt im Zusammenspiel mit der fantastischen Instrumentierung unter Regie seines Kompagnons und versierten Pianisten Schumacher ein Spektakel außergewöhnlichen Zuschnitts. Das Duo ist auf eine musikalische Entdeckungsreise gegangen und wieder aufgetaucht mit einem Experiment, das durchzuführen sich durch und durch gelohnt hat. Glücklicherweise nicht nur, wie ursprünglich einmal angedacht, als zweimalige Aufführung, sondern inzwischen immer und immer wieder auf die Bühne gebracht und nun auch auf Tonträger gebannt. Romantik und Moderne gehen hier eine zauberhafte Verbindung ein.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • Gute Nacht
  • Der Wegweiser
  • Der Doppelgänger

Tracklist

  1. Gute Nacht
  2. Der Wegweiser
  3. Ständchen
  4. Nähe des Geliebten
  5. Du bist die Ruh'
  6. Der Doppelgänger
  7. Aufenthalt
  8. Die Krähe
  9. Der Leiermann
  10. Litanei auf das Fest Aller Seelen

Gesamtspielzeit: 41:41 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Pete Dorn

Postings: 166

Registriert seit 20.08.2021

2021-09-16 22:06:03 Uhr
"doch spätestens mit der künstlerischen Wiederbelebung (durch Gisbert zu Knyphausen?) wird deutlich: Auch Schubert war ein Könner."

Und steht jetzt auf einer Stufe mit Gisbert zu Knyphausen und Kai Schumacher? Heilige Einfalt!

Grizzly Adams

Postings: 1425

Registriert seit 22.08.2019

2021-09-16 21:53:06 Uhr
Nach der Rezi noch kein Post…?!
Nun denn, Album enttäuscht keineswegs. Das ist das, was ich nach den Vorabsongs erwartet habe. Muss man mit der Musik/Lyrik von Franz Schubert vertraut sein, um das zu bewerten? Nö. Man muss allerdings schon eine Affinität für vergangene Jahrhunderte und die dort verwendete Sprache haben. Natürlich kann man sich diesen Zeitgeist nicht vergegenwärtigen, aber man kann zuhören. Und das ist nicht anstrengend oder gar nervig. Es ist mit GzKs Stimme und den Arrangements sogar erfrischend, respektvoll und modern.
Mir gefällt dieses Projekt. 8/10

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21014

Registriert seit 08.01.2012

2021-09-06 11:17:23 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

VelvetCell

Postings: 3851

Registriert seit 14.06.2013

2021-08-20 00:41:42 Uhr
Heute Abend in Bad Zwischenahn gesehen. Album wird gekauft!

gawain

Postings: 86

Registriert seit 13.06.2013

2021-08-18 22:38:50 Uhr
Gerade die Live-Umsetzung in der Kölner Philharmonie besucht. Ein wunderbarer Konzertabend, die Schubert-Interpretationen sind sehr phantasievoll mit Streichquintett und Posaune inszeniert, trotzdem war es es schön, dass auch Eigenkompositionen eingestreut wurden. Jetzt bin ich sehr aufs Album gespannt.
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