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Joey Cape - A good year to forget

Joey Cape- A good year to forget

Fat Wreck / Edel
VÖ: 13.08.2021

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Joey's law

Joey Cape wird mit Fußball vermutlich eher weniger am Hut haben, zumal die USA und speziell das sonnige Kalifornien wahrlich nicht als Hotspot des runden Leders bekannt sind. Daher wird der Punk-Veteran aus Santa Barbara schätzungsweise auch keinen blassen Schimmer haben, wer Andreas Brehme ist. Dabei schaffte es der Siegtorschütze des legendären WM-Finales zwischen Deutschland und Argentinien in der heißen römischen Sommernacht des 8. Juli 1990 rund sechs Jahre später erneut für lange Zeit in Erinnerung zu bleiben, als er im Rahmen eines Interviews im Abstiegsjahr des 1. FC Kaiserslautern einen Satz prägte, mit dem man Joey Capes persönliches Jahr 2020 perfekt mit acht Wörtern beschreiben könnte: "Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß." Wie wahr.

"How can I describe the year?" lauten die ersten Zeilen des eröffnenden Titeltracks. Wo fängt Cape an, wo hört er auf? Wenn der Vater verstirbt, die eigene Ehe nach rund zwei Jahrzehnten in die Brüche geht, das Geld im pandemiebedingten Lockdown knapp wird, man mit Anfang 50 wieder zu Hause einzieht und schwer an COVID-19 erkrankt, ist die – pardon – Kacke wahrlich am Dampfen. Da bleiben einem erfahrenen Songwriter nur zwei Optionen: Komplett durchdrehen oder eben ein Album schreiben. Cape entschied sich für Letzteres und legt nun in nahezu kompletter Eigenregie mit "A good year to forget" einen Longplayer vor, auf den die Welt zwar nicht gewartet hat, der aber vielen aus der Seele sprechen dürfte. "Headed out tomorrow and by that I mean next year / The dog might take me for a walk, but I'll likely be right here / Drunk, asleep, in a virtual meeting, I'm bored beyond my tears / I tried to quit, I built some shit / But the birdhouse wasn't nearly enough / It's Saturday night dear / Something ain't right here! It's Saturday night!", beschreibt Cape seine Gefühlslage – und wir fühlen mit. Musikalisch lässt es der Punkrock-Veteran wie immer etwas ruhiger angehen, wenn er auf Solo-Pfaden unterwegs ist: Klassische Singer/Songwriter-Mucke mit viel Folk und etwas Country.

Mitunter wird es sogar etwas kuschelig und schunkelig, wenn der Kalifornier zum Beispiel den vor Melancholie und Wehmut strotzenden Fünfminüter "Check your ego at the door" anstimmt. Er schafft es, den Songs mit seiner unnachahmlichen Stimme und dem markanten Gesang das gewisse Etwas zwischen Rauheit und Zerbrechlichkeit zu verleihen. Das kann dann auch mal dazu führen, dass er wie bei "Under the doormat" kräftiger in die Saiten greift und das Tempo anzieht, während "Heavy lies the head" anderthalb Minuten lang einfach nur langsam vor sich hin mäandert. "I finally learned, life is precious", ist eine der Schlussfolgerungen Capes in einer Zeit voll von persönlichen Tiefpunkten und allgemeinen Problemen wie Pandemie, Klimawandel und Rassismus. Das ist keine neue Erkenntnis. Es schadet aber auch nicht, immer wieder darauf hinzuweisen. Irgendwann muss es ja auch wieder bergauf gehen. Die Pfälzer Fußballer stiegen einst ein Jahr später mit Brehme auch wieder auf und wurden sogar Meister. Wir werden sehen.

(Jochen Gedwien)

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Highlights

  • A good year to forget
  • Check your ego at the door
  • Saturday night fever

Tracklist

  1. A good year to forget
  2. Nickel and lead
  3. The poetry in our mistakes
  4. It could be real
  5. Check your ego at the door
  6. We might be wrong
  7. Saturday night fever
  8. Under the doormat
  9. Infertile ground
  10. Heavy lies the head
  11. Fictional
  12. Come home

Gesamtspielzeit: 38:57 min.

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Armin

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2021-08-06 21:07:41 Uhr - Newsbeitrag
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