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Nathan Ball - Under the mackerel sky

Nathan Ball- Under the mackerel sky

Viva La Music / Warner
VÖ: 20.08.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Kopfkino im Sonnenuntergang

Nathan Ball ist kein Mann der Hektik, so viel sei gesagt. Lange schon als Einzelgänger im hiesigen Festival- und Showcase-Zirkus unterwegs, ließ er Zeit und Ruhe walten, um am Ende eines langen Weges sein Debüt "Under the mackerel sky" hinaus in die Welt zu schicken. Ein Album, das den Ethos und das Gemütswesen seines Künstlers in zwölf Stücken repräsentiert: Hier werden nicht auf Teufel komm raus die ganz großen Themenkomplexe unseres Planeten erörtert – stattdessen verneigt sich Ball vor der bittersüßen Melancholie am Ende langer Nächte, vor sehnsüchtigen Blicken gen Horizont und den kleinen und großen Dingen des Alltags. Kaum glamourös oder pompös, dafür ehrlich und nahbar. Genau hier brilliert der Erstling des gebürtigen Londoners: als Werk eines jungen Musikers, der sich in seinem elektronisch angehauchten Folk-Sound pudelwohl fühlt und dessen Liebe zum Detail jede einzelne der insgesamt knapp 48 Minuten begleitet.

Ein Sound, der an vielen Stellen dafür sorgt, dass Momente voller behutsamer Schönheit entstehen. "Blindside" steigert sich nach einem sanften Einstieg immer weiter in einen weitläufigen Klangteppich mit behutsam eingesetzten Beats und Fiepsereien hinein. "Oh my God / We've come undone / Feel the burden drag you down." Ein Song wie ein einsamer Sonnenuntergang am Ende eines langen Sommers. Bezaubernd und irgendwie doch dringlich, gar unruhig. Ähnliches gilt für das herrlich schmachtende "Luna", das auf der Zielgeraden noch einmal alle Emotionen bündelt und zu einem himmelhoch jauchzenden Refrain ansetzt. Man wähnt sich im langsam antauenden Gras auf der heimischen Wiese, während Ball es schafft, eigentlich klischeebehaftete Zeilen wie "I'm feeling lost and I find comfort in your eyes" gänzlich kitschfrei rüberzubringen. Einen Award für besonders originelle Lyrik gibt es hier sicherlich nicht zu gewinnen – macht aber nichts, denn warum immer groß ausholen, wenn es auch einfach geht? "I know it's right / But I just can't take the pain / It's easier to tape over it" heißt es im kühlen, verhuschten "Tape over it". Man kann eben auch ohne Umwege mal direkt zum Punkt kommen.

Die in sich ruhenden Arrangements und vielen kleinen Details in allen Ebenen der Instrumentierung sind zudem ein geschickter Schachzug, um nicht der Gefahr des Plagiats auf den Leim zu gehen. Selbstverständlich schaut hier und da mal eine Anleihe an Genre-Großmeister Ben Howard um die Ecke – tatsächlich würden einige Stücke auf "Under the mackerel sky" selbst einem Meisterwerk wie "I forget where we were" nicht schlecht zu Gesicht stehen. Es ist Ball jedoch hoch anzurechnen, dass kein einziger Track jemals zum stumpfen Nachahmer verkommt – "Friend / lover" spielt mit seiner elektronischen Seite, stellt pluckernde Beats ins Zentrum und lässt den Folk in den Hintergrund treten. Das treibende "Can't work you out" steigert sich im Songverlauf gar zunehmend in eine Wand aus Verzweiflungsrufen und jaulenden Gitarren. Songs wie pointiert gesetzte Kontrapunkte, die hier dafür sorgen, dass sich keinerlei Skips einschleichen und die sich dabei anfühlen wie ein warmes Gefühlsbad in gemütlicher Melancholie. Ein herrliches Kleinod mitten in der englischen Countryside.

(Hendrik Müller)

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Highlights

  • Blindside
  • Drifting
  • Friend/Lover
  • Luna

Tracklist

  1. Whispers
  2. Blindside
  3. Cold rushes
  4. Drifting
  5. Can't work you out
  6. Friend / lover
  7. Tape over it
  8. Falling short
  9. Luna
  10. Hotel room
  11. My answer
  12. Under the mackerel sky

Gesamtspielzeit: 47:56 min.

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User Beitrag

Eurodance Commando

Postings: 1731

Registriert seit 26.07.2019

2021-08-15 17:41:34 Uhr
Na Gott sei Dank.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21197

Registriert seit 08.01.2012

2021-08-15 17:32:41 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Also fast frisch. Ich hab doch tatsächlich am Freitag die Threads vergessen.

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