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Vial - Loudmouth

Vial- Loudmouth

Get Better / Hassle
VÖ: 30.07.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Tritt in die Weichteile

It's evolution, baby: Gegen ihr noch im Gründungsjahr 2019 erschienenes Debüt "Grow up", das die All-female-Indie-Punks Vial in nur siebzehneinhalb Minuten durchprügeln, ist "Loudmouth" ein kleines Epos geworden. Aber auch an ihren Instrumenten sind die Musikerinnen, die sich in einer High-School-Musik-AG gefunden haben, nun durchaus versierter am Werk. Neben Verweisen auf (frühere) Sleater-Kinney und 90s-Slacker-Rock, die den Erstling auszeichneten, bricht sich nun öfter der Hardcore-Punk seine Bahnen, und die allmächtigen Bikini Kill funkeln am Horizont. Gift und Galle wie in "Planet drool" und "Piss punk" beweisen, dass das vergangene Pandemie-Jahr dafür sorgte, das Aggro-Level der Band im Frühling ihrer Karriere durch die Decke gehen zu lassen. Und das vor allem politisch gesehen: Beide Songs rechnen ordentlich angepisst mit Gender-Normen, Objektifizierung und Catcalling ab, sowohl im Privaten als auch im Musikbetrieb. Liebe Menners: "You're not punk, you're not queer / Nobody even wants you here", also lasst eure toxische Maskulinität zu Hause, danke. Die Botschaft ist klar, und Vial sind die Vorreiter einer besseren Zukunft, in der Pronomen frei gewählt werden können und die Menschen einander nicht länger Qualitäten unterstellen oder absprechen mit der fadenscheinigen Begründung, was sich zwischen ihren Beinen befindet.

"Loudmouth" dröhnt dazu durchaus fetter aus den Boxen, als man es der DIY-Verwurzelung des Quartetts aus Minneapolis zutrauen mochte. Aber sicherlich hilft es, trotz einer gewissen Lo-Fi-Kante vor allem laut zu sein, um Gehör zu finden: "Mr. Fuck you" adressiert die, man ahnt es schon, viehischen Fuckboys, mit denen die Band verständlicherweise nichts zu tun haben möchte. Und auch die anderen Songs lassen kaum ein gutes Haar am vermeintlich starken Geschlecht. Die Indie-Popper "Something more" oder "Thumb" dienen in all dem Krawall als eine Art Ruhepol und spielen mit klassischeren Strukturen, die man dem Vierer beinahe als konservativ auslegen könnte, die aber auch den Abwechslungsreichtum des Albums bewerkstelligen. Gerade "Thumb" setzt weniger auf Reduktion als auf Vielschichtigkeit und bauscht sich gar zu einer verwaschenen Hymne auf. Ob das Ganze jetzt "femme punk" ist, doch irgendwo Riot Grrrl oder schlichtweg Punk, ist egal, zumal die Band weniger auf Outfits und Image als vielmehr auf die rohe, pure Musik setzt.

Die Post-Millennials beherrschen noch dazu die Spielregeln des Zeitgeists, was sich vor allem in ihrer Social-Media-Affinität äußert: Nicht nur haben Vial ihre Drummerin allen Ernstes über Tinder rekrutiert, sondern wissen auch TikTok zu Promo-Zwecken so zu nutzen, dass sie dort sogar einen kleinen Hype generieren konnten, den Punkrock heutzutage nicht mehr einfach so hinbekommt. Allein diese Souveränität, sich als weiterhin recht frische Band geschickt durchs Business zu manövrieren, zeigt: Vial können – und vor allem: dürfen! – machen, was sie wollen. Das schräge Bläser-Solo in "Vodka lemonade", den Karneval-Rhythmus in "Ego death" und den ein oder anderen Abzählreim-Singalong darf man sich da durchaus mal gönnen. Zweifler und Mansplainer werden verdienterweise angepöbelt, weggejagt und in "Roadkill" sogar überfahren: "Loudmouth" ist ein einziges Statement mit verschränkten Armen und genug queerem Grrrl-Spirit, um das Patriarchat im Alleingang zu zertrümmern. "You are such a goddamn prick / Eat my ass and suck my dick!" Noch Fragen?

(Ralf Hoff)

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Highlights

  • Planet drool
  • Thumb
  • Piss punk

Tracklist

  1. Ego death
  2. Violet
  3. Planet drool
  4. Mr. Fuck you
  5. Something more
  6. Thumb
  7. Piss punk
  8. Therapy pt. II
  9. Roadkill
  10. Vodka lemonade
  11. Addict
  12. 21

Gesamtspielzeit: 31:16 min.

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User Beitrag

Sloppy-Ray Hasselhoff

Postings: 256

Registriert seit 02.12.2019

2021-08-06 23:16:17 Uhr
Alleine durch bashen lässt sich ein Standpunkt nicht festigen. Das Pendel schlägt in die falsche Richtung. Eigentor. Attitüde ... Äquivalent der musikalischen Fähigkeiten? Niente. Musikalische Rohkost. Punk in Drublic. Stil und Anspruch (nur zur Info). Endzeitbingo. Schwach. Schade ...

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21517

Registriert seit 08.01.2012

2021-08-06 21:10:17 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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