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Eddie Vedder & Glen Hansard & Cat Power - Flag day (Original soundtrack)

Eddie Vedder & Glen Hansard & Cat Power- Flag day (Original soundtrack)

Seattle Surf / Republic / Universal
VÖ: 20.08.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Die Äpfelin ...

Eddie Vedder und Sean Penn – war da nicht mal was? Ganz recht: 14 Jahre ist es nun her, dass Penn mit "Into the wild", dessen radikale und letztlich tragische Aussteigerfantasie maßgeblich von Vedders akustischem Soundtrack gestützt wurde, seinen bislang größten Erfolg als Regisseur feierte. Frei nach dem Motto "Never change a winning team" kollaborieren die beiden nun erneut, den Anlass dazu bot Penns aktueller Film "Flag day". Doch das soll bei weitem nicht das einzige Indiz einer alten, mitunter gar familiär anmutenden Vertrautheit bleiben, die sich wie ein roter Faden durch das Projekt zieht. Neben dem Pearl-Jam-Frontmann spielen und singen auf dem entstandenen Soundtrack im Wesentlichen drei weitere Musiker: seine langjährigen und oftmaligen Weggefährten Glen Hansard und Cat Power, sowie seine 17-jährige Tochter Olivia, die erstmals den Schritt auf die große Bühne geht. Da scheint nur folgerichtig, dass auch schon Penns Film eine Vater-Tochter-Geschichte zur Grundlage hat, gespielt werden die Protagonisten von ihm selbst und – wie könnte es anders sein? – seiner wirklichen Tochter Dylan.

Um das Spiel mit den Metaebenen noch eine Ecke weiterzutreiben, eröffnet Olivia mit dem doppelbödig betitelten "My father's daughter" das Album und stellt am Mikrophon sofort eine einnehmende Präsenz her. Mit zarter und gleichzeitig raumfüllender Stimme dirigiert sie den unspektakulären, aber stilvollen Folk-Pop, unter dem die Streicher einen weichen Teppich weben. Vater Eddie, der gemeinsam mit Hansard acht der 13 Stücke geschrieben hat, antwortet im unheilvollen Titelsong, der zugleich seinen stärksten Moment darstellt. Dunkle Klavierakkorde, Kontrabass und flirrende Akustikgitarren grundieren den erschrocken versprengten Gesang und traumähnliche Bilder: "Riding with a car that isn't ours through a town we've never been" – ein Roadtrip ohne Spuren. Die Sorge vor einer Weite, die eher Einsamkeit als Freiheit anzeigt, pointiert dabei die Stimmung vieler Songs auf "Flag day"; selten wurde sie prägnanter artikuliert als auf R.E.M.s "Drive". Eine kluge Wahl also für Vedders gelungenes Cover, das dem Original aber vielleicht ein wenig zu treu bleibt.

Munter wechseln sich die vier Stimmen im Laufe des Albums ab, das aber stets kohärent und atmosphärisch geschlossen wirkt. Während Hansards "Tender mercies" mit Falsett im Refrain und einer Pathosschicht über der anderen etwas überdreht, entfacht er insbesondere im solo vorgetragenen "As you did before" die affektive Kraft seiner besten Folk-Balladen. Seine Lamentationen umkreisen eine biographische Zäsur, die keine Eloquenz mehr duldet. Und mehr als eine alte Klampfe und diese gebrochen donnernde Stimme braucht es ja ohnehin nicht, um fast alle Gräben zu überbrücken. Charlene Marshall alias Cat Power wiederum setzt die zuletzt bereits angedeutete Rückkehr zur minimalistischen Kargheit ihrer Frühphase mit ihren vier Beiträgen auf "Flag day" fort (darunter "I think of angels", ein Cover des isländischen Duos KK), und sorgt dabei für manche der eindringlichsten Momente. "I am a map" wiederholt ein simpel-bluesiges Riff, das stoisch aus dem Hintergrund drückt, darüber feuern Feedbackexplosionen bis ihre Stimme zersplittert. Und das repetitive "Dream" präsentiert sich zunächst beschaulich, bevor der ungreifbar verstörende Text heraufdräut: "I had a dream of you before the house burnt down / I had a dream before the gun made a sound."

Trotz ihres melancholischen Grundtons stellt die Musik zu "Flag day" – die übrigens auch völlig eigenständig und unabhängig vom entsprechenden Film funktioniert – eine angenehm gelassene Sicherheit zur Schau, ein tiefes Vertrauen in ihre Mitwirkenden. Zumeist benötigen Vedder, Hansard und Marshall keinen doppelten Boden für ihre Lieder, was den Fokus voll und ganz auf das weise, geschulte Songwriting legt. Und so lassen die drei noch einmal gerne Platz im Rampenlicht für Olivia Vedder, die mit "There's a girl" den am ehesten cineastisch daherkommenden Auftritt hat. Beklommenes Grau und eine leichte Film-Noir-Ästhetik schieben sich im Takt von Nick Caves "Red right hand" voran, Vedders Gesang pendelt souverän zwischen Resignation und Sehnsucht. Und als Vater Eddie dann noch in subtile Harmonien einstimmt, vermag man hinter den Nebelschwaden die Silhouette eines Apfels und eines Stamms zu erahnen.

(Viktor Fritzenkötter)

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Highlights

  • Flag day (Eddie Vedder & Glen Hansard)
  • I am a map (Cat Power)
  • There's a girl (Olivia Vedder, Eddie Vedder & Glen Hansard)
  • Dream (Cat Power)

Tracklist

  1. My father's daughter (Olivia Vedder, Eddie Vedder & Glen Hansard)
  2. Flag day (Eddie Vedder & Glen Hansard)
  3. I think of angels (Cat Power)
  4. Tender mercies (Glen Hansard & Eddie Vedder)
  5. Rather be home (Eddie Vedder & Glen Hansard)
  6. I am a map (Cat Power)
  7. As you did before (Glen Hansard)
  8. There's a girl (Olivia Vedder, Eddie Vedder & Glen Hansard)
  9. I'll be waiting (Eddie Vedder & Glen Hansard)
  10. I will follow (Cat Power)
  11. Wave (Glen Hansard & Eddie Vedder)
  12. Drive (Eddie Vedder)
  13. Dream (Cat Power)

Gesamtspielzeit: 47:48 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Grizzly Adams

Postings: 1425

Registriert seit 22.08.2019

2021-09-07 20:16:38 Uhr
Zu „Drive“: ob man das braucht, weiß ich nicht. Immerhin hat Vedder die „Größe“ - wenn man es positiv sehen möchte - dem Song nichts abzuringen, was ihn verschlimmbessert. Dann lieber 1:1 covern. Seine Stimme taugt auch dafür.

Grizzly Adams

Postings: 1425

Registriert seit 22.08.2019

2021-09-07 19:45:35 Uhr
Hör grad rein. Bin auch ziemlich sicher, dass ich den Film nicht zu kennen brauche, um das Album zu würdigen. Eddie Vedder, Glen Hansard und Chan Marshall sind ja durchaus Künstler, die man nicht so einfach beiseite schieben kann, wenn man sich dem Album nähern möchte. Ich mag alle drei ohnehin gerne.
Aufs erste Ohr ergibt sich zwar keine Konsistenz, aber schon ein angenehmer Flow. Vedder und Hansard haben übrigens schon in der Vergangenheit zusammen gewirkt.
Bin auch an einem physischen Release interessiert. Vllt schau ich mir sogar den Film an ;)
Und nebenbei: Auch Olivia Vedder kann singen. Das darf man ruhig auch so anerkennen.

VelvetCell

Postings: 3851

Registriert seit 14.06.2013

2021-09-07 08:07:31 Uhr
Auf der Pearl-Jam-Seite gibt es übrigens einen Pre-Order für die LP. Releasedatum ist aber noch ungewiss.

Zum Album: Sehr schön! An Into the Wild wird es aber nicht heranreichen. Das zählt aber auch zu meinen Lieblingsalben.

Takenot.tk

Postings: 1720

Registriert seit 13.06.2013

2021-09-06 19:49:34 Uhr
@keenan
Klaus hat es ja schon gesagt, hör dir mal das Original von REM an, es ist fast alles hätte Eddie Vedder über einen Karaoke-Track gesungen, so genau wurde das Original nachgespielt.
Ist natürlich gut gesungen, und wer das Original bis dato nicht kannte und Eddies Stimme bevorzugt könnte es sogar vorzuziehen, aber warum man so ein detailgetreues Cover überhaupt aufnehmen muss erschließt sich mit persönlich einfach nicht wirklich.

Klaus

Postings: 3684

Registriert seit 22.08.2019

2021-09-06 18:52:18 Uhr
Der ist im Original von REM.
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