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Willy Mason - Already dead

Willy Mason- Already dead

Essential / Sony
VÖ: 06.08.2021

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

In einer Zelle mit ...

Hat jemand gemerkt, dass er neun Jahre weg war? Willy Mason gehörte in den nuller Jahren zu jener Riege der talentierten Singer-Songwriter, denen man den großen Durchbruch zutraute. Gerade das Debüt "Where the humans eat" erregte einiges an Aufsehen, fand zahlreiche Bewunderer, ohne jedoch genuin etwas Neues zum Kanon des Genres hinzuzufügen. Abgestuft weniger Interesse riefen die beiden folgenden Alben hervor und "Carry on" aus dem Jahre 2012 läutete dann fast eine Dekade Funkstille ein. Echte Fans des New Yorkers mögen nun vielleicht Einwände erheben, aber es scheint Mason gutgetan zu haben, eine kleine Ewigkeit nichts von sich hören zu lassen. Seine Rückmeldung "Already dead" präsentiert ein Songwriting, dass merklich gereift ist. Nicht nur die Stimme hat an Charakter zugelegt, auch die musikalische Ausgestaltung zeugt von einer ruhigen Hand, die aber im richtigen Moment zupackt.

Durch das ganze Album zieht sich eine "Been there, done that"-Attitüde. Maßgeblich für Mason war es, Kategorien und Bewertungen des Alltags hinter sich zu lassen, die Mythologie des eigenen Ichs aufzulösen. Nur so erreiche man die wahre Freiheit, werde unverwundbar: "You can't kill me / I'm already dead". Die Musik dazu ist rustikal staubig, lakonisch entfalten sich diese rostigen Songs, die auch in einer versifften Kneipe aus der Taufe gehoben sein könnten. Der Opener "Youth on a spit" rumpelrockt wacker bis wackelig voran, die Gitarren knarzen angeschlagen und man ergötzt sich an einer ungesunden, aber lebendigen Dynamik. "You'd like to be free" bedient sich dann eines süffigen Grooves und packt eine Hook aus, die auch als Jingle im Werbefernsehen der Hölle funktionieren würde. Eine wehleidige Melodie vor selbiger macht aber eine eindeutige Verortung des Stückes etwas schwerer. Man hat eigentlich durchgängig das Gefühl, dass Mason in den vergangenen Jahren viel ertragen musste und sich daher ein dickes Fell zugelegt hat.

Ein anderes Urteil lässt auch "Gilded lie" nicht zu, obwohl der verletzliche Gesang die Deckung merklich runternimmt. Und dennoch weht eine unangreifbare Nonchalance durch den Song, die nur durch einen voluminösen Beat dezent von allzuviel Nüchternheit wegführt. Der Latin-Touch des Gitarrenspiels von "Reservation" setzt dieses Album dann in Nachbarschaft zu Howe Gelb – die beiden wären sicherlich passende Zellennachbarn im Gefängnis irgeneiner verlassenen Western-Einöde. Dort fallen einem dann wahrscheinlich solch desillusionierte Schunkler wie "Oh my country" ein. "One of the good ones" zieht dagegen den Glam-Rock durch den Aschenbecher, Bläser auf der letzten Rille, den Gesang dezent daneben genuschelt. Und doch schleicht sich immer mal wieder mitfühlendes Sentiment ein, so in "Outwit the devil", das neben noisigen Gitarren eben auch sanfte Streicher und melodische Milde im Wortschatz hat. "If there's a heart" besitzt ebenfalls eine derangierte Weichheit, die einsame Akustikgitarre würde sich hörbar über musikalische Mitstreiter freuen. Aber das Leben ist halt kein Wunschkonzert. Das heißt jedoch nicht, dass man wie in "Worth it" zwischen abgeklärten Blues und Soul auf jegliche Sehnsucht verzichten müsste. Die hat sich in neun Jahren nämlich auch angestaut.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Youth on a spit
  • Gilded lie
  • One of the good ones

Tracklist

  1. Youth on a spit
  2. You'd like to be free
  3. Gilded lie
  4. Reservation
  5. Oh my country
  6. Slowslide
  7. One of the good ones
  8. Outwit the devil
  9. If there's a heart
  10. Worth it

Gesamtspielzeit: 32:12 min.

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Armin

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2021-08-06 21:09:36 Uhr - Newsbeitrag
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