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Maisie Peters - You signed up for this

Maisie Peters- You signed up for this

Gingerbread Man / Warner
VÖ: 27.08.2021

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Das perfekte Tagebuch

Der schwer zu deutende Blick, ein wenig keck, ein wenig gleichgültig, dazu der Platz in der letzten Reihe im Bus, traditionell den Rebellen und Außenseitern vorbehalten: Auf dem Coverfoto ihres Debütalbums begegnet uns Maisie Peters mit inszenierter klarer Kante und unverkennbar englisch. "You signed up for this", prangt auf einem Schild im Hintergrund, wofür genau, präzisiert Peters bereits im gleichnamigen Opener. Ein leicht nostalgischer Hall weht über die Synthies, die geglättete Produktion verrät ihre Absichten, während die Akteurin sich zu freundlicher Melodie vorstellt: "Sorry for making this about myself again / But you, you signed up for this." Statt mit jugendlicher Coolness zu flirten, gesteht sie, mit 20 immer noch ohne Führerschein zu sein und Angst zu haben, nicht nur vor Käfern und Drogen. Eine eigenartig ehrliche Bravheit dringt durch das funkelnde Pop-Gewand, wenn Peters bittet: "Please don't give up on me yet." Ein Kontrast, der Aufmerksamkeit stiftet.

Es fällt leicht, Peters' rasanten Aufstieg und nun anstehenden Durchbruch als Produkt von viel Fleiß und Ehrgeiz zu lesen. Mit neun Jahren reicht sie eine Kurzgeschichte beim Guardian ein, schon bald folgen YouTube-Videos mit ersten eigenen Songs. Dann nimmt sie ein gewisser Ed Sheeran unter Vertrag, auf dessen Label nun auch die 14 Songs ihres Albums erscheinen, allesamt auf knackige drei bis vier Minuten geeicht und als Single vorstellbar. Peters trägt ihre Stories im Tagebuchformat vor, mit mädchenhafter Stimme, deren beinahe kindlicher Charme komplexe Gesangsmelodien und eine beeindruckende Kontrolle verschleiert. Und so reiht sich ein potenzieller Ohrwurm an den anderen: Die erste Single "John Hughes movie" erkennt seufzend, dass das Leben kein Filmklischee sei, um sich dann musikalisch – freilich sehr kompetent – tief im Werkzeugkasten zeitgenössischer Chart-Hits zu bedienen. Doch der Catchiness des Refrains ergibt man sich gerne. "Psycho" mit seiner überraschenden Referenz an den fiktiven Serienmörder Patrick Bateman entwickelt einen ansteckenden, hektischen Groove, bevor der stampfende Beat etwas zu viel des Guten wird, sich aber vielleicht auch einfach auf Co-Songwriter Sheeran schieben lässt. Besser passt da schon der zurückgelehnte Rhythmus mit dahinter hängender Gitarre auf "Boy", der einen angenehmen Gegenpol zu Peters' aufgeregten Beziehungsmikrodramen schafft.

Nach der eingangs angedeuteten Widersprüchlichkeit gerät "You signed up for this" etwas monothematisch, eine Boy-meets-girl-Anekdote jagt die nächste, doch vor allem Peters' mitunter gewitztes Storytelling verhindert die zu starke Beliebigkeit: "Trying to get my composure back / Think I built it up too tall / Knew I should've worn my Adidas." Manche der schärferen Alltagsbeobachtungen erinnern an Alex Turner, der schließlich ähnlich jung auf die Bildfläche trat: Pointierte Miniaturen wie "I'm a comma in your explanations" machen dabei deutlich mehr her als vermeintlicher Tiefgang à la "the casualty of love is the price of being free". Beide Zitate stammen aus der zuckersüßen Ballade "Hollow", die eine allgemein ruhigere und sentimentalere zweite Hälfte einleitet.

Ob die mit grazilem Refrain ausgestattete Liebeserklärung an die eigene Schwester ("Brooklyn") oder Reminiszenzen an Dates im Einkaufszentrum ("Elvis song"): Peters bewegt sich nun vermehrt auf jenem folk-poppigen Terrain, das Taylor Swift zuletzt so sensibel vermessen hat. Vor allem das akustische "Talking to strangers" und die rätselhaften Andeutungen in "Volcano" kommunizieren eine Verletzlichkeit, die ihr Songwritinggespür hinter der oftmals allzu polierten Fassade betont. An dessen Existenz gibt es zwar ähnlich wenig Zweifel wie am kommerziellen Erfolg, den "You signed up for this" erzielen wird. Randvoll mit eingängigen, kurzweiligen Melodien und lupenreiner Produktion ist es schließlich in jeder Faser das gelungene Debüt eines künftigen Popstars. Einen Konflikt vermag es jedoch nicht zu lösen: Peters' Geschichten beanspruchen, freundschaftlich und nachvollziehbar zu sein, doch Perfektion trägt nun mal selten eine persönliche Signatur.

(Viktor Fritzenkötter)

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Highlights

  • You signed up for this
  • John Hughes movie
  • Boy
  • Volcano

Tracklist

  1. You signed up for this
  2. I'm trying (not friends)
  3. John Hughes movie
  4. Outdoor pool
  5. Love him I don't
  6. Psycho
  7. Boy
  8. Hollow
  9. Villain
  10. Brooklyn
  11. Elvis song
  12. Talking to strangers
  13. Volcano
  14. Tough act

Gesamtspielzeit: 45:54 min.

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Armin

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2021-08-27 21:18:48 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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