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Villagers - Fever dreams

Villagers- Fever dreams

Domino / GoodToGo
VÖ: 20.08.2021

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Mild at heart

David Lynch? Alice Coltrane? Ein paar der Namen, die Conor O'Brien als Einflüsse für das fünfte Album seines Projekts Villagers nennt, sorgen für Irritation. Sicher, die Kompositionen des Iren waren schon immer freiförmiger, als es das an ihn angebrachte Folk-Label vermuten ließ. Doch Surrealismus und Avantgarde-Jazz? Eigentlich ganz weit weg. Nun hat sich O'Brien jedoch als Kritikerliebling ohne den ganz großen Popularitätsdurchbruch tiefer und tiefer in eine Nische gebohrt, aus der heraus er so manches geschmackvolles Experiment wagen kann, ohne um seine Reputation bangen zu müssen. So kann "Fever dreams" seinem Titel gerecht werden, seinen aufwändig arrangierten Americana-Indie-Pop psychedelische Auswucherungen entlangführen, die oft tatsächlich einer Traumstruktur zu folgen scheinen. Es ist eine reizvolle, aber organische Erweiterung des Villagers-Sounds, die trotz ihrer weitläufigen Verästelungen nie die Verwurzelung in der ursprünglichen Intimität eines Mannes und seiner Gitarre verliert. Oder, wie es die druckvolle erste Single "The first day" mit Glockenspiel-Synths, wuchtigen Drums und großer Bläser-Geste auf den Punkt bringt: "There's a whole world in the palm of your hand."

Über weite Teile setzt das Album damit die offene, positive Grundstimmung des Vorgängers "The art of pretending to swim" fort. Der hypnotisch schwelgende "Song in seven" greift dessen maritimes Assoziationsfeld sogar textlich direkt auf, wenn O'Brien mit einfachen, aber effektiven Worten von der bewusstseinsverändernden Erfahrung eines nächtlichen Bads in der Nordsee berichtet: "And it cut me so deep." Auch musikalisch lässt sich das Stück mit Orchester-Wellen und verwaschenen Chören wundervoll treiben, bildet die ambitionierte Gelassenheit ab, die "Fever dreams" im Gesamten prägt. Traumhaft gleiten die Instrumente ineinander und fügen sich zu teils sechs- oder siebenminütigen Einheiten zusammen, doch die fiebrige Akribie, mit der O'Brien das in Band-Sessions entstandene Material Lockdown-bedingt alleine formvollenden musste, ist ebenfalls unüberhörbar. "So simpatico" zelebriert die Art ausschweifenden Souls, die auch Villagers-Bewunderer Paul Weller gefallen dürfte und für die der Begriff "Klangraum" eine besonders greifbare Bedeutung erhält. Der sonst oft zurückhaltend wirkende O'Brien schmettert den Refrain mit Inbrunst und wird in der zweiten Hälfte zum Spoken-Word-Schmuser, während ein einsames Saxofon den Mond anschmachtet. Ungewohnt, aber umwerfend.

Dieses Motto ließe sich im Grunde auf die ganze Platte anwenden. Wie in jedem guten Traum hat man oft nicht die leiseste Ahnung, was als nächstes passiert. Vor allem "Circles in the firing line" ist unvorhersehbarer als ein Album-Release von Kanye West: Auf gemächliche Strophen folgt ein kraftvoller Piano-Stakkato-Refrain, der im Bläser-Wahn kollabiert, einem Gitarrensolo die Bühne überlässt und in 30 Sekunden Geshoute zwischen Boogie und Glam-Rock komplett verglüht. Auch der Titeltrack beginnt als verdrogte Halbballade, um sich in einer Collage aus Vocal-Samples aufzulösen. Weniger gewagtes Songwriting gibt es im von Rachael Lavelle gesanglich unterstützten Klavier-Lament "Full faith in providence" sowie im eleganten Closer "Deep in my heart" – kleine, schöne Ankerpunkte in einer unberechenbaren See. Nicht, dass es solche zwingend gebraucht hätte. Im Herzen strahlt "Fever dreams" die gleiche Wärme und verständnisvolle Milde aus wie jedes Villagers-Album vor ihm, entwickeln O'Briens Melodien und Texte immer noch eine unmittelbare Ausdruckskraft. In diesem Fiebertraum wird selbst David Lynch ruhig schlafen können.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Song in seven
  • So simpatico
  • Circles in the firing line

Tracklist

  1. Something bigger
  2. The first day
  3. Song in seven
  4. So simpatico
  5. Momentarily
  6. Circles in the firing line
  7. Restless endeavour
  8. Full faith in providence
  9. Fever dreams
  10. Deep in my heart

Gesamtspielzeit: 45:26 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21014

Registriert seit 08.01.2012

2021-08-23 19:33:33 Uhr - Newsbeitrag

Villagers
18.01. - 23.01.2022

Mit seinem Projekt „The Immediate“ galt Conor J. O’Brien Anfang der 2000er in seiner Heimat Irland bereits als Nachwuchshoffnung. Mittlerweile zählt er zu den talentiertesten Singer/Songwritern des Indie-Folk. Nach der Auflösung seiner vorherigen Band im Jahr 2007 feierte der Ire mit Villagers im Jahr 2008 sein Debüt in Form der EP „Hollow Kind“. Vor kurzem veröffentlichten Villagers ihr fünftes Studioalbum „Fever Dreams“. Auf ihrem neuen Album finden sich Songs in seltsamen, verschmolzenen Formen und in magischer Ambivalenz zu Träumen wieder. Was Villagers auf „Fever Dreams“ transportieren, verlagern sie im Frühjahr 2022 wieder auf die Bühne. Im Januar nächsten Jahres spielen die Indie-Folker vier Konzerte in Hamburg, München, Berlin und Köln.

Image Label

Präsentiert wird die Tour von Musikexpress und Bedroomdisco.



18.01.2022 Hamburg - Fabrik
19.01.2022 Berlin - Metropol
21.01.2022 München - Technikum
23.01.2022 Köln - Kulturkirche

Gomes21

Postings: 3616

Registriert seit 20.06.2013

2021-08-21 00:09:45 Uhr
Hat mich im ersten Durchgang leider kein Stück gepackt und als so stark neu orientiert empfinde ich es auch nicht. Vielleicht auch einfach nicht mehr mein Stil

Zappyesque

Postings: 575

Registriert seit 22.01.2014

2021-08-20 17:47:37 Uhr
Finde das hier nach einem Durchgang viel schwächer als den Vorgänger. Zu viel „gimmick“, zu wenig Substanz - also tatsächlich gutes und originelles Songwriting.

@slowmo

Evtl. The art of pretending to swim nochmal einen Durchgang geben. „Fader modepop“ trifft da nicht ganz zu, obwohl ich verstehe was du meinst. Tatsächlich ist das aber ein sehr schön in sich geschlossenes Album mit einigen tollen Lichtblicken („real go getter“, „sweet saviour“, „Ada“) und sonst auch ein angenehm hohes Niveau. Braucht aber seine Zeit um zu gefallen.

Hier nach einem Durchgang schon nur genervt gewesen von repetetiven Nummern wie „Full faith in providence“, „restless endeavour“ Oder auch „the first day“. Vielleicht ist das alles beim ersten Durchgang einfach völlig an mich vorbeigegangen, aber der erste Eindruck ist für mich kein guter. Auch für längeren Nummern (so sympatico, circles in the fireline) klingen für mich ziellos und forciert. Insgesamt werden die Bläser hier für meine Begriffe auf zu eindimensionale Art (ausgenommen so sympatico) reingebracht. Da wird potential nicht ausgeschöpft, am Ende wirkt das für mich nur dilettantisch. „Song in Seven“, „Fever dreams“ und „Deep on my heart“ sind meines Erachtens durchdachter und gehören hier zu den besseren Schnitten.
Schade, ich hatte recht hohe Erwartungen. Vielleicht wächst es ja noch :)

slowmo

Postings: 814

Registriert seit 15.06.2013

2021-08-18 11:20:14 Uhr
Klingt tatsächlich ganz nett, nachdem die Vorgänger mir doch über weite Strecken nachdem unerträglichen faden Modepop klangen.
So richtig ergreifen kann mich das aber auch nicht, aber ich glaube da bin ich eh nicht die richtige Zielgruppe für. Moped scheint es zu gefallen. ;)

Gomes21

Postings: 3616

Registriert seit 20.06.2013

2021-08-17 16:13:21 Uhr
Was Machina sagt.
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