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Japanama - Japanama

Japanama- Japanama

Flying Club Music
VÖ: 29.07.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Abendröte im Westen

Irgendwie ist man ja mittlerweile schon ein wenig abgestumpft, was den gängigen Musik-Release-Zirkus angeht. Pressemeldung hier, schicke Marketing-Kampagne da, die Hälfte des neuen Albums wird sowieso schon vorab veröffentlicht und in sämtliche gängigen Spotify-Playlists aufgenommen. Pragmatisch ja, romantisch eher nicht. Umso schöner, wenn dann mittendrin einfach eine Mail einer Band reinflattert, die sich gerne mal vorstellen möchte – so geschehen bei der fünfköpfigen Aachener Gruppe Japanama. Noch toller wird es dann, wenn beim Hören auch noch eine gänzlich unerwartete Überraschung ins Haus steht. Inmitten des hektischen und nicht immer dankbaren Wusts der deutschsprachigen Indie-Szene legen Japanama mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum weit unter dem Release-Radar nämlich ein ausgesprochen reifes und eigenwilliges Werk vor, das geduldige und entdeckungslustige Hörer*innen reichhaltig belohnt.

Ein Werk, das eine Welt aus schwülen, schwitzigen und einnehmenden Klangteppichen im schummrigen letzten Sonnenlicht des Tages aufbaut und sich von der Realität für eine knappe Dreiviertelstunde verabschiedet. Und dabei vor allem das kompositorische Geschick der Gruppe immer wieder in den Mittelpunkt rückt. "Moonflower child" erlaubt sich erst einen verruchten, bassbetonten Start, streut im Anschluss ein paar funkige Gitarrenlicks ein und entscheidet sich zur Songmitte, noch vor dem ersten Refrain, direkt nochmal für eine 180-Grad-Wende, wenn es das Tempo merklich anzieht – klingt nach gepflegtem Chaos, funktioniert aber derart smooth und natürlich, dass man ins Staunen kommen kann. "Too many moonflowers in my mind" schaden hier ganz offensichtlich nicht. "Come on" zeigt sich ähnlich zerklüftet und baut ganz nonchalant eine reine Instrumental-Passage als Song im Song ein. Ohne Rücksicht auf durchgehende Struktur, trotzdem aber im Albumkontext absolut kohärent. Gesangspassagen halten sich auf "Japanama" derweil vornehm zurück und lassen den kompositorischen Elementen Luft zum Atmen. "Temptation tears me apart / I can think of no solution", heißt es in laufenden Wiederholungen im von Stakkato-Rhythmen getriebenen "Dead eye" – das Motiv steht, wozu also ausufernd werden.

Welche musikalische Klasse Japanama auf ihrem Debüt auffahren, zeigt sich auch in der Tatsache, dass das Instrumental-Duo aus "Recreation" und "Ticking time" zur Albummitte einen faszinierenden Fixpunkt darstellt. Ersteres malt, eingebettet in Grillenzirpen und behutsame Drumbeats, ein musikalisches Bild von fernen Orten, malerischen Momenten am Fuße monumentaler Gebirgsketten und zelebriert die Magie der eigenen Vorstellungskraft. Letzteres bildet die Antithese, übersetzt seinen Titel wortwörtlich in unruhige Gitarrenharmonien und viele kleine Details, die einander wunderbar zuspielen. Ein Zwischenspiel wie eine Einladung ins Ungewisse: Geheimnistuerisch und doch irgendwie verheißungsvoll. Und nebenbei eben auch ein eindrucksvoller Beweis für eine Vielseitigkeit, die sich zwar auf den allerletzten Metern von "Japanama" ein wenig ausgereizt anfühlt, im ausufernden Closer „Sunrise in the storm“ aber noch einmal konzentriert auf den Punkt gebracht wird. "Oh dear / It's been a haunted, desolating time." Stimmt. Aber schön wars allemal.

(Hendrik Müller)

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Highlights

  • Moonflower child
  • Recreation
  • Ticking time
  • Dead eye

Tracklist

  1. Intro
  2. Moonflower child
  3. Harms
  4. Recreation
  5. Ticking time
  6. Dead eye
  7. Come on
  8. Litchy dreams
  9. Cows on my toes
  10. Arabic jungle
  11. Sunrise in the storm

Gesamtspielzeit: 44:56 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Wabun64

Postings: 1

Registriert seit 29.08.2021

2021-08-29 12:33:02 Uhr
Wir durften Japanama vorgestern auch live erleben. Wirklich schön zum Träumen und zum Tanzen. Bitte mehr davon.

Menikmati

Postings: 395

Registriert seit 25.10.2013

2021-08-28 10:35:09 Uhr
Wunderbares Album. Angenehm unaufdringlich offenbart es seine Grösse erst nach ein paar Durchläufen. Irgendwann beginnt jeder Ton Sinn zu machen, jede Note scheint genau da, wo sie hin sollte. Dabei ist das Album voller Disharmonien und schrägen Tönen. Nie wird gleich klar, was als nächstes passiert, es könnte alles sein. Verschrobenheit, ein simpler Beat und plötzlich öffnet sich alles zur grossen Hymne..8/10 mit Luft nach oben.

maxlivno

Postings: 2325

Registriert seit 25.05.2017

2021-08-27 23:29:44 Uhr
wilde Mischung in den Referenzen, aber alles klasse Bands. Bin sehr gespannt

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21237

Registriert seit 08.01.2012

2021-08-27 21:17:31 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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