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Nas - King's disease II

Nas- King's disease II

Mass Appeal
VÖ: 06.08.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Skyline der Vergangenheit

Zu Beginn des Schlussdrittels seiner 14. Platte, elegant über einen instrumentalen Sektempfang gleitend, rappt Nas über seinen Sonntagsbrunch. Dass Nasir Jones mit fehlgeleiteten Ambitionen und einem unglücklichen Beat-Händchen nie wieder an seinen wütenden Debüt-Meilenstein anknüpfen konnte, weiß die HipHop-Geschichte. Relativ neu ist, dass er es überhaupt nicht mehr versucht. Klar: Auch auf "King's disease" und dem nun, ein knappes Jahr später, erscheinenden zweiten Teil ist sich Nas immer noch selbst der größte Chronist, nimmt die Denkmalpflege des Genre-definierenden Rap-Wunderkinds weiterhin höchstpersönlich in die Hand. Doch eine neue Gelassenheit prägt dieses Albumdoppel, aus der heraus Tracks wie das oben referenzierte "Brunch on Sundays" keineswegs irritierend oder gar peinlich erscheinen. Zumal der 47-Jährige die Widersprüche seines Selbstmythos vielleicht so deutlich wie nie vor Augen hat und gleich im Opener "The pressure" sein Vermächtnis hinterfragt. Er, der selbsternannte "Sohn Gottes", mag aus seiner von Gewalt geprägten Hood zum Superstar und Geschäftsmann aufgestiegen sein. Doch was ist das wert im Angesicht derer, die genau das nicht geschafft haben?

Wie schon beim Vorgänger ist dementsprechend auch auf "King's disease II" die Vergangenheit immer präsent. Hit-Boy, der wieder als Producer auf Gesamtlänge auftritt, spiegelt dies mit Soul-Samples und anderen Oldschool-Affinitäten, vergisst dabei aber auch nicht die frische Kante. Man höre etwa die inspirierten Synth-Windungen und den plötzlichen Beat-Switch der Single "Rare" oder "Count me in", das vom kristallinen Glitzern in einen Kopfnicker-Groove mit speckigem Bass kippt. Nas selbst behält trotz manch ungelenker Line seine sehr gute Form bei und macht es sich in den Instrumentals so bequem wie in seinen Seidenshorts. Trotz gesellschaftskritischer Songs wie "My Bible" operiert er sicher nicht mehr allzu nah am Puls der Zeit, doch das war hier auch gar nicht die Intention. Stattdessen schlendert er im wundervollen "Moments" die memory lane hinunter, sinniert über Spike Lee und Muhammad Ali und trifft mit schillernden Bläsern voll ins Schwarze. Einzig in "YKTV" und dem düsteren Banger "40 side" begibt sich der König hinab in den Jahrmarkt des musikalischen Zeitgeists. Man muss den Trap-Kids ja zeigen, dass man ihren Tollereien nicht mit Herablassung begegnet, sondern auch selbst eine gute Figur darin abgeben kann.

Und doch stellt sich Nas nicht mehr konstant in den Vordergrund, lässt seinen Feature-Gästen stellenweise die ganz lange Leine. Das ist nicht immer die beste Entscheidung: Eminem verwechselt in "EPMD 2" leider immer noch HipHop mit technischem Pimmelfechten und kloppt einen Part raus, der sich mit "unpassend" noch schmeichelhaft umschreiben lässt. Viel besser macht es Ms. Lauryn Hill, die einst ein fast genauso legendäres Debüt wie ihr New Yorker Gastgeber veröffentlichte und sich seitdem bekanntermaßen rar gemacht hat. Ein Umstand, den sie im grandiosen "Nobody" mit einem ungemein leidenschaftlichen Vortrag selbst reflektiert: "I'm savin' souls and y'all complainin' 'bout my lateness / Now it's illegal for someone to walk in greatness." Es sind solche expliziten Verweise aufs Früher, die der Platte ihre größten Highlights bescheren. In "Store run" blickt Nas auf die Skyline der Vergangenheit und landet natürlich auch bei seinem Meisterstück, wenn er "The world is yours!" über die Dächer ruft. Zuvor lädt "Death Row East" zur illustren Geschichtsstunde um den East-Coast-West-Coast-Beef, klärt Nas' eigenes Verhältnis zu Tupac auf und schließt im Gedenken an den 1996 ermordeten Rapper. Die neue Selbstzufriedenheit, die schließlich auch den vielsagend betitelten Closer "Nas is good" prägt, hatte ihren Preis. "King's disease II" ist deshalb eins der besten Nas-Alben, weil beide Seiten dieser Medaille hier gleichermaßen im Rampenlicht funkeln.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Death Row East
  • Store run
  • Moments
  • Nobody (feat. Ms. Lauryn Hill)

Tracklist

  1. The pressure
  2. Death Row East
  3. 40 side
  4. EPMD 2 (feat. Eminem & EPMD)
  5. Rare
  6. YKTV (feat. A Boogie Wit Da Hoodie & YG)
  7. Store run
  8. Moments
  9. Nobody (feat. Ms. Lauryn Hill)
  10. No phony love (feat. Charlie Wilson)
  11. Brunch on Sundays (feat. Blxst)
  12. Count me in
  13. Composure (feat. Hit-Boy)
  14. My Bible
  15. Nas is good

Gesamtspielzeit: 51:32 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Eurodance Commando

Postings: 1731

Registriert seit 26.07.2019

2021-08-19 19:34:03 Uhr
Gutes Album, aber holy shit der Part von Eminem is mal wieder großkotzig beschissen. Er ist einfach nicht mehr cool, möchte aber unbedingt zeigen was er noch draufhat. Der Kool-Savas-Effekt könnte man meinen.

Eurodance Commando

Postings: 1731

Registriert seit 26.07.2019

2021-08-15 17:38:22 Uhr
Schande.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21239

Registriert seit 08.01.2012

2021-08-15 17:34:11 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Also fast frisch. Ich hab doch tatsächlich am Freitag die Threads vergessen.

Meinungen?


Kojiro

Postings: 1064

Registriert seit 26.12.2018

2021-08-12 11:21:52 Uhr
Mag das Album mittlerweile sehr gerne. Sehe ich inzwischen vor Teil I. Sehr solide!

darkchild1985

Postings: 156

Registriert seit 05.12.2020

2021-08-07 16:52:12 Uhr
Solides Ding. Generell mag ich den NAS der letzten Jahre sehr. Erfindet sich nicht mehr neu, das Niveau des Outputs ist für mich aber fast durchgehend gehoben.

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