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Sepultura - SepulQuarta

Sepultura- SepulQuarta

Nuclear Blast / Rough Trade
VÖ: 13.08.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Gute Gas(t)geber

Machen wir uns nichts vor: Vom reinen Verkauf von Musik, auf welchem Medium auch immer, können Bands schon lange nicht mehr leben. Böse Zungen behaupten gar, tourende Musiker seien im Grunde nur noch reisende T-Shirt-Verkäufer, die zwecks Ankurbelung des Konsums abends noch ein wenig spielen. Doch was tun, wenn die Corona-Pandemie genau dies zum Erliegen kommen lässt und noch nicht absehbar ist, wann wir alle uns wieder in volle Konzerthallen stürzen? Sepultura haben im Jahr 2020 einen ganz besonderen Weg für sich gefunden. Über 29 Folgen lud die brasilianisch-amerikanische Band zahlreiche Gäste zu einer Podcast-Serie namens "SepulQuarta" ein und gab dabei hautnahe Einblicke in den Band-Alltag, führte aber auch Gespräche über Gott und die Welt. Als Highlight jedoch spielten die Thrasher gemeinsam mit ihren Gästen zahlreiche Songs aus ihrer mittlerweile über 35 Jahre langen Karriere, die nun produktionstechnisch ein wenig aufgehübscht eine ganz eigene Compilation bilden.

Wäre diese ein Live-Set, läge der Bereich vor der Bühne vermutlich nach kurzer Zeit in Trümmern. Der unlängst bei Megadeth geschasste Bassist David Ellefson verleiht "Territory" noch mehr Punch, Scott Ian veredelt "Cut-throat" mit ein paar fetten Riffs aus seinem Anthrax-Fundus, und Danko Jones beweist bei "Sepulnation", dass er nicht nur schnodderigen Garage-Rock beherrscht, sondern auch mit giftigen Vocals neben den barbarischen Shouts des etatmäßigen Frontmanns Derrick Green bestehen kann. Ein Vorhaben, das Phil Rind, Frontmann von Sacred Reich, beim Klassiker "Inner self" interessanterweise gar nicht erst probiert, sondern sich eher auf sein solides Bass-Spiel verlässt.

Richtig spannend wird es im Mittelteil. Fernanda Lira, Angelica Burns und Mayara Puertas zeigen mit dem garstigen "Hatred aside", warum sie schon lange der zutiefst männlich geprägten Metal-Szene Brasiliens zeigen können, dass Frauen selbstverständlich dazugehören, während Devin Townsend "Mask" direkt kapert und den Song vom Album "Kairos" zu einem seiner typischen Breitwand-Epen umbaut. Selbst das auf dem letzten Studioalbum "Quadra" eher zerfahren wirkende "Fear, pain, chaos, suffering" entfaltet durch den Gesang von Emmily Barreto von der brasilianischen Stoner-Band Far From Alaska eine geradezu hypnotische Wirkung. Tja, und "Ratamahatta" vom in Fankreisen geradezu kultisch verehrten Album "Roots" gerät durch die beiden Gast-Schlagzeuger João Barone und Charles Gavin zu einem formvollendeten Percussion-Gewitter.

Selbst wenn man den Podcast nicht verfolgt hat, ist die Spielfreude von Band wie Gästen mit Händen zu greifen. Sei es nun humorlos, aber bretthart heruntergeholzter Thrash wie "Slave new world" mit Matthew K. Heafy von Trivium oder ein alles niederwalzendes Groove-Inferno wie "Apes of God" – wenn die Gäste ihren Spaß haben, lassen sich auch Sepultura nicht lumpen. Einen Song der Güteklasse "Slaves of pain" vom Durchbruch-Album "Beneath the remains" von 1989 findet sich eben auch nicht bei jeder Tour auf der Setliste. Ebensowenig wie die Coverversion des Motörhead-Klassikers "Orgasmatron", die 1991 erstmals als Bonustrack von "Arise" erschien und hier von Phil Campbell den gewohnt lässigen Groove verliehen bekommt. Ob nun Autokino-Konzert oder pompöses Streaming-Event – viele Bands ließen nichts unversucht, um noch irgendwie den Kontakt zu ihren Fans zu behalten. Mit dem interaktiven "SepulQuarta"-Podcast konnten sie mittendrin statt nur dabei sein und werden dafür mit einer gelungenen Compilation belohnt.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Territory (feat. David Ellefson)
  • Mask (feat. Devin Townsend)
  • Fear, pain, chaos, suffering (feat. Emmily Barreto)
  • Orgasmatron (feat. Phil Campbell)

Tracklist

  1. Territory (feat. David Ellefson)
  2. Cut-throat (feat. Scott Ian)
  3. Sepulnation (feat. Danko Jones)
  4. Inner self (feat. Phil Rind)
  5. Hatred aside (feat. Fernanda Lira, Angelica Burns & Mayara Puertas)
  6. Mask (feat. Devin Townsend)
  7. Fear, pain, chaos, suffering (feat. Emmily Barreto)
  8. Vandals nest (feat. Alex Skolnick)
  9. Slave new world (feat. Matthew K. Heafy)
  10. Ratamahatta (feat. João Barone & Charles Gavin)
  11. Apes of God (feat. Rob Cavestany)
  12. Phantom self (feat. Mark Holcomb)
  13. Slaves of pain (feat. Frédéric Leclercq & Marcello Pompeu)
  14. Kaiowas (feat. Rafael Bittencourt)
  15. Orgasmatron (feat. Phil Campbell)

Gesamtspielzeit: 51:20 min.

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Armin

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2021-08-06 21:10:06 Uhr - Newsbeitrag
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