Phantom/Ghost - To Damascus

Phantom/Ghost- To Damascus

Ladomat 2000 / Mute / EMI
VÖ: 13.10.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Führe mich sanft

"Man muß immer weiter durchbrechen." Ein zündender Slogan war's, den Dirk von Lowtzow damals den Krauthousern Egoexpress aufs Band soufflierte und die eigene Leidenschaft für Schaltkreiseleien entdeckte. Da wackelte der Hintern, da blitzte die Luft, und über die mitunter inzestuösen Wege Hamburgs stellte Expresskopf Mense Reents seinem Stella-Kumpel Thies Mynther einen neuen Freund vor. So weit, so unerwartet. Schon 2001 legte das vermeintlich ungleiche Paar Mynther/von Lowtzow unter dem unheimlichen Signum Phantom/Ghost eine nonchalante Singer/Songwriter-Elektronik aufs Parkett. Der Zweitling nun greift Fäden auf, die bereits von Lowtzows Hauptband erfolgreich verheddert hat. Ähnlich wie deren weißes Rauschen entbehrt "To Damascus" die griffigen Parolen und die pathetischen Hymnen. Auch wenn ein wenig Kitsch natürlich immer sein darf.

Die nach klebrigem Zellophan schmeckende erste Single "Nothing is written" hätte trotzdem nicht sein müssen. Gut, daß dieser verquaste Rechner-Softrock erst ganz am Schluß kommt. Vorher gibt's nämlich jede Menge feine Klänge. Das Titelstück zum Beispiel, in dem von Lowtzow zum steten Pochen des Fernwehs den Romantiker gibt, während sich Gitarren und Sequencer handgescannte Postkarten schicken. Oder "Born with a nervous breakdown", das am Lagerfeuer loslegt und geradewegs auf die Nervenklinik zustolpert, um ruhiggestellt zu werden. Als wäre die Platte nicht ohnehin schon entspannt genug.

Mynthers recht authentisch simulierte Atmosphären lassen nämlich reichlich Platz für von Lowtzows metaphernreiche Reiseführungen wie "My secret Europe" oder "Laudanum". Die auf "To Damascus" stets nur angedeutete Ferne von Ort, Geist und Personen wirkt angenehm rätselhaft. Ist es nicht gerade das Mysterium der Fremde, das die Abenteuerlust speist? Der Traum, aus dem die Stoffe sind, die anderswo bekannte Legenden und Mythen umranken, wird hier mit überlegter Konsequenz weitergesponnen. Erst zart geflüstert, dann engagiert vorgetragen und schließlich vehement betont. Ein wenig Vorhersehbarkeit hat sich also doch in die enigmatischen Konstruktionen geschlichen. Gut so. Denn jetzt kann man auch mit geschlossenen Augen tanzen.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • To Damascus
  • Born with a nervous breakdown
  • Laudanum

Tracklist

  1. To Damascus
  2. Born with a nervous breakdown
  3. St. Lawrence
  4. My secret Europe
  5. Laudanum
  6. Sticky paws
  7. Intermission
  8. Thank God it's judgement day
  9. Nothing is written

Gesamtspielzeit: 49:55 min.

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