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Jake Bugg - Saturday night, Sunday morning

Jake Bugg- Saturday night, Sunday morning

RCA / Sony
VÖ: 20.08.2021

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Und die Gitarre war noch warm

Nashville, Tennessee, 2037: Jake Edwin Charles Kennedy Jr. (6), Sohn britischer Einwanderer, lernt auf der Veranda die ersten Akkorde von Vater Bugg (43). Unter seinem Cowboyhut und mit dem langen Rauschebart ist sein alter Herr, die lebende Blues-Legende, kaum wiederzuerkennen. Seit "Hearts that strain" aus dem Jahr 2017 ist der Songwriter nie wieder in seine Heimat zurückgekehrt und hat seine – einst an den längst vergessenen Gallagher-Brüdern geschulte – Formel, Folk, Country und Pop-Rock zusammenzubringen, perfektioniert. Viele Gitarrenalben gehen seitdem auf das Konto des früheren Jung-Stars, und die ganz Großen arbeiten mit ihm zusammen. "Nottingham?", knurrt Bugg und spuckt ein Stück braunen Kautabak in den Sand. "Never heard of her." Dann reitet er, die Gitarre auf den Rücken geschnallt, in Freiheit dem amerikanischen Sonnenuntergang entgegen.

Klingt zu schön, um wahr zu sein? Ist es auch. Wir schreiben 2021, Bugg ist erst 27, und um wieder aus der Versenkung aufzutauchen, muss man mit der Zeit gehen, empfiehlt das Major-Label. Den jungen Leuten was bieten. Dieses antiquierte Alte-Männer-Geklampfe ist doch sowas von überholt! Also hat sich Bugg von Steve Mac ein schniekes Club-Gewand auf den schon ein wenig aus der Form geratenen Leib schneidern lassen, dazu sein in der Plattentests.de-Rezension zu "On my one" beschworenes Alter Ego Jake B wieder aus dem Keller geholt und seine Musik TikTok-fähig aufbereitet. Die Zukunft liegt auf dem Dancefloor, der Sellout ist beschlossene Sache, die Katastrophe perfekt! Und dann wird alles halb so wild.

Selbstverständlich sind die als Single-B-Seiten veröffentlichten oder bei Facebook zu Promo-Zwecken geposteten Akustikversionen mancher Songs wesentlich überzeugender. Jedoch wäre es deswegen auch verwerflich, den Kompositionen pauschal ihren recht aufgeblasenen, auf modern getrimmten Sound anzukreiden und Buggs Tapetenwechsel per se zu verteufeln. Die Refrains von "All I need" und "Lost" machen auch mit all ihrem technischen Ballast Spaß, selbst wenn sich der Kirmes-Beat von Letzterem wirklich anstrengt, den Song kaputt zu ballern. Gerade "All I need" mit seinen Gospel-Chören und den Hau-drauf-Trommeln, die beinahe vom Safri Duo stammen könnten, hat ordentlich Wumms. Und auch der Hochgeschwindigkeits-Blues "Kiss like the sun" wirbelt vertrauten Staub auf und lässt die Slide-Gitarre anständig jaulen, während Black Rebel Motorcycle Club verächtliche Blicke in die Menge werfen, die von dem kleinen Bisschen endschuldbarem Plastik auf Buggs fünftem Album angelockt wurde.

"Scene" als Kleinod zwischen den Beatles und Ed Sheeran weiß entsprechend eher traditionsverhafteten Fans zu gefallen, die Pianoballade "Downtown" und der wie eh und je sentimental-kuschelige Rausschmeißer "Hold tight" sowieso. Aber auch die epochaleren Ausbrüche gelingen ohne Synths und Knallerbsen stellenweise ganz famos, vor allem der stürmische Britpop von "Lonely hours". In eine ähnliche Kerbe will "Screaming" hauen, hinterlässt aber höchstens ein paar Kratzer. "Saturday night, Sunday morning" ist weit entfernt von dem tragischen Begräbnis der Gitarrenmusik, das sich am Horizont abzeichnete, hat vielmehr dasselbe Problem, unter dem auch die letzten beiden Bugg-Alben litten: einfach nicht durchgängig und ausreichend starke Songs. Was Bemühtes wie "Rabbit hole" oder opulente Belanglosigkeiten wie "Maybe it's today" mehr Raum einnehmen lässt, als sie verdienen. Immerhin: Die Kohle, um den nächsten Trip nach Übersee zur Experten-Session anzutreten, lässt sich als Party-Bugg bestimmt in Nullkommanichts einspielen.

(Ralf Hoff)

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Highlights

  • All I need
  • Scene
  • Lonely hours

Tracklist

  1. All I need
  2. Kiss like the sun
  3. About last night
  4. Downtown
  5. Rabbit hole
  6. Lost
  7. Scene
  8. Lonely hours
  9. Maybe it's today
  10. Screaming
  11. Hold tight

Gesamtspielzeit: 36:05 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Francois

Postings: 146

Registriert seit 26.11.2019

2021-08-25 19:37:27 Uhr
Gefälliges Album.
Scene ist in der Tat eine wirklich tolle Nummer

Nummer Neun

Postings: 224

Registriert seit 14.06.2013

2021-08-20 23:41:49 Uhr
Die Gallagher-Brüder werden niemals vergessen sein!

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21014

Registriert seit 08.01.2012

2021-08-20 20:59:56 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Peacetrail

Postings: 2630

Registriert seit 21.07.2019

2021-05-08 07:56:31 Uhr
„Die Sonne kommt raus, der Sommer ist auf dem Weg und dies ist die Melodie dazu.”

Da irrt er.

captain kidd

Postings: 2621

Registriert seit 13.06.2013

2021-05-07 19:24:20 Uhr
Vielleicht der einzige Künstler, bei dem sogar Euphorie-Pop scheiße klingt. Auch ne Kunst. Der ist einfach so schlecht. Wahnsinn.
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