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Adjy - The idyll opus (I-VI)

Adjy- The idyll opus (I-VI)

Triple Crown
VÖ: 30.06.2021

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Das meiste Album der Welt

Wo fängt man bei sowas an? Am besten, wir stellen erst mal die Band vor. Adjy kommen aus den Appalachen, der Fünfer wird von Hauptsongwriter Christopher Noyes angeführt. Bisher zwei EPs stehen zu Buche, beheimatet in den Regionen zwischen Emo, Folk und Math-Rock. Für das Debütalbum haben sie sich mal so richtig Zeit gelassen, fünf Jahre sind seit dem letzten Release vergangen. Und schaut man sich nur die Laufzeit des selbstbewusst als "The idyll opus (I-VI)" betitelten Werkes an, merkt man schnell, dass die Band mit einigem schwanger gegangen ist. Die Platte bewegt sich mit reichlich eineinhalb Stunden in Regionen, die sonst Fußballspiele mit üppiger Nachspielzeit abdecken. Im Kern handelt es sich um eine wechselhafte Liebesgeschichte zwischen den Akteuren June und July, würde man jedoch hier bei einzelnen Aspekten selbiger ansetzen, wäre die Rezension nicht bis zum nächsten Update fertig.

Gesagt sei nur, dass sowohl musikalisch als auch textlich eine unheimliche Liebe aufgebracht wurde. Natürlich, fünfminütige Instrumentalstücke und zum Abschluss ein gewaltiges Epos mit der dreifachen Länge, man könnte schon von Überambition bis Größenwahn sprechen, Pathos steht auch nicht auf dem Index, doch wie sorgfältig und mit rührender Ernsthaftigkeit hier alles ausgeführt wurde, hinterlässt so manchen Kloß im Hals und sorgt für euphorische Jubelstürme. Dabei hilft eine unheimliche Varianz im Songwriting. Es gibt natürlich die stürmische Emo-Leidenschaft, so in "A boy called June, Pt. 1", und die reißt auch gebührend mit, doch abseits dieser Kernkompetenz setzt es etliche abwechslungsreiche Details, im selben Stück zum Beispiel ein maximal variables Drumming. Dass so ein Album natürlich auch einen veritablen Opener braucht, haben Adjy locker begriffen, "In medias res (Between longing and mystery)" steckt wunderbar den Rahmen zwischen Euphorie und Melancholie ab und berührt massiv durch die harmonische Melodieführung inklusive lebhaftem Chorgesang.

Dem Kennnenlernprozess von June und July wird dann der Kern und der Löwenanteil des Albums gewidmet, erste Aufregung, das magische Zusammenfinden und ein Ahornsamen als Geschenk, zwischen großen Gefühlen und anekdotenhaften Details findet Noyles immer den richtigen Ton. Wunderbar ist dabei, wie die amerikanische Band über die Folk-Elemente eine flirrende Leichtigkeit einstreut. Ob Banjo oder Akustikgitarre, diese Instrumente lassen einen frühlingshaften Wind durch die Stücke wehen, die ansonsten vielleicht Gefahr laufen würden, von der Bedeutungsschwere nach unten gezogen zu werden. So allerdings bleibt alles variabel, traurige Niedergeschlagenheit findet sich ebenso wie lebendiges Voranstürmen.

Und dann beherrschen Adjy ganz schlicht die Königsdisziplin, eindeutige Gefühle eingängig zu erzeugen, ohne zu plakativ oder plump zu werden. Hilfreich dabei ist die Neigung der Band, auch mal proggige Strukturen zuzulassen, die von hoher musikalischer Könnerschaft zeugen. Die beiden Teile von "Where June meets July: The Cicada song" können sehr viel, Folk-Kleinigkeit, hymnische Erhebung, aber eben auch eine geduldige Ausarbeitung mit differenzierter Instrumentierung. Die Akustikgitarren flirren, die Marching Drums pushen ein wenig, und der Gesang findet das richtige Gleichgewicht aus geträumter Milde und markanter Akzentuierung. Es ist dabei fast schon eine Grundsatzentscheidung, ob man sich von solcher Musik ansprechen lässt, Die in den Himmel gereckte Faust, das leidenschaftliche Herz, abgeklärten Musikliebhabern mag das zu viel sein, und die Coolness-Polizei würde hier einige Verhaftungen vornehmen, aber hey, dieses Album brennt, schmiegt sich an, ist die reine Liebe. Das abschließende "Eve beneath the maple tree" vereint dann auch kraftvolle Emotionalität mit der Überzeugung, manches für mehrere Momente still auskosten zu müssen. Dieses Album nimmt sich genau den Platz, den es braucht, um zu wirken, auch wenn das Fußballspiel schon längst abgepfiffen ist.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • In medias res (Between longing and mystery)
  • Where June meets July: III. at a dance where the stars cross
  • Where June meets July: VIII. Secretus liber (Beneath the fireworks that fell in mystique participation)
  • Eve beneath the maple tree

Tracklist

  1. In medias res (Between longing and mystery)
  2. A boy called June, Pt. I
  3. A boy called June, Pt. II
  4. Where June meets July: I. Overture
  5. Where June meets July: II. On a road trip that summer's day
  6. Where June meets July: III. At a dance where the stars cross
  7. Where June meets July: IV. O tonight
  8. Where June meets July: V. Maps (To the tune of "The great midwestern summer jig")
  9. Where June meets July: VI. The cicada's song, Pt. I
  10. Where June meets July: VII. The cicada's song, Pt. II
  11. Where June meets July: VIII. Secretus liber (Beneath the fireworks that fell in mystique participation)
  12. Where June meets July: IX. In space between pages...
  13. The farmland and the forest's edge
  14. Lake Adeyoha
  15. Eve beneath the maple tree

Gesamtspielzeit: 97:44 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Beefy

Postings: 361

Registriert seit 16.03.2015

2021-09-08 11:56:13 Uhr
Ich verstehe alle, denen das zu kitschig ist. Habe das ganze Album gestern nochmals bei passenderweise herrlichem Wetter am Stück durchgehört und muss gestehen, dass es für mich an der 9/10 kratzt.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 26251

Registriert seit 07.06.2013

2021-08-20 18:34:44 Uhr
Fürchte, ich werde mit diesem Durchgang jetzt dem Album seine vorerst letzte Chance geben. Bis auf Konzept und die Sound-Arrangements kriegt mich hier leider nichts wirklich. Aber gut, ich bin beim Opener, es hat ja noch etwas Zeit.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 26251

Registriert seit 07.06.2013

2021-08-05 15:55:29 Uhr
Hmm, leider tut sich auch nach 3 Durchgängen nicht viel. Irgendwie passiert mir dann doch zu wenig, nicht nur an Ausbrüchen... geht mir da wieder der Autotomate.

Autotomate

Postings: 3537

Registriert seit 25.10.2014

2021-08-05 12:12:00 Uhr
Ich muss mich denjenigen anschließen, die nicht ganz so begeistert sind: Das ist teilweise schon gut und schön, aber insgesamt zuviel des Guten und zu schön, um mich 1,5 Stunden bei Laune zu halten. Schade, klang recht vielversprechend...

Gomes21

Postings: 3616

Registriert seit 20.06.2013

2021-08-04 12:43:06 Uhr
Wo du gerade „kitschig“ sagst - wollte den Begriff vermeiden, aber er trifft schon sehr zu. Mir persönlich schmalzt das wirklich viieel zu viel. Und mich irritiert auch dass dir Produktion sehr viel kommerzieller auf mich wirkt als die Musik und die restliche Vermarktung inkl Songtitel und Bandnamen es eigentlich zulassen..
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