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The Killers - Pressure machine

The Killers- Pressure machine

Island / Universal
VÖ: 13.08.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Nirgendwo

Die Geschichte des The-Killers-Welthits "Mr. Brightside" aus dem Jahr 2004 beweist unfreiwillig gleich zwei Dinge: die Überlebenskunst guter Musik und die absolute Vergänglichkeit der Zeit. Jene wurde auch durch die Corona-Pandemie deutlich: Stillstand auf Bühnen, in den Clubs, Theatern. Und Schockstarre in den Köpfen, die bisher bloß das Leben im Rausch kannten. Dennoch oder gerade deswegen brachte Corona kreative Impulse. Abseits des Tournee-Trotts entstanden Pandemie-Alben, trauten sich Künstler*innen Wege einzuschlagen, für die vorher wenig Raum war. Brandon Flowers holten die Jahre in Nephi ein, einem 5.000-Seelen-Ort im Nirgendwo von Utah, Vereinigte Staaten, wo der Killers-Frontmann als zehn- bis 17-Jähriger lebte. Erinnerungen überkamen ihn in der Stille, in den Momenten der Ruhe, ließen ihn nicht mehr los.

Erinnerungen und Beobachtungen von Menschen aus einer prägenden Zeit, die er erst Jahre später halbwegs einordnen konnte. Als weltumreisender Rockstar muss das einstige Leben in der verlassenen Kleinstadt natürlich absolut surreal erscheinen, doch Überheblichkeit und Lästerei sind nicht Flowers' Antrieb für "Pressure machine", dem siebten Album seiner Band und – wenn man so will – dem "The suburbs" der Killers. Vielmehr ist dieses sehr persönliche Album eine respektvolle und dennoch kritische Auseinandersetzung mit dem Amerikanischen Traum und dem Antrieb der Menschen auf dem weiten Land, ihrer schier unendliche Motivation, nach jenem Ideal zu leben. Koste es, was es wolle und leider nicht ohne die bekannten Nebenwirkungen: Religiösität, Homo-Feindlichkeit und Rassismus.

Scheuklappen und Geduld scheinen wichtige Überlebens-Eigenschaften zu sein, lernen wir in "Cody", einem tollen Song über einen Jungen, der gerne mit Feuer spielte und wegen eines schlimmen Brandes im Ort einst geächtet wurde. Cody steht stellvertretend für das Weitermachen, aber auch für die Sehnsucht nach einem anderen Leben: "So who's gonna carry us away? / Eagles with glory-painted wings? / We keep on waiting for the miracle to come." Flowers beschreibt den Glauben an Gott und Gerechtigkeit, das Leben mit dem sozialen Druck einer tief konservativen Gesellschaft, die bereits in den Neunzigern in (pseudo-)moralischen Werten ihres Glaubens versunken schien. "And Cody says / He didn't raise the dead / Says 'religion's just a trick to keep hard-working folks in line'." Vermutlich machte es selten solche Freude, Flowers' Texten zu lauschen, auch im Titelsong wird er deutlich: "But the Kingdom of God, it's a pressure machine / Every step, gotta keep it clean."

Bemerkenswert und zugleich logisch erscheint der Umstand, dass zunächst sämtliche Lyrics dieses Albums standen, bevor die Band überhaupt einen Takt Musik komponierte. Daher trägt "Pressure machine" den fluffigen, 80s-infizierten The-Killers-Sound der jüngeren Vergangenheit nur in Nuancen. Mit Fokus auf akustische Gitarre, Streicher-Arrangements und dezente Country- und Blues-Elemente verortet sich das Werk musikalisch manchmal nah bei Springsteen und oft bei klassischen Singer-Songwriter-Platten. Etwas flotter lassen es eigentlich bloß das feine "Sleepwalker, "In the car outside" mit seinem stoischen und doch beinah hymnischen Gitarrenfinale und das schwelgerische, von zarten Synthies sowie vom Akkordeon geküsste "Quiet town" angehen. "When that jukebox in the corner stops playing country songs that sound like mine / I spent my best years laying rubber on a factory line", zwinkert Flowers selbstironisch in "In another life", um sich dennoch der Frage zu widmen, die sich viele irgendwann einmal stellen: "I wonder what I would've been in another life."

Geradezu berührend gelingt der majestätische Opener "West Hills", und nicht von ungefähr kommt Flowers mit dem Stück dem Songwriting eines David Bowie näher, als er das vermutlich je plante. "Nephi in the Nineties could've been Nephi in the Fifties", gibt der mittlerweile 40-Jährige zum Release zu Protokoll und macht deutlich, wie sehr manche Landstriche und deren Einwohner vom Fortschritt und Wohlstand übersehen und längst vergessen wurden. Dennoch weiß er um die Vorzüge: "Part of me is still that stainless kid / Lucky in this quiet town: salt of the land, hard-working people / If you're in trouble, they'll lend you a hand." Die Geschichte des Welthits "Mr. Brightside" ist unmittelbar mit diesem kleinen Ort im Nirgendwo verbunden.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • West Hills
  • Cody
  • In the car outside
  • In another life

Tracklist

  1. West Hills
  2. Quiet town
  3. Terrible thing
  4. Cody
  5. Sleepwalker
  6. Runaway horses (feat. Phoebe Bridgers)
  7. In the car outside
  8. In another life
  9. Desperate things
  10. Pressure machine
  11. The getting by

Gesamtspielzeit: 51:35 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Francois

Postings: 146

Registriert seit 26.11.2019

2021-08-17 13:45:55 Uhr
Was kann man bitte gegen Flowers Gesang haben?
der hat eine der besten Stimmen - und live habe ich sehr wenige bessere gehört...

Eurodance Commando

Postings: 1731

Registriert seit 26.07.2019

2021-08-17 12:49:17 Uhr
*kommts

Eurodance Commando

Postings: 1731

Registriert seit 26.07.2019

2021-08-17 12:49:01 Uhr
Auch mal ganz oberflächlich:

Mich nervt der Bandname immer. Killer ist an dem Sound einfach nix, mich langweilt die Band bisher nur, da kann die Kritik auch noch so gut sein. Alles schon tausendmal gehört, meistens auch besser. Hätte mal lieber ne Punkband den Namen gepachtet oder was weiß ich. Bei Brandon Flowers Gesang kommt mir auch immer so bemüht vor.

Eurodance Commando

Postings: 1731

Registriert seit 26.07.2019

2021-08-17 12:44:48 Uhr
Was hörst du so?

tumbleweed

Postings: 287

Registriert seit 02.09.2019

2021-08-17 12:43:02 Uhr
Killers waren und bleiben furchtbar.

Nachdem sie jahrelang mit unerträglicher und pathetischer synthesizer- & keyboardlastigen Stadionrock nervten, machen Sie mal was Neues.

Bruce Springsteen orientierten Stadionrock.

dieser Ami-Hinterwäldlerrock ist zuweilen schon vom Boss selbst unterträglich. diese armseelige Kopie ist aber nur peinlich. The Killers wollten immer modern sein und schaften es nicht, nun wollen sie altbacken sein und es gelingt Ihnen auch nicht.
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