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Megaloh - 21

Megaloh- 21

Vertigo / Universal
VÖ: 13.08.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Der Regenmacher lässt die Sonne rein

2016 ist endgültig das Jahr für Megaloh. Sein Album "Regenmacher" wird von den einschlägigen HipHop-Medien gefeiert, für die Juice ist es sogar das "Deutschrap-Album des Jahres". Selbst der szenefernere Musikexpress packt "Regenmacher" direkt in die Liste der "40 besten Platten des Deutschrap", lobt die ausgefeilte Technik und die Komplexität des Berliners. Seitdem steht der Rapper für inhaltliche Tiefe, moralische und gesellschaftskritische Lines. Dazu passt auch sein Part auf Max Herres 2019er Single "Dunkles Kapitel". Letztes Jahr droppt er dann die EP "Hotbox" und zeigt ein anderes Gesicht. Natürlich hat er immer noch die massive Präsenz, die unverwechselbare Stimme. Aber musikalisch und textlich wird es deutlich leichter, das setzt sich auf "21" fort.

Der Vibe steht über allem. Statt den Jazz-, Funk- und Reggae-Elementen des Vorgängeralbums geben jetzt Afrotrap und Drillbeats den Ton an. Textlich macht der Tiefgang zu großen Teilen der Atmosphäre Platz, Megaloh hat offensichtlich keine Lust mehr auf das Image des kopflastigen Zeigefinger-Rappers. Auf "Renn" nimmt er nicht die Gesellschaft oder Missstände ins Visier, sondern die leidige HipHop-Konkurrenz: "Die Szene hier das kann man knicken, Dicker / Ihr halben Hemden, komm ich bügel das." Der Abschied von lyrischer Deepness und erwachsenem Sound mag auf dem Papier nach einem Rückschritt klingen, zeigt aber vielmehr, dass Megaloh nicht auf diesen einen Charakter festgelegt ist. Wer sich mit vierzig Lenzen einen solchen Richtungswechsel zutraut und auf diesem Niveau abliefert, der hat einfach Bock auf Rap und überlässt die Berliner Flow-Hoheit nicht den Youngstern von BHZ oder RapK. In "Glaub ma" kommt Autotune zum Einsatz, "Caesar" erinnert so krass an "Ahnma", man könnte ein perfektes Mash-Up mit dem 2016er Hit der Beginner bauen. Allerdings möchte Megaloh vermutlich nicht mit dem durch frauenverachtende Texte auffallenden Gzuz auf einem Track sein, könnte man zumindest aus seinem klaren Statement in der aktuellen #deutschrapmetoo-Debatte schließen.

Im Titeltrack "21" gibt Megaloh den deutschen Pop Smoke, der Text wie beiläufig gefreestylt, es muss nicht mehr jeder Reim perfekt sitzen. Namhafte Feature-Gäste sind selbstverständlich auch auf der Platte vertreten. Mit Celo & Abdi huldigt Megaloh auf "Gordon Shumway" über einen 90er G-Funk-Beat der außerirdischen Lebensform, Musa ist bei "Falsch" dabei. Hier geht's zwar um Hass und Ausgrenzung, aber in locker-leichtem Gewand. Für "Live & direct" schart Megaloh mal eben Marteria, Amewu und Kool Savas um sich. Der Beat klingt nach Freestyle-Cypher, vor allem mit den letzteren beiden spittet Megaloh um die Wette.

Auf "Wasser" nimmt er das Tempo raus, lässt es ein bisschen poetischer angehen. "Morgens" startet mit Klavier und Gesang, ein Lied für die Familie, seinen Sohn und als Dank an die Mutter. Das hat natürlich immer Potenzial, cheesy zu werden, der softe Drum-&-Bass-Beat im letzten Drittel nimmt dem Track aber den Kitsch. Die Familie und das Aufwachsen in einfachen Verhältnissen thematisiert der Berliner immer wieder, so steht der Albumtitel weniger für das Erscheinungsjahr, als für die alte Postleitzahl seines Bezirks. "Ich komm aus Moabit, ich hab mich nach vorne gehievt" aus "Glaub ma" ist der Leitsatz für das ganze Werk. "21" ist deutlich mehr HipHop, als es "Regenmacher" war und damit eventuell auch weniger gefällig für die Allgemeinheit. In den Jahrescharts der HipHop-Medien sollte sich Megaloh trotzdem eine Spitzenposition sichern.

(Andreas Rodach)

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Highlights

  • Glaub ma
  • Mach so
  • 21
  • Live & direct (feat. Kool Savas, Marteria, Amewu)

Tracklist

  1. Renn
  2. Glaub ma
  3. Mach so
  4. Caesar
  5. 21
  6. Gordon Shumway (feat. Celo & Abdi)
  7. Monte Christo (feat. Yonii & Sugar MMFK)
  8. Wasser
  9. Falsch (feat. Musa)
  10. Live & direct (feat. Kool Savas, Marteria, Amewu)
  11. Morgens
  12. Muss los

Gesamtspielzeit: 39:50 min.

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User Beitrag

Kojiro

Postings: 1049

Registriert seit 26.12.2018

2021-08-07 12:02:52 Uhr
Wirkt ganz sympathisch, aber unglaublich langweiliger und unspektakulärer Rapper. Hab bisher noch wirklich keinen guten Song von ihm gehört.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 21187

Registriert seit 08.01.2012

2021-08-06 21:09:46 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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