Seal - Seal IV

Seal- Seal IV

Warner
VÖ: 29.09.2003

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Keine Rosen

Wenn es jemanden gegeben hat, der tanzbaren Soul für die Neunziger modernisiert und nebenbei auch noch für Rockfans verträglich gemacht hat, dann war es wohl Seal. Schon die zusammen mit dem frühen Housebastler Adamski konzipierte Debütsingle "Killer" ging direkt in die Beine und dann geradewegs durch die Decke. Und spätestens mit der düsteren Schizophrenie-Hymne "Crazy" manifestierte der nigerianisch-brasilianische Brite seine zart schmelzende Stimme nachhaltig im Pop-Bewußtsein. Und dann gelang ihm mit "Kiss from a rose" auch noch der Beweis, daß aller Kitsch der Welt im Angesicht wahrer Schönheit einfach zerfließt. Es war der vorausschauende Flirt mit Folk, Jazz und Rock auf der einen und betont stromlinienförmigem Pop auf der anderen Seite, der Sealhenry Samuel in der ersten Hälfte der Neunziger wie den Regenten der Black Music erscheinen ließ. Für den Augenblick jedenfalls.

Doch so besonders die erdige Wärme war, die Seals Stimme seinen stets auf Hochglanz polierten Songs mitgab, so konnte sie letztlich den sanften Sinkflug seines Sterns doch nicht wirklich aufhalten. Die dezente Beliebigkeit, die sich spätestens beim dritten Album "Human being" immer mehr bemerkbar machte, versteckt sich auch auf "Seal IV" nicht allzu gut. Trevor Horn (Yes, ABC, Frankie Goes To Hollywood, Propaganda), der jüngst noch mit t.A.t.U. sein altes Versprechen erfüllte, "Euch noch russische Lesben in die Charts" zu produzieren, hat den Dreh eben raus. Leider ebenfalls draußen: ein Großteil der Leidenschaft.

Dabei macht Seal selber wenig bis nichts falsch. Er erklimmt noch jeden Ton mit weichem Timbre, läßt den Zuhörer an Euphorie und Melancholie teilhaben und ist ansonsten ganz der alte Bekannte. Überraschungen bleiben aus. Die Arrangements gähnen bisweilen arg unmunter vor sich hin. Zwischen den R'n'B-Grooves von der Stange nach Ecken und Kanten zu fahnden, entpuppt sich immer mal wieder als vergebliche Liebesmüh. Doch ein paar propere Momente gibt's natürlich trotzdem. Über das Funkensprühen von "Get it together" und "Waiting for you" würde sich auch Jamiroquai freuen, und bei "Don't make me wait" hat man plötzlich selber den Blues. Und der Titel von "Heavenly ... (Good feeling)" ist nicht mal wirklich übertrieben. Im Schatten entfaltet Seal das Gefühl immer noch am besten. Einen richtigen Heuler hat der Seehund aber dieses Mal nicht dabei.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Get it together
  • Waiting for you
  • Heavenly (Good feeling)

Tracklist

  1. Get it together
  2. Love's divine
  3. Waiting for you
  4. My vision
  5. Don't make me wait
  6. Let me roll
  7. Touch
  8. Where there's gold
  9. Loneliest star
  10. Heavenly ... (Good feeling)
  11. Tinsel town
  12. Get it together (Reprise)
  13. Love's divine (Deepsky club mix)

Gesamtspielzeit: 60:44 min.

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